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Baustart noch 2013 Bürohaus im Bahnhof Quakenbrück: „Idee soll schnell Realität werden“

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Quakenbrück. Die künftigen Besitzer des Bahnhofsgebäudes wollen noch in diesem Jahr mit dem Umbau zu einem Bürohaus beginnen. „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, dass aus der Idee schnell Realität wird“, teilen Helmut und Andreas Hettwer auf Anfrage des „Bersenbrücker Kreisblattes“ mit. Die Inhaber eines Ankumer Architektur- und Ingenieurbüros hatten mit der Idee den Stadtrat überzeugt, den Bahnhof künftig als Bürohaus zu nutzen. Zunächst stehen aber noch weitere Verhandlungen an.

Wenn Helmut Hettwer durch die Bahnhofshalle geht, dann werden Erinnerungen in ihm wach. Dann denkt er an seine Schulzeit, die ihn vor mehr als vier Jahrzehnten auch häufiger in das imposante Gebäude führte. Damals, als die Bundesbahn noch das weitläufige Areal betrieb und die Bahnsteige durch einen Tunnel zu erreichen waren.

Das ist lange vorbei. „Aber das Gebäude fasziniert mich immer noch“, bekennt der 59-Jährige, der seit 1990 ein Architekturbüro in Ankum betreibt. Als er im vergangenen August im Immobilienteil der Tageszeitung die Anzeige entdeckte, mit der die Stadt Quakenbrück einen Investor für das Jugendstilgebäude suchte, da ließ er seine Fantasie spielen und entwarf gemeinsam mit seinem Sohn Andreas (28) ein Konzept.

Die Bezeichnung Investor gefällt Helmut Hettwer nicht besonders, eher die Bezeichnung Projektentwickler. Diese beschreibe die Arbeit besser. „Investor ist sicher richtig, und klar ist auch, dass für Kauf und Umbau des Bahnhofes Geld in die Hand genommen wird“, merkt der Ankumer an. Viel lieber sei ihm, wenn das Hauptaugenmerk auf Ideen und Gestaltungsmöglichkeiten gelegt werde.

Dem Quakenbrücker Bahnhof wollen die Ankumer Architekten zu neuem Glanz verhelfen, daran lassen sie keinen Zweifel. „Das Äußere behält das gewohnte Aussehen, innen wird es zeitgemäße Änderungen geben.“ Die Herausforderung dabei sei, „die denkmalschutzrechtlichen und baurechtlichen Bestimmungen mit einem wirtschaftlich tragfähigen Konzept in Einklang zu bringen“. Soll heißen: Bei allem Respekt vor dem Denkmalschutz müsse an Brandschutz und Fluchttreppen gedacht werden. Das alles sei mit der Nutzung als „Office-Station“ am besten zu erreichen. „Denn dafür ist das Gebäude sehr gut geeignet“, sagt Helmut Hettwer.

Der Bedarf an Büroflächen sei in der Stadt Quakenbrück sehr wohl vorhanden, hält er Kritikern entgegen, die das Gegenteil behaupten und dabei auf bestehende Leerstände in der Innenstadt verweisen. „Aus jedem leer stehenden Geschäft lässt sich aber nicht immer ein Büroraum machen, wenn – wie in der Langen Straße – ausreichend Parkmöglichkeiten fehlen“, kontert er. Und: Bei der laufenden Vermarktung der hochwertigen Büroflächen im Bahnhofsgebäude ist das Architekturbüro nach eigenen Worten „auf großes Interesse gestoßen“.

Es gebe Verhandlungen mit mehreren potenziellen Mietern, „nach deren Bedürfnissen wir gerade die Büros zuschneiden“, ergänzt Andreas Hettwer. Er bekräftigt: „Es handelt sich dabei um ernst zu nehmende Interessenten.“ Mehr will er dazu noch nicht sagen. Nur so viel: Etwa ein Drittel der vermarktungsfähigen Fläche von rund 800 Quadratmetern sei bereits verplant.

Doch bevor die Bauarbeiter anrücken können, müssen die künftigen Eigentümer eine Reihe von Verhandlungen mit der Stadt Quakenbrück und dem Sanierungsträger BauBeCon führen. Denn letztlich geht es ums Geld. Der Kaufpreis für den Bahnhof dürfte die geringste Hürde sein. Schwieriger – weil viel komplizierter – ist dagegen die Frage, wie viel Geld der künftige Besitzer aus Mitteln der Stadtsanierung bekommt. Hier sind Gespräche mit Stadt, Sanierung, der N-Bank und dem Sozialministerium zu führen. Die Summe, die am Ende als einmaliger Zuschuss an den Projektentwickler fließt, wird exakt berechnet und ist nichts anderes als ein Ausgleich für die „nicht rentierlichen Kosten“. Es geht also um den Ausgleich der Nachteile, die das Bahnhofsgebäude seinem künftigen Besitzer bereitet, weil der Sanierungsbedarf sehr hoch ist.

Bis diese Verträge unterschriftsreif sind, könnten nach Hettwers Schätzungen „vielleicht noch zwei, drei Monate vergehen“. Auf alle Fälle haben sich die Architekten Rat bei Experten geholt, die sich in den Vorschriften rund um öffentliche Fördergelder bestens auskennen. Hettwer geht davon aus, dass die Verhandlungen mit der Stadtverwaltung „sehr fair und konstruktiv“ verlaufen werden. Er lobt die „differenzierte Betrachtung“ des interfraktionellen Arbeitskreises, in dem alle drei am Bahnhof Interessierten ihre Konzepte erstmals präsentieren mussten.

Als „Office-Station“ bleibe der Bahnhof für die Öffentlichkeit zugänglich, versprechen die Architekten. Ein Café oder ein Bistro als Treffpunkt, auch eine Reiseagentur sehen die Pläne vor. Und öffentliche Veranstaltungen sollen auf dem Gelände vor und hinter dem Jugendstilgebäude weiter möglich sein. Das im vergangenen Jahr erstmals aufgelegte Festival „Rock für Tibet“ soll weiterhin auf dem Platz zwischen Bahnhof und Bahnsteig organisiert werden. „Darin sehen wir überhaupt keine Probleme, im Gegenteil“, sagt Andreas Hettwer.

Entwürfe für eine Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes hat das Architekturbüro inzwischen auch vorgelegt. Auch hier müsse es Veränderungen geben, um den Eingangsbereich ähnlich attraktiv zu machen wie das Innere des Bahnhofs.

Zur Sache: Ratsmehrheit für „Office-Station“

Ende April hat der Stadtrat mit deutlicher Mehrheit entschieden, dass der Bahnhof künftig als Bürohaus („Office-Station“) genutzt werden soll. Zuvor hatten drei Interessenten zunächst dem Arbeitskreis ihre Konzepte präsentiert: Veranstaltungshaus mit Stadthallenfunktion, „Office-Station“ und Seniorenresidenz. Nach Gesprächen, die zunächst unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt wurden, gab es eine Bürgerversammlung, anschließend berieten Bauausschuss und Rat. Dieser entschied sich für das Bürohaus und beauftragte die Verwaltung, die Verhandlungen mit dem Architekturbüro Hettwer aufzunehmen.


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