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40 Meter Flügelspanne Transall der Bundeswehr landet am Dienstag in Damme

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Damme. Rund 22 000 Starts und Landungen verzeichnet der Flugplatz Damme im Jahr – vom Ultraleichtflieger bis hin zur zehnsitzigen Geschäftsmaschine. Am Dienstag kommt eine ganz besondere Landung hinzu: Wenn sich die Transall „50+37“ der Bundeswehr auf die Landbahn senkt, wird das „ein Highlight für die nächsten Jahre“, sagt Flugplatz-Geschäftsführer Dietrich Keck.

Denn wenn die Transall vom Typ C-160 D erst einmal gelandet ist, „wird sie nicht wieder starten“, sagt Keck. Als Dauerleihgabe des Ankumer Vereins „Museum für Technik, Natur und Luftfahrt“ soll die Transportmaschine Besucher nach Damme locken. Einen Kontakt zwischen Verein und Flugplatz gebe es „schon immer und ewig“, berichtet Keck. Zwei ältere Flugzeuge hätten die Ankumer bereits in den Hangars in Damme stehen.

Nun kommt die Transall hinzu, die der Ankumer Museumsverein von der VEBEG, dem Verwertungsunternehmen des Bundes, erworben hat. Im Zuge einer Umrüstung mustere die Bundeswehr rund die Hälfte ihres Transall-Bestandes aus, weiß Keck zu berichten.

Dass eine der außer Dienst gestellten Maschinen in Damme ihre letzte Heimat findet, sei „eine wirkliche Attraktion für diesen Platz“ und ein ganz besonderer „Anziehungspunkt“. Von der Dammer Größenordnung gebe es rund 2000 Flugplätze in Deutschland, sagt Keck, aber eine Transall besichtigen könne man nur „einmal in der Nähe von Berlin und der zweite Platz sind dann wir“. Weitere Flieger seien in Museen in Süd- und Ostdeutschland zu finden, aber im Nordwesten gebe es kein weiteres Exemplar zu besichtigen.

Der Flugplatz will sein neues Schmuckstück touristisch vermarkten und spezielle Veranstaltungen und Führungen zur Transall anbieten. „Wir überlegen auch, ob wir auf Dauer ein Museum aufbauen, bei dem ein Teil der Ausstellungsstücke auch noch fliegen kann“, sagt Keck. Zunächst einmal soll das Flugzeug aber am Eingangsbereich des Platzes repräsentative Aufgaben übernehmen.

Voraussetzung ist, dass am Dienstag die Witterung mitspielt. „Wir sind aus der Nebeljahreszeit raus und haben gutes Wetter bestellt“, sagt Flugleiterin Judith Köttermann. Außerdem habe die Crew, die die Maschine überbringt, am vergangenen Dienstag bereits einen Probeanflug mit einer anderen Transall durchgeführt, „damit sie weiß, wo es hingeht, und wie die Piste aussieht“. Die Besatzung des Towers in Damme darf Flieger nicht lotsen, sondern Piloten nur informieren und die Lande-richtung vorgeben. Es wird auf Sicht geflogen. Köttermanns Aufgabe wird es am Dienstag sein, anderen Flugbetrieb auf Distanz zu halten, wenn die Transall einschwebt.

Auch wenn das Feld frei ist, müsse die Crew schon „wissen, was sie macht“, sagt Köttermann angesichts der Dammer Größenverhältnisse. Mit ihren 40 Metern Flügelspannweite ist die Transportmaschine doppelt so breit wie die Landebahn. Da auf dem Flugplatz nur ein Flugbetrieb bis 5,7 Tonnen zugelassen ist, musste für die Transall-Landung eine Ausnahmegenehmigung eingeholt werden: Im Datenblatt des Fliegers sind fast 29 Tonnen Leergewicht eingetragen. Dass die Landebahn „nur“ 700 Meter lang ist, sei kein Hindernis, sagt Köttermann. „Die Maschine ist dafür gemacht, auf unebenem Gelände steil anzufliegen und auf einer kurzen Strecke zu landen.“ Bei der Bundeswehr wurde sie für Material- und Personaltransporte auch in Krisengebieten wie Afghanistan eingesetzt.

12 296 Flugstunden hat die „50+37“ seit ihrer Erstzulassung am 17. März 1970 gesammelt. Auf ihrem letzten Flug kommen noch einmal gut 20 Minuten Flugzeit aus Wunstorf bei Hannover hinzu, schätzt Keck. Dorthin wurde die Maschine bereits überführt. Sie stammt aus den Beständen des Lufttransportgeschwaders 61, das auf dem Fliegerhorst Landsberg/Lech in Bayern stationiert ist.

Für die Bundeswehr ist die Überführung ein Dienstflug. Nach ihrer 15 666 Landung wird die Transall zunächst entmilitarisiert, bevor Besucher sie betreten dürfen. „Der militärisch relevante Teil der Navigation wird ausgebaut“, erklärt Keck. Am Donnerstag könnten diese Arbeiten erledigt sein, hofft der 66-jährige Quakenbrücker, der schon „vorher mal einen Blick reinwerfen“ will ins Cockpit, das nach der Entmilitarisierung mit technischen Vorgängermodellen wieder komplettiert werde.

Dass die Maschine von der Bundeswehr übergeben wird, erklärt auch den Überführungstermin am Dienstag: „Die Bundeswehr bestimmt, wann sie die Maschine bringt“, sagt Keck. „Relativ viele Flieger und Piloten“ aus der Umgebung würden sich die Landung nicht entgehen lassen, schätzt Judith Köttermann. Die Transall-Landung, die nach aktuellem Stand gegen 10 Uhr erwartet wird, sei „definitiv was Besonderes“. Dietrich Keck ist da zurückhaltender: „Ich weiß nicht, ob überhaupt jemand Interesse hat.“ Immerhin sei es „ein Tag, an dem alle normal arbeiten müssen“. Mit wenigen Ausnahmen: Für Geschäftsführer Keck und die Belegschaft des Dammer Flugplatzes wird der Arbeitstag zum Feiertag. Oder wie es Flugleiterin Judith Köttermann ausdrückt: „Das sieht man hier nur einmal im Leben.“


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