Verhandlung im Amtsgericht Alloheim in Lingen: Bußgeldverfahren gegen zwei Geschäftsführer

Eine Pflegerin schiebt eine ältere Dame im Rollstuhl über einen Flur in einem Seniorenpflegeheim. Foto: Holger Hollemann/dpaEine Pflegerin schiebt eine ältere Dame im Rollstuhl über einen Flur in einem Seniorenpflegeheim. Foto: Holger Hollemann/dpa

Lingen. Gegen die beiden Geschäftsführer der Alloheim-Gruppe mit Sitz in Düsseldorf, Rainer Hohmann und Thomas Kupczik, sind jeweils zwei Bußgeldverfahren am Amtsgericht Lingen anhängig. Entsprechende Informationen unserer Redaktion bestätigte Erster Stadtrat Stefan Altmeppen am Dienstag.

In einem Verfahren werde "zwei leitenden Angestellten" jeweils zum Vorwurf gemacht, einer behördlichen Anordnung über die Ordnungsmäßigkeit der Medikamentenversorgung der Heimbewohner zuwidergehandelt zu haben, hieß es außerdem in einer schriftlichen Antwort des Amtsgerichtes Lingen auf Anfrage der Redaktion. Die beiden Geschäftsführer sollen es den Angaben des Sprechers des Amtsgerichtes zufolge unterlassen haben, durch entsprechende organisatorische Maßnahmen die ordnungsgemäße Medikamentenversorgung sicherzustellen. Verhandlungstermin für die Hauptverhandlung ist der 6. Februar.


Das Alloheim im Emsauenpark in Lingen. Foto: Wilfried Roggendorf

In einem weiteren Verfahren wird ihnen jeweils vorgeworfen, eine behördliche Anordnung zur Beseitigung von Mängeln in der Pflegeeinrichtung im Emsauenpark im Hinblick auf Struktur- und Prozessqualität nicht umgesetzt zu haben. In diesem Verfahren ist noch kein Termin zur Hauptverhandlung bestimmt. 

Die Verfahren ins Rollen gebracht hat die Heimaufsicht der Stadt Lingen. Gegen die beiden Bußgeldbescheide, die den beiden Geschäftsführern am 10. Oktober und 22. November letzten Jahres zugestellt worden waren, ist nach Angaben des Ersten Stadtrates Stefan Altmeppen Einspruch erhoben worden. Über diesen Einspruch hat nun das Amtsgericht am 6. Februar zu entscheiden.

Vorwürfe über Missstände

"Die Alloheim Senioren-Residenzen SE" gehört nach eigenen Angaben mit aktuell 196 stationären Pflegeeinrichtungen, 16 Neubauprojekten, 72 Einrichtungen mit Betreutem Wohnen und 25 Ambulanten Diensten zu den drei größten privaten Anbietern in Deutschland. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 17.500 Mitarbeiter. 

In der Vergangenheit war das Unternehmen bundesweit immer wieder mit Vorwürfen über Misstände in ihren Pflegeeinrichtungen konfrontiert worden. Auch unsere Redaktion berichtete darüber. Angehörige von Pflegebedürftigen hatten 2018 schwere Vorwürfe gegen die Alloheim-Residenz im Emsauenpark erhoben. Personalmangel habe, so die damalige Einschätzung von Angehörigen, von Anfang an geherrscht. Die Pflegeeinrichtung mit 90 Plätzen hatte im Mai 2016 eröffnet. Ständig seien Beschäftigte von Zeitarbeitsfirmen dort gewesen, die über die Bewohner nicht Bescheid gewusst hätten. Noch nicht einmal die Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken und Körperhygiene seien abgedeckt worden, lauteten die Vorwürfe. Die Alloheim-Gruppe wies diese seinerzeit zurück. Das Wohl der Bewohner und die Qualität der Pflege hätten, so die Sprecherin, für das Alloheim höchste Priorität. Daher sei das Alloheim bundesweit seit mehr als 40 Jahren als verlässlicher Anbieter für hochwertige Pflege bekannt.

"Unser Ziel ist es, auf eine Verbesserung der Pflege im Alloheim in Lingen hinzuwirken", sagte der Erste Stadtrat. Es gehe darum, eine qualitativ hochwertige Pflege sicherzustellen.

Unsere Redaktion bat am Dienstagnachmittag die Pressestelle der Alloheim-Gruppe in Düsseldorf um eine Stellungnahme zum bevorstehenden Bußgeldverfahren vor dem Amtsgericht. Ein Sprecher der Alloheim Senioren-Residenzen SE teilte am Abend mit, „dass wir uns aktuell nicht äußern, da es sich um ein laufendes Verfahren handelt.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN