Viele unerwartete Wendungen Lachsalven bei Komödie des Kulturrings Quakenbrück

Von Bernard Middendorf

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Vom Streiten und Vertragen handelt das Theaterstück „Die Wunderübung“ mit Michaela May, Michael Roll und Robert Giggenbach. Foto: Bernard MiddendorfVom Streiten und Vertragen handelt das Theaterstück „Die Wunderübung“ mit Michaela May, Michael Roll und Robert Giggenbach. Foto: Bernard Middendorf

Quakenbrück. Die Beifallskurve bei der Kulturring-Komödie „Die Wunderübung“ zeigte steil nach oben. Das lag nicht nur am Drehbuch, sondern vor allem an der darstellerischen Leistung des Trios Michaela May, Michael Roll und Robert Giggenbach.

Wer geglaubt hatte, das Stück „Die Wunderübung “ ende einfach nach dem Motto „Paar schlägt sich, Paar verträgt sich“, sah sich nach allen Regeln der Kunst gefoppt. Völlig verdient: der lang anhaltende Applaus mit vielen Vorhängen. Seit Adam und Eva scheint der rote Faden solcher Situationen hinlänglich bekannt: ein liebendes Paar, Verführung und Versöhnung, Streitereien – unnötig, aber immer mehr mit Tiefgang – und dann der unvermeidbare Knall. Genau darauf deutete alles auch beim Drama zwischen Joana und Valentin Dorek hin, das ein offenbar sehr lösungsorientierter und erfahrener Ehepsychologe zu entknoten versucht. Die Kommunikation der „Konfliktparteien“ besteht lange nur aus sarkastischen Angriffen, Kränkungen und Sticheleien. Von therapeutschen Übungen sind sie beide genervt, müssen sie doch – beruflich beide erfolgreich – auf Befehl ihre Stühle näher zusammenrücken und sogar physischen Kontakt aufnehmen. Immerhin: Fragen nach den Anfängen der Beziehung erzeugen zärtliche Erinnerungen. Sehr sehenswert der Rollentausch zwischen den Streithähnen, die die Order bekommen, in die Haut des Partners zu schlüpfen – ein Verwirrspiel, das höchste Konzentration von Schauspielern und Zuhörern verlangte und spontanen Beifall hervorrief.

Paukenschlag nach der Pause

Nach der Pause der Paukenschlag: Der bis dato souverän auftretende Therapeut schleppt sich völlig deprimiert herein, ein Bild des Jammers. Der Grund: Soeben hat seine eigene Frau ihn verlassen – per SMS auf dem iPhone. „Das ist brutal!“, nimmt Valentin Anteil, aber nach ersten Tröstungsversuchen ärgern sich beide über dessen selbstgerechte Ausreden, lästern über die weinerlichen Reaktionen des „Opfers“ und werden, verärgert von negativen Prognosen ihrer Beziehung („Sie beide leben in einem unlösbaren Dauerkonflikt!“), quasi ungewollt zusammengeschweißt. Aufmerksame Kulturring-Zuschauer merkten natürlich längst, was die empörten Eheleute nicht merkten – und wurden doch an der Nase herumgeführt. Als Joana und Valentin trotzig-triumphierend zu den Klängen von „Love is in the Air“ einen Versöhnungstanz hinlegen und neu verliebt hinter den Kulissen verschwinden, verrät der „therapierte Therapeut“ seinen Trick: Er ruft seine Frau an, stöhnt über das beratungsresistente Paar und gesteht: „Da half nur noch die Nummer vom verlassenen Ehemann!“ Dass sein Telefonat schließlich von zunächst liebevollen Fragen in wüste Beschimpfungen umschlug („Das ist dein Köter, nicht meiner!“), setzte dem Fass die Krone auf und löste Lachsalven aus. Vielen mag gedämmert haben: Was Volkes Mund mit „Pack schlägt sich, Pack verträgt sich“ sagen will, kann auch mal andersherum kommen.


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