Drei Vereine im Fokus Keime im Bier: Hygiene-Mängel in Bundesliga-Stadien

Von Alexander Barklage und Nina Brinkmann

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Mangelnde Hygiene: Im Stadionbier des 1. FC Köln wurde Fremdhefe und coliforme Bakterien nachgewiesen. Foto: imago/nphMangelnde Hygiene: Im Stadionbier des 1. FC Köln wurde Fremdhefe und coliforme Bakterien nachgewiesen. Foto: imago/nph

Hamburg. Nach "ARD"-Infos ist es um die Hygiene in Bundesliga-Stadien nicht gut bestellt. Drei Clubs stehen besonders im Fokus.

Die Deutschen gelten naturgemäß als besonders reinlich und ordnungsliebend. Auch in den 18 Bundesliga-Stadion werden diese Maßstäbe angesetzt - sollte man denken. Eine aktuelle ARD-Recherche deckt nun auf, dass mindestens drei Spielstätten im Fußball-Oberhaus Auffälligkeiten in Sachen Hygiene aufweisen. Im Rahmen von Lebensmittel- und Wasseruntersuchungen sind Mängel ans Licht gekommen, betroffen sind die Stadien in Köln, Bremen und Frankfurt.

Nach ARD-Recherchen wurden in der aktuellen Saison in sieben der 18 Erstliga-Stadien und in lediglich einem der 18 Zweitligastadien von den Gesundheitsbehörden Proben von Lebensmitteln genommen und untersucht.

Weserstadion Bremen: Fieses Fischbrötchen

Das Bremer Weserstadion. Foto: imago/Hans Blossey

Im Bremer Weserstadion waren die Lebensmittelkontrollen laut den Behörden alles andere als zufriedenstellend. In einem begutachteten Räucherlachsbrötchen wurden Listerien gefunden. Dabei handelt es sich um Bakterien, die krankheitserregend sind – besonders für schwangere Frauen, ältere oder immungeschwächte Personen. Auch wenn der Grenzwert hierbei nicht überschritten wurde, sehen Experten dringenden Handlungsbedarf. 

RheinEnergie-Stadion Köln: Keime im Bier

Das Rhein-Energie-Stadion in Köln. Foto: imago/Christoph Reichwein

Die Behörden in Köln fanden in Bierproben Fremdhefe und coliforme Keime. Das hört sich erstmal nicht gut an, doch gehe von diesen Keime keinerlei Gefahr für die Fans aus. Dennoch weisen die Funde auf mangelhafte Hygiene im Zapfprozess hin. Der 1. FC Köln reagierte bereits auf die Ergebnisse der Untersuchungen und ließ alle Bierleitungen im Stadion reinigen. "Diese Hygiene-Indikatoren können, müssen aber nicht direkt auf Fehler hinweisen, die in unserer Verantwortung liegen", heißt es in einer schriftlichen Erklärung des Bundesligisten. 

Commerzbank-Arena Frankfurt: Spieler gefährdet

Eintracht Frankfurt spielt in der Commerzbank-Arena. Foto: imago/Jan Huebner

In der Frankfurter Commerzbank-Arena müssen sich die Fans über mangelnde Hygiene keine Sorgen machen. Hier liegt das Problem in den Katakomben. Die hessische Gesundheitsbehörde wies im Spielerbereich Legionellen nach. In den vergangenen zehn Monaten gab es dort insgesamt 27 Legionellen-Befunde. Sie lagen teilweise deutlich über dem Grenzwert. Die Bakterien wurden unter anderem im Spieler-, Trainer-, Sauna-, und Schiedsrichterbereich gefunden. Trotz laufender Maßnahmen hat das Frankfurter Gesundheitsamt das Problem bislang noch nicht in den Griff bekommen. Es wurden aber Filter in die Duschen eingebaut, die verhindern sollen, dass sich die Legionellen ausbreiten. Legionellen sind vor allem für die Spieler gefährlich, da sie beim Duschen mit dem Wasserdampf eingeatmet werden können. Es kann beim Einatmen der Bakterien zu einer schweren Lungenentzündung kommen oder grippeähnlichen Beschwerden.

Immer wieder Hygiene-Tests

In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Hygiene-Tests in allen Stadien der 1. und 2. Bundesliga durchgeführt. Nach Informationen der „ARD-Radio-Recherche Sport“, die dem BR vorlagen, wurden beispielsweise in der Saison 2016/2017 in zehn der 36 Erst- und Zweitliga-Stadien Legionellen festgestellt. Auch damals war Frankfurt unter den genannten Stadien. Außerdem Darmstadt, Mainz, Leverkusen, Hoffenheim, das Berliner Olympiastadion sowie Nürnberg, Bochum, Karlsruhe und Sandhausen. Krankheitsbedingte Ausfälle von Fußballern aufgrund einer Legionellen-Erkrankung sind allerdings bis heute nicht bekannt. 

Im Weserstadion wurden zudem im vergangenen Jahr Eiterbakterien und Fäkalkeime auf Fischbrötchen entdeckt. Auch in Essensproben aus den Stadien in München und Köln fanden die Kontrolleure laut der ARD-Recherche Fäkalkeime. Werder Bremen teilte damals auf Anfrage des Recherche-Teams mit, dass an dem Tag keine Fälle von Verunreinigungen gemeldet worden seien und der Caterer jedem ernstzunehmenden Untersuchungsergebnis nachgehen werde.


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