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Nur noch ein Trümmerhaufen Nach dem Brand in Quakenbrück: US-Konzern sucht nach Produktionsmöglichkeiten

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Quakenbrück. Die Lear Corporation ist ein Industriekonzern aus dem Mittleren Westen der USA mit 93.000 Mitarbeitern in 35 Ländern. Rund 230 von ihnen wissen derzeit, nicht wie es weitergehen wird. Sie arbeiten in Quakenbrück. Dort ist am Freitag die Produktionshalle für die Herstellung von Autositzen abgebrannt.

Dort ist am Freitag die Produktionshalle für die Herstellung von Autositzen abgebrannt. Eine schwarze Rauchfahne kündete fast im ganzen Osnabrücker Land vom Unglück. Inzwischen hat am Montagnachmittag ein Sprecher des Konzerns ankündigt, dass nach alternativen Produktionsmöglichkeiten gesucht werden solle.

Rückblick: Um 15.30 Uhr am Freitag heulte die Feuerwehrsirene in Quakenbrück. Die Einsatzkräfte rückten sofort zu Lear aus. Zunächst nichts wirklich Ungewöhnliches. In der Vergangenheit mussten die Blauröcke häufiger an der Hindenburgstraße vorbeischauen. Meistens handelte es sich um Fehlalarme. Es gab aber auch echte Einsätze. So schoss im April 2010 aus einer Hydraulikstanze eine Stichflamme. Glutnester bildeten sich unter dem Antriebsmotor. Trotzdem: alles Kleinigkeiten im Vergleich zum Geschehen am Freitag.

„Als wir ankamen, brannte ein Deckenlüfter im Hallendach“, berichtete Gemeindebrandmeister Manfred Buhr. Daraus habe sich das Feuer entwickelt, das die Produktionshalle in Schutt und Asche gelegt habe. Die Zerstörungskraft des Feuers konnten auch die rund 350 herbeigerufenen Feuerwehrleute aus dem Artland, aus Ankum, Cloppenburg, Vechta und Löningen nicht stoppen. Nach Einschätzung Manfred Buhrs begünstigte das Lüftungssystem und die Dachkonstruktion, die teilweise aus Holz besteht, das rasche Ausbreiten des Feuers.

Die Sozial- und Büroräume blieben unterdessen vom Feuer verschont. Sie waren durch Brandschutzwände von den Produktionshallen abgetrennt.

Auch ein Fachzug „Spüren und Messen“ vom Landkreis Osnabrück war im Einsatz, um den austretenden Rauch auf schädliche Dämpfe hin zu untersuchen. Die Experten konnten Entwarnung für die Bevölkerung geben. Zumindest ein kleiner Lichtblick.

Gleichwohl wuchsen am Sonntag und Montag die Sorgen der Quakenbrücker Mitarbeiter sowie deren Familien mit jeder Minute, mit der das Ausmaß des Schadens deutlicher zu sehen war. Wie geht es Dienstag weiter? Sind wirklich alle Arbeitsplätze im wahren Sinne des Wortes verbrannt? Viele Mitarbeiter schauten an der Hindenburgstraße nach, ob noch etwas zu retten war. Eine Maschine vielleicht, eine Werkbank wenigstens? Zwischendurch gab es immer mal wieder Alarm, weil sich neue Glutnester gebildet hatten. Ein mulmiges Gefühl wohl für alle.

Das empfand auch der Bürgermeister der Samtgemeinde Artland, Reinhard Scholz: „Das ist ein schreckliches Ereignis für Quakenbrück. Wir wissen, dass sich nun viele um ihren Arbeitsplatz sorgen.“ Die Stadt werde helfen, wo sie könne – zum Beispiel auch bei der Suche nach Ersatzflächen zur Weiterproduktion.

Ratlosigkeit auch im Hauptquartier in den USA. Wie Sprecher Mel Stephens mitteilte, sei er zunächst froh, dass es keine Verletzten gegeben habe. Unglücklicherweise sei aber die Halle zerstört worden. Oberste Priorität habe nun die Suche nach alternativen Produktionsmöglichkeiten, um die Auslieferung an die Kunden zu gewährleisten. Für eine Diskussion über die Zukunft des Standortes Quakenbrück sei es derzeit noch zu früh.


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