zuletzt aktualisiert vor

Oberstufe in Werlte abgelehnt Schülerzahl im Emsland geht um Drittel zurück

Von Gerd Schade

<em>Das Gymnasium Werlte</em> wird nach dem mehrheitlichen Willen des Kreistages nicht um eine Oberstufe erweitert. Foto: HinrichsDas Gymnasium Werlte wird nach dem mehrheitlichen Willen des Kreistages nicht um eine Oberstufe erweitert. Foto: Hinrichs

Meppen/Werlte. Sinkende Schülerzahlen, eine drohende Schwächung anderer Gymnasial-Standorte vor allem im nördlichen Emsland und ein zu wenig differenziertes Kursprofil in einem kleinen System – auf diesen Nenner hat Erster Kreisrat Martin Gerenkamp die ablehnende Haltung des Landkreises auf den Antrag des Gymnasiums Werlte auf Einrichtung einer Oberstufe gebracht. Die überwältigende Mehrheit des Kreistages stimmte am Montagabend ebenfalls gegen den Antrag. Der Schulvorstand des Gymnasiums sieht hingegen seine Argumente für eine Oberstufe nicht hinreichend gewürdigt.

„Wir haben uns die Beratung nicht einfach gemacht“, versicherte Gerenkamp. Er gab allerdings zu bedenken, dass sich die Anzahl der Schüler im Emsland in den kommenden Jahren deutlich verringern werde. Nach seinen Worten besteht der emslandweit zurzeit stärkste Schuljahrgang, die Klassenstufe 10, aus 4200 Schülern. Die Jahrgangsstufe 1 liege hingegen bei nur noch 2700 Schülern. Und die aktuellen Geburtenraten wiesen einen ähnlichen Trend auf. „Viele unserer Schulen stehen also vor der Situation, dass die Zahl der Schüler um ein Drittel zurückgehen wird“, sagte Gerenkamp. Das gelte auch für Gymnasien, auch wenn die gymnasiale Übergangsquote nach dem Ende der Grundschulzeit weiter steige.

Im Hinblick auf die demografische Entwicklung sei die Situation in Werlte zwar stabil, man könne die Kommune aber nicht isoliert betrachten. Dem Hümmling-Gymnasium im benachbarten Sögel würde bei einer Oberstufe in Werlte selbst nur noch eine kleine Oberstufe bleiben. „Ein großes System zugunsten zwei kleinerer aufzugeben ist nicht sinnvoll“, betonte Gerenkamp. Der Erste Kreisrat würdigte das Engagement von Werlter Eltern und Lehrern, versicherte aber, dass der Landkreis alle Argumente deutlich auf den Prüfstand gestellt habe.

Heinz Aepken (CDU) verwies darauf, dass das Gymnasium mit Zustimmung aller Beteiligten von vornherein ohne Oberstufe genehmigt worden sei. Überdies habe der Landkreis gerade erst mehr als 4,5 Millionen Euro in den Ausbau des Hümmling-Gymnasiums gesteckt. Für eine Oberstufe in Werlte würden weitere Investitionen fällig. „Und in Sögel stünden dann plötzlich Klassenräume leer“, sagte Aepken. Es tue der CDU-Fraktion leid, Schüler und Lehrer in Werlte enttäuschen zu müssen.

„Angst vor Veränderung“

Rolf Hopster (SPD) machte das Dilemma einer aus seiner Sicht „schwierigen und weitreichenden Entscheidung“ deutlich. „Egal, wie ich entscheide, es wird immer Protest geben“, sagte Hopster. Er stellte allerdings infrage, dass die Auswirkungen einer Oberstufe in Werlte für Sögel und die Region akzeptabel seien, und regte für die Zukunft einen Schulentwicklungsplan an. Heinz Schwarte (SPD) aus Werlte sprach sich anders als seine Fraktion, wie außer ihm nur noch Peter Raske (SPD) und die FDP-Fraktion für die Oberstufe aus. Er hält im Gegensatz zur Kreisverwaltung („zu große räumliche Distanz“) eine Kooperation mit Sögel sehr wohl für möglich. Schwarte regte zudem eine Schwerpunktbildung auf die Fachbereiche Naturwissenschaft und Technik an. „Leider aber habe ich das Gefühl, dass man Angst vor einer Veränderung in der Schullandschaft hat.“ Raske hob den aus seiner Sicht eindeutigen Eltern- und Schülerwillen hervor.

Für Raunen im Kreistag sorgte Gerd Henkel (FDP), als er erklärte, warum er sich anders als noch in der Schulausschusssitzung am 5. Juni nun für den Antrag ausspreche. Er habe seinerzeit vorrangig die Gegenargumente im Blick gehabt und sich selbst nicht ausreichend informiert, räumte Henkel ein. Er hob in seiner Argumentation die rechtlichen Voraussetzungen („liegen vor“), eine Kooperation mit Sögel zur Stärkung beider Standorte und den Vorzug eines wohnortnahen Angebots ohne gravierende Bildungsnachteile hervor.

Der Schulvorstand des Gymnasiums Werlte kritisiert, dass die Kooperationsmöglichkeit mit dem Fahrzeugwerk Krone in Werlte „völlig unberücksichtigt“ geblieben sei. Eine Zusammenarbeit wäre nach Auffassung des Schulvorstandes „wegweisend angesichts der zu erwartenden demografischen Entwicklung und der diesbezüglichen Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt“. In einem Schreiben an Schulleiter Heinz-Joseph Thöle spricht sich Krone klar für eine Oberstufe in Werlte aus. Die Bedenken in pädagogischer Hinsicht (Dreizügigkeit, Einschränkung der Wahlmöglichkeiten) teilt der Schulvorstand nicht.