Motiv: Wahrzeichen Wassermühle 100 Jahre altes Ölgemälde kehrt nach Bad Essen zurück

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Freut sich über das Gemälde von 1915: Bad Essens Bürgermeister Timo Natemeyer. Foto: Louisa RiepeFreut sich über das Gemälde von 1915: Bad Essens Bürgermeister Timo Natemeyer. Foto: Louisa Riepe

Bad Essen. Bürgermeister Timo Natemeyer blickt bei der Arbeit neuerdings auf die „ Wassermühle Bad Essen“. Das Gemälde aus dem Jahr 1915 hat eine lange Reise hinter sich: Über Bad Harzburg und Goslar kam es – dank eines Spenders – zurück an den Ort seines Ursprungs.

Hier teilte er sich mit seinen Freunden geklaute Kaugummis. Hier rauchte er seine erste Zigarette. Hier trank er seinen ersten Schnaps. Die Bad Essener Wassermühle ist Carl-Ludwig Reuss in Erinnerung geblieben, obwohl er seit über 50 Jahren nicht mehr im Ort wohnt. „Sie ist für mich das Symbol vieler Abenteuer“, so der 70-Jährige, der inzwischen in Goslar lebt.

Um so überraschter war der Unternehmensberater, als er die Mühle plötzlich in einem Trödelladen in Bad Harzburg wiederfand – in Ölfarben festgehalten im Jahr 1915 von einem Künstler namens Hermann Focke, wenn man der Beschriftung auf der Rückseite glauben darf. Etwa 1,20 Meter breit und 95 Zentimeter hoch ist das Gemälde, 675 Euro sollte es kosten. Reuss nahm es ohne zu zögern mit, quasi im Tausch gegen einen alten Schrank, den er dem Händler zum Verkauf überlassen hatte.

Behalten, verkaufen oder spenden?

Zunächst „schwankten meine Gedanken zwischen selbst behalten oder gewinnbringend verkaufen“, so Reuss. Im Internet kann man noch die Anzeigen finden, in denen er das Gemälde für 750 bis 1.500 Euro anpreist. Aber die Resonanz ließ zu wünschen übrig. „Das Motiv ist wohl nur interessant für jemanden, der einen Bezug zu Bad Essen hat“, stellte Reuss fest. Für sein eigenes Arbeitszimmer war es aber doch zu wuchtig. Und so kam er zu dem Entschluss, dass Bild „meinem früheren Wohnort zu schenken, als Dank für meine wilden Jugendjahre, die ich in Bad Essen verbracht habe“.

So sieht die Bad Essener Mühle heute aus. Archivfoto: Helge Holz

Also kehrte Reuss Anfang Februar in die Gemeinde zurück, um das Gemälde an Bürgermeister Timo Natemeyer zu übergeben. Jetzt hat es, neu gerahmt, seinen Platz in dessen Arbeitszimmer im Rathaus, direkt über dem Konferenztisch, gefunden. Natemeyer freut sich über das Bild, das er nun bei der Arbeit immer im Blick hat. „Es gefällt mir richtig gut“, so das Gemeindeoberhaupt. „Es ist spannend, die Perspektive von vor über 100 Jahren zu sehen.“ Letztendlich habe sich die Mühle seit dem kaum verändert.

Gemälde weckt Erinnerungen

Davon überzeugte sich Carl-Ludwig Reuss bei seinem Besuch natürlich auch persönlich und schwelgte bei der Gelegenheit noch einmal in den Gedanken seiner Jugend. Er habe vom achten bis zum fünfzehnten Lebensjahr in Bad Essen gelebt, „das war eine sehr ereignisreiche und prägende Zeit.“ Die alte Mühle und der Kurpark waren damals geheimer Treffpunkt seiner Freunde und unserer Pfadfindergruppe. Orte also, an die er sich gern zurückerinnere.

Ganz ähnlich dürfte es wohl auch den ursprünglichen Besitzern des Gemäldes gegangen sein, die das Bild wohl als Andenken an ihre alte Heimat mit in den Harz gebracht hatten. Das vermutet Reuss zumindest. „Wie soll so ein Motiv sonst nach Bad Harzburg gekommen sein?“, fragt er sich. Sicher weiß es nur, dass das Gemälde durch eine Haushaltsauflösung in dem Trödelladen landete, bei in dem er selbst es schließlich fand. Es also vor allem dem Zufall zu verdanken, dass die Wassermühle nach Bad Essen zurückgekehrt ist. Und natürlich der Großzügigkeit des Spenders.


Die Bad Essener Mühle...

... gehört zu den Wahrzeichen der Gemeinde. Sie wurde 1359 erstmals urkundlich erwähnt und wohl um 1780 in ihrem jetzigen Zustand ausgebaut. Das hölzerne Mühlrad hat einen Durchmesser von rund fünf Metern und wird mit dem Wasser aus dem sogenannten „Schwanenteich“ angetrieben. Im Inneren kann man noch heute beobachten, wie damals wie heute Weizen und Roggen gemahlen wurden und werden. Das Mehl verarbeitet eine Bäckerei-Kette aus der Region zum urigen „Mühlenbrot“. Von April bis Oktober ist die Mühle immer sonntags in Betrieb. Zwischen 14 und 18 Uhr erklärt der Müller die Funktionsweise. Anschließend kann jeder Besucher sein „Mühlendiplom“ ablegen.

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