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64-Jähriger vor Gericht Hat Bramscher auch seine Töchter sexuell missbraucht?

Von Henning Müller-Detert

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Die Freisprüche im Haster Mordprozess sind nun rechtskräftig. Foto:dpa.Die Freisprüche im Haster Mordprozess sind nun rechtskräftig. Foto:dpa.

Osnabrück/Bramsche. Der Angeklagte steht wegen schweren sexuellen Missbrauchs seiner Enkelinnen vor Gericht. Schon einer der ersten Sätze seiner als Zeugin geladenen Tochter weist auf weitere mögliche Verwerfungen in dieser Bramscher Familie hin: „Meine Schwester und ich wurden auch von meinem Vater missbraucht“, sagt die 41-Jährige.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 64-jährigen Bramscher vor, dass er drei Enkelinnen zahlreiche Male bedrängt haben soll. Am dritten Verhandlungstag sind nun seine beiden Töchter als Zeugen geladen. Ein wesentlicher Punkt in ihren Aussagen sind die mutmaßlichen Übergriffe gegen sie selbst. Die ältere der beiden, heute 42, soll bereits als Neunjährige und dann über mehrere Jahre missbraucht worden sein. Ihre ein Jahr jüngere Schwester gibt an, dass sie 16 Jahre alt gewesen sei und sich der sexuelle Missbrauch über einige Monate hingezogen habe.

Ihre Aussage ist der emotionalste Moment an diesem Verhandlungstag, denn sie erzählt unter Tränen von den Vorfällen. Hinterher habe ihr Vater befohlen, nichts der Mutter zu erzählen. „Sonst würde die Familie auseinanderbrechen, und ich hätte schuld“, sagt die 41-Jährige.

Kurz zuvor war es im Gerichtssaal laut geworden: Thema war die finanzielle Unterstützung durch den Angeklagten. Der Bramscher hatte bereits am ersten Verhandlungstag ausgesagt, dass die Gerichtsverhandlung nur deshalb stattfinde, weil er Zahlungen an die Kinder eingestellt habe.

Eine Frage, die die Gerichtsparteien behandeln, ist naheliegend: Warum haben die Kinder – sollten sie selber Opfer gewesen sein – ihre Töchter zu den Großeltern gegeben? Beide sagen übereinstimmend, dass sie es sich nicht hätten vorstellen können, dass ihr Vater sich auch an den Enkelinnen vergehe. In größerer Runde hätten sie zudem – mit ihrem Vater als eigentlichem Adressaten – häufiger gesagt, was sie machen würden, sollte ihren Kindern Derartiges zustoßen. Unruhig sei sie aber geworden, als ihre jüngste Tochter ein besonders enges Verhältnis zum Großvater gehabt habe, sagt die 41-Jährige. Deshalb habe sie schließlich die Besuche bei den Großeltern unterbunden.

An den ersten beiden Verhandlungstagen hatten die beiden 19-jährigen Cousinen ausgesagt, dass ihr Großvater sie mehrfach sexuell missbraucht habe. Die Befragung der zwölfjährigen Enkelin hatte unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden. Der Angeklagte bestreitet die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft. Auch seine Ehefrau sieht das Gerichtsverfahren als Folge der Missgunst der Töchter.

Das Verfahren wird am kommenden Dienstag mit der Aussage eines Sachverständigen fortgesetzt. Darüber hinaus werden die Plädoyers erwartet.


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