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Neun Verletzte in Arztpraxis Bussarde greifen Jogger an - Vier Zentimeter lange Kratzwunden auf dem Kopf

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Riemsloh. „Erst hörte ich nur ein leises Zischen und spürte einen Luftzug im Rücken. Eine Minute später krallte sich dann der angreifende Vogel beim zweiten Anflug in meinem Hinterkopf fest.“ So beschreibt Anja Bitter den Angriff eines Greifvogels, den sie vor einer Woche beim Laufen im Riemsloher Wald erlebte.

Mit ihrer Erfahrung ist sie nicht allein: In der Riemsloher Arztpraxis mussten bereits vier Patienten mit Wunden von derartigen Vogelattacken versorgt werden.

Glücklicherweise handelte es sich durchweg um leichte Verletzungen. Dennoch sind die Ärzte in der Gemeinschaftspraxis besorgt um ihre gesundheitsbewussten Patienten, die besonders gerne im Riemsloher Wald joggen oder walken.

„Einem Betroffenen hat ein Vogel seine Krallen quer über die Glatze gezogen, dabei sind vier Zentimeter lange, tiefe Kratzwunden entstanden“, berichtete Gerd Buermeyer von einem Vorfall am Donnerstag. Gustav Lösken wies auf den schockartigen Zustand hin, den ein solch unerwarteter Angriff auslösen kann.

Vor einer Woche haben Krukumer Jäger in Absprache mit dem Ordnungsamt der Stadtverwaltung acht Warnschilder an Bäumen angebracht. Trotz dieser Schilder ist es zu weiteren Angriffen von Vögeln oder von einem Vogel auf Menschen gekommen. „Ich habe keine Warnhinweise gesehen“, meinte Langstreckenläufer Heiner Papenbaum, nachdem er einen Vogel im Nacken sitzen hatte. In der Tat sind die Schilder etwas klein geraten und springen nicht jedem Spaziergänger und Jogger gleich ins Auge.

Bis gestern waren mindestens neun Fälle mit körperlichen Attacken auf Menschen bekannt, die sich alle im Riemsloher Wald im Bereich des Fünf-Wege-Kreuzes bis zum „Wildzaunweg“ direkt an der Autobahn abspielten. Einige der Angegriffenen wiesen auf ähnliche Ereignisse in den Frühjahren 2010 und 2009 hin. Allerdings hätte es sich in den Vorjahren meist nur um Warn-Angriffe ohne direkten Körperkontakt gehandelt. Ärztin Ute Lösken äußerte die Befürchtung, dass die Elterntiere ihr angriffslustiges Verhalten vielleicht an ihre lernenden Jungvögel weitergeben könnten.

„Vermutlich handelt es sich um einen einzelnen männlichen Mäusebussard mit stark ausgeprägtem Schutzinstinkt für die Brut“, erklärte Meinhard Krüger von der Krukumer Jägerschaft. Angesichts der zunehmenden Population dieser unter Schutz stehenden Vögel nehme möglicherweise der Druck und die Aggressivität bei der Revierverteidigung zu, suchte der Jäger nach Erklärungen. „Diese Vögel dürfen nicht geschossen werden.“

Ein tief gebautes Nest komme nicht als Ursache in Betracht, es befinde sich wahrscheinlich in der Spitze eines der höchsten Bäume, meint der Vertreter der Krukumer Jägerschaft. Auch in der Fachliteratur werde von örtlichen Zunahmen solcher Angriffe berichtet, so Krüger. Nach seiner Einschätzung liegt die Strecke zwischen dem „Wildzaunweg“ und dem Fünf-Wege-Kreuz innerhalb der Reviergrenzen des Brutpärchens.

Krüger glaubt aber nicht an die Gefahr wirklich schlimmer Verletzungen. Es handele sich nicht um Beuteangriffe, sondern lediglich um die Vertreibung vermeintlicher Feinde. Langsam gehende Spaziergänger sind nach seiner Ansicht weniger bedroht als Jogger, Läufer oder Radfahrer. „Die Brutzeit liegt meist im Zeitraum von Ende April bis Anfang Juni“, hofft er auf eine zeitliche Begrenzung des für Menschen so unangenehmen Verteidigungsinstinktes der Greifvögel. Aber bei besonders frühen Bruten könne es im August zu einer zweiten Brut kommen. Abschließend gab er einen Tipp: „Wer den betroffenen Bereich nicht ganz meiden will, kann sich mit einem schnell aufspringenden Regenschirm schützen.“


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