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Katstrophe mit Drehbuch Routinierte Retter trotz „kalter Lage“: Feuerwehren Voltlage und Halverde proben den Ernstfall

Von Christian Geers


cg Voltlage. Blaulichter blitzen, Martinshörner dröhnen – als Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr am Donnerstagabend durch Voltlage rauschen, ahnt kaum ein Einwohner, dass die vermutete Katastrophe im Dorf nur gespielt ist und einem Drehbuch folgt. Einmal im Jahr probt die Feuerwehr Voltlage mit den Kollegen aus Halverde den Ernstfall.

Ort der Übung ist das Gelände der Eiergroßhandlung Robbe am Ankumer Damm. Um kurz vor 20 Uhr spielen sich in der Halle des Unternehmens also schlimme Szenen ab, so haben es sich Richard Hölscher und Frank Pohlmann von der Feuerwehr Voltlage ausgedacht:

Bei Arbeiten in der Lagerhalle ist ein Elektrostapler in Brand geraten. Mitarbeiter greifen zum Feuerlöscher, doch die Flammen lassen sich nicht bändigen und schlagen auf die Eierpaletten aus Pappe über. Wie viele Mitarbeiter sich in der Halle aufhalten, ist bald unklar. Drei Menschen werden vermisst, diese Meldung erreicht die Feuerwehren Voltlage und Halverde.

Keine Viertelstunde später sind die Rettungskräfte vor Ort. Alles folgt einer eingespielten Routine. Kommandos sind kurz und knapp, jeder weiß, was zu tun ist. Interessiert schaut auch Unternehmer Dirk Robbe zu. Und auch Kinder auf der Mauer schauen sich den Einsatz gebannt an.

Die Feuerwehren teilen sich die Arbeit auf: Während die Voltlager das imaginäre Feuer bekämpfen und nach den Vermissten in der verqualmten Halle suchen, leisten die Kollegen aus Nordrhein-Westfalen wertvolle Unterstützung: Sie bringen einen Hochleistungslüfter in Stellung und helfen beim Löschen. Ein Reservetrupp mit geschulterten Atemgeräten steht ebenfalls bereit. Jeder Schritt, den die Atemschutzgeräteträger machen, wird von den Atemschutz-Überwachern notiert. Sie protokollieren penibel, wer mit wie viel Luft in den Flaschen auf dem Gelände unterwegs ist. Und sie sagen an, wann es Zeit für einen Wechsel ist.

Nicht aus den Augen gelassen werden die etwa 40 Feuerwehrmänner von Voltlages Ortsbrandmeister Gregor Büscher, Neuenkirchens Gemeindebrandmeister Herbert Kempe und Wehrführer Hubert Ahrens aus Halverde. Sie schauen genau hin, ob die Handgriffe sitzen und Sicherheitsbestimmungen eingehalten werden – trotz „kalter Lage“, wie Ahrens das Übungsszenario nennt.

„Klar, so eine Übung ist etwas anderes als ein realer Einsatz“, sagt der Halverder Wehrführer. Aber diese gespielte Katastrophe mit Drehbuch ermögliche den Mitgliedern der Feuerwehr, bestimmte Szenarien gezielt durchzuspielen und Abläufe anzutrainieren. Aber auch das Zusammenspiel zweier Wehren werde weiter verbessert. „Letztlich geht es auch darum, sich bei solchen Anlässen näher kennen zu lernen“, sagt Hubert Ahrens.

Eine gute Stunde später ist der Einsatz beendet. Alle drei lebensgroßen Puppen – und damit die Vermissten – sind aus der Lagerhalle gerettet worden. Wobei sich die Feuerwehrmänner mit einer Puppe besonders abmühen mussten, denn sie wiegt annähernd 100 Kilogramm.

Die Manöverkritik im Feuerwehrhaus fällt kurz und knapp aus. Rückwärtsfahrende Einsatzwagen müssen eingewiesen werden, ist so ein Punkt, der Herbert Kempe ausgefallen ist.

Auch Voltlages Bürgermeister Bernhard Egbert lobt die jährlichen Übungen. Sie seien wichtig für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Ernstfall.


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