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Heimatverein lockte auf die Spur der Kochkunst Ohne Konservendose

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An der alten Hand-Schnippelmühle verwandelten Christa Hartmann und Ilse Kramm (von links) die Kohlviertel in dünne Streifen. Foto: Petra RopersAn der alten Hand-Schnippelmühle verwandelten Christa Hartmann und Ilse Kramm (von links) die Kohlviertel in dünne Streifen. Foto: Petra Ropers

rop Neuenkirchen. Die Konservendose hat ausgedient! Im Heimathaus Neuenkirchen verdrängten Schnippelmühle und Holzstampfer am Samstag den prosaischen Dosenöffner. Denn auf Einladung des Heimatvereins verwandelten sich frische Kohlköpfe nach alter Art in schmackhaftes Sauerkraut.

Zum dritten Mal lud der Heimatverein Neuenkirchen zur traditionellen Sauerkraut-Herstellung ein. „Die Resonanz wächst von Jahr zu Jahr“, freute sich Organisator Reinhard Kuhr, der für Genießer aus ganz Melle insgesamt 210 Kilogramm Weißkohl unter das lange Messer nahm. Von den äußeren Blättern und dem harten Strunk befreit, wanderten sie in handlichen Vierteln in die Schnippelmühle. „Die hat schon unsere Mutter benutzt“, erinnerte sich Ilse Kramm, die das gute Stück aus einem 20-jährigen Dornröschenschlaf holte.

Eine Handkurbel trieb das runde Schnippelblatt an, das einst auch Bohnen zum Säuern in kleine Stücke schnitt. Doch der Weg von den Kohlstreifen zum Sauerkraut ist lang – und er führt über mühsame Handarbeit. Schließlich soll eine ganze Wäschewanne voller Kohlstreifen in einem einzigen Tontopf Platz finden. „Der Kohl muss richtig fest verdichtet werden!“, mahnte Reinhard Kuhr, der für seine eigene Küche seit vielen Jahren das Sauerkraut selbst herstellt. Der hölzerne Sauerkrautstampfer leistet dafür gute Dienste.

Natürlich darf die richtige Menge Salz nicht fehlen: Reinhard Kuhr rechnet als Fachmann 100 Gramm Salz je zehn Kilogramm Kohl. Hinzu kommen ganz nach Geschmack Wacholderbeeren und Lorbeerblätter. „Und immer wieder stampfen, bis die Arme lahm werden!“ Die Genießer im Heimathaus nahmen die anstrengende Arbeit gerne in Kauf: „Es schmeckt einfach besser als das Sauerkraut aus der Dose“, schwelgte Magdalene Kükenbrink bereits in Vorfreude.

Und ist erst einmal der Deckel auf dem Topf, dann geschieht der Rest ganz von allein: Rund drei Wochen dauert der Gärprozess, der zugleich den Sauerstoff aus dem Topf treibt. Eine tiefe Wasserrinne um den Deckel herum gewährleistet, dass keine Luft eindringen kann, und zeigt zugleich das Ende des Gärens an: „Wenn keine Blasen mehr aufsteigen, ist der Gärprozess beendet. Danach sollte man noch zwei Wochen warten“, riet Reinhard Kuhr. Doch dann steht dem genussvollen Verzehr nichts mehr im Wege. Und wenn das fertige Sauerkraut kühl gelagert wird, bereichert es die Mahlzeiten viele Monate lang.

Der Heimatverein lockte bewusst auch Nicht-Mitglieder ins Heimathaus: „Wir wollen dieses Haus mit Leben füllen“, betonte der Organisator. Mit selbst gebackenem Kuchen lud er die Teilnehmer deshalb nach getaner Arbeit zum gemütlichen Kaffeetrinken ein – und zum anregenden Austausch leckerer Kochrezepte.


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