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Im Gerry Weber Stadion Udo Lindenberg bietet drei Stunden Rock'n'Roll-Theater in Halle

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Udo rockt Halle: Lindenberg bei seinem Auftritt im Gerry Weber Stadion. Fotos: Gert WestdörpUdo rockt Halle: Lindenberg bei seinem Auftritt im Gerry Weber Stadion. Fotos: Gert Westdörp

Halle/Westfalen. Udo Lindenberg macht sein Ding und räumt voll ab. Nach den Echos in Berlin erhält der Panikrocker am Samstag kurz vor dem restlos ausverkauften Konzert im Gerry Weber Stadion den erstmals von Geschäftsführer Ralf Weber vergebenen Sold Out Award. 8300 Menschen (Rekord!) aus der Region feiern anschließend drei Stunden lang eine ausgelassene Honky Tonky Party.

Von Marcus Tackenberg

 

„Udo war ja schon oft bei uns zu Gast, besuchte die Gerry Weber Open oder das Rhythm‘ n‘ Blues-Festival“, sagt Pressechef Frank Hofen. „Doch als Musiker kam er zum ersten Mal und dann macht er gleich die Hütte voll.“ Für einige Mitglieder des Panikorchesters ist es zugleich ein Abstecher in heimatliche Gefilde, verbunden mit dem Wiedersehen vieler alter Bekannter. „Keyboarder Hendrik Schaper und Gitarrist Hannes Bauer kommen aus Osnabrück, Bassist Steffi Stephan aus Münster“, erwähnt Lindenberg („Ich komme aus Gronau an der Donau“) unter dem Jubel des Publikums und freut sich sichtlich über die „intime Atmosphäre“ im Tennisstadion.

Die Arena kann so gerade den aufwendigen Bühnenaufbau der aktuellen Lindenberg-Tour fassen. Gleich zu Beginn entsteigt der 65-Jährige, begleitet vom krachenden „Odyssee“-Opener einem 20 Meter langen Zeppelin, optisches Prunkstück der Show. Schon am Freitag war der 100-köpfige Tross mit etlichen Trucks nach Halle gekommen, um das kunterbunte Rock‘n‘Roll-Theater aufzubauen. Auf der Bühne wirbeln nicht nur Lindenberg, Musiker und Duett-Sängerinnen herum. Platz hat auch Udos persönlicher Bodyguard Eddy Kante mit seiner Cocktail-Bar – und im Laufe des Abends kommen ein Kinderchor, Lara-Croft-Tänzerinnen, eine Horde Rentner, ein Vampir und eine Akrobatin zum Einsatz.

Die biegsame Imelia lässt sich bei ihrer waghalsigen Nummer in luftiger Höhe aus einer sich öffnenden Glaskugel nach unten hängen und imitiert dazu ein Cello-Spiel. Da kann das Publikum schnell verschmerzen, dass Sänger Clueso beim gleichnamigen Hit nicht mit an Bord der Andrea Doria ist. Auch Jan Delay fehlt, wird aber etwa in „Alles ganz anders“ gesanglich hervorragend von Soulsängerin Nathalie Dorra vertreten.

Das Programm ist ein Streifzug durch 40 Jahre Panik-Geschichte. „Das hier ist nicht nur mein Leben, sondern da steckt auch ganz viel Biografie von Euch drin“, ruft Udo seinen Fans zu. Einige von ihnen in der ersten Reihe erscheinen wie Lindenberg-Klone: Hut, Brille, Mimik – alles passt bis aufs Detail. Da lacht das Publikum, als die Lindenberg-Kopien plötzlich auf der großen LED-Leinwand gezeigt werden und Udo sich ihnen zu Füßen legt.

„Meine erste Liebe“, „Gegen die Strömung“, „Was hat die Zeit mit uns gemacht“ - kaum ein deutschsprachiger Musiker bringt Balladen so unaffektiert und authentisch rüber wie Lindenberg. Im Publikum kullert so manche Träne. Und auch seine politischen Ansichten haben immer Platz im Programm: In „Führer“ wettert der Panikrocker gegen NPD und Neonazis („Braun passt nicht zur bunten Republik“), und in „Wozu sind Kriege da“ erinnert der Panikrocker an das Leid des syrischen Volkes, das der „Schlächter von Damaskus“ – wie er Assad nennt – knechtet.

Natürlich darf Udos spezielles Engagement für die Wiedervereinigung nicht fehlen. „Das Mädchen aus Ost-Berlin“ erklingt zwar nur kurz im Medley, doch beim „Sonderzug nach Pankow“ können alle mitfeiern und mitsingen. „Höllenfahrt“ gerät zur Hommage an zu früh gestorbene Stars wie Amy Winehouse und Jimi Hendrix. Da wird Udo plötzlich nachdenklich: „Ich war 32 und dachte, ich halte den ganzen Zirkus nicht aus“. Doch das alte Motto „Früher Tod, großer Ruhm“ gelte nicht für ihn: „Später Tod, trotzdem großer Ruhm“, lacht Lindenberg und bläst zum Grande Finale mit „Johnny Controlletti“, „Andrea Doria“, „Candy Jane“ und seinem aktuellen Hit „Reeperbahn“, bevor er mit Rauchbomben und Feuersäulen mit seinem Zeppelin entschwindet.

 Eine Wahnsinns-Show, die der 65-Jährige mühelos bewältigt. Und auf der After-Show-Party geht’s weiter.Udos Motto: „Immer schön locker, easy und geschmeidig bleiben.“


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