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Konfusion im Gericht nahm zu „Elseparty“ am „Grünen See“ in Markendorf: Lassen sich die schweren Vorwürfe gegen fünf Angeklagte beweisen?

Von Hartwig Knoops

Der Prozess um den Haster-Mord geht weiter. Symbolfoto: ArchivDer Prozess um den Haster-Mord geht weiter. Symbolfoto: Archiv

Osnabrück/Buer. An insgesamt sieben Verhandlungstagen versucht die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Osnabrück im wahrsten Sinne des Wortes Licht ins Dunkel der Ereignisse in der Nacht des 1. August 2010 auf der „Elseparty“ am Grünen See“ in Markendorf zu bringen. Fünf Angeklagte aus Bünde, Minden und Kirchlengern müssen sich wegen versuchten Totschlages und gefährlicher Körperverletzung verantworten.

Am ersten Verhandlungstag wurde die Konfusion bei den unbeteiligten Zuhörern im Schwurgerichtssaal des Landgerichts im Laufe des Tages immer größer, und das Thermometer kletterte parallel dazu unerbittlich empor.

Am Ende gab es mehr Fragen als Antworten. Die Anklage wurde vom Staatsanwalt kaum verständlich, leise und schnell runtergerattert, das vorhandene Mikrofon blieb ungenutzt. Aus dem Pressetext des Landgerichts und dem verständlichen Teil der Anklage ergibt sich der folgende Tatvorwurf: Nach einer verbalen Provokation soll die 25-jährige Angeklagte Tina R. dem 32-jährigen „Tommi“ aus Lingen in der Tatnacht mit dem Fuß ins Gesicht getreten haben. Als dieser dann zu Boden ging, sollen sowohl Tina R. wie auch ihr 41-jähriger Mann Michael R. (Spitzname: Niete) das Opfer weiter getreten haben. Als Zeugen eingriffen, soll es zu einer Unterbrechung der Tätlichkeiten gekommen sein.

Der zweite Teil der körperlichen Auseinandersetzung soll sich auf dem Parkplatz oberhalb des „Grünen Sees“ abgespielt haben. Gemeinsam mit den weiteren Angeklagten, Kevin R. (25) und Benjamin D. (32), solle es nach der Ansage „Jungs, jetzt gibt’s was aufs Maul“ Schläge und Tritte gegen zwei weitere Männer und auch Tommi aus Lingen gegeben haben.

Fest steht, das ergab sich aus der Zeugenaussage eines Neurochirurgen vom Marienhospital Osnabrück, dass Tommi Blutungen im Gehirn davontrug, die „potenziell lebensgefährlich“ waren. Er erlitt zusätzlich zwei Rippenbrüche.

Vier der Angeklagten machten zum Tatvorwurf keine Aussagen, der fünfte, Marcus W. (33) stellte nur fest: „Ich weiß nicht, warum ich hier sitze?“ Der Angeklagte „Niete“ gab bezüglich seiner persönlichen Verhältnisse zu Protokoll, dass er ein Jahr bei der Fremdenlegion und danach in der Nationalmannschaft der Kickboxer erfolgreich war.

Das 32-jährige Opfer wollte oder konnte sich an „nichts erinnern“. Er wusste nur zu berichten, dass er mit seinem Freund „Törn“ zu dem Fest gefahren und dann im Krankenhaus wieder wach geworden sei. Er sei Wochen später von „Törn“ darüber informiert worden, dass 5000 Euro Schmerzensgeld bereitliegen würden, wenn er nichts sagen würde. Er sei dem aber nicht nachgegangen, sondern habe es nur seiner Rechtsanwältin mitgeteilt.

Ein Zeuge der Auseinandersetzungen beschrieb die Szenerie am „Grünen See“ so: „Es wurde gepogt. Dann ging es im Pavillon erst rund, und danach ging das Licht aus.“ Der Richter wollte wissen, was „pogen“ ist. Es handele sich um ein „Rumschubsen zu Musik“, so der Zeuge. Die Angeklagte Tina sei „im Delirium halb nackt nur mit BH“ rumgelaufen und dann verschwunden. Später sei sie schlafend auf einem Tisch gesehen worden. Er habe gesehen, wie „Niete“ auf eine für ihn nicht erkennbare, auf dem Boden liegende Person eingetreten habe.

Das „Elsefest 2010“ wurde von den Organisatoren als Benefizveranstaltung für einen Freund durchgeführt, der sich das Leben nahm, sagte ein Angeklagter. In der Einladung hieß es: „Aufgrund des tragischen Todes eines unserer Freunde werden wir das Geld, was wir an dem Abend einnehmen, seinen Kindern auf ein Konto einzahlen. Also kommt recht zahlreich und lasst euch volllaufen!!!“

An den kommenden Prozesstagen sollen weitere Gäste des Festes gehört werden. Ob sie konkretere Angaben zu den Tatvorwürfen machen können, das bleibt abzuwarten.


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