Anklage erhoben Hat Pastor im Emsland Kirchengelder veruntreut?

Von Manfred Münchow

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In der reformierten Kirche in Uelsen wird derzeit über einen ihrer Pastoren diskutiert. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft beziehen sich jedoch nicht auf Uelsen, sondern auf eine frühere Tätigkeit des Geistlichen im Emsland. Foto: Manfred MünchowIn der reformierten Kirche in Uelsen wird derzeit über einen ihrer Pastoren diskutiert. Die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft beziehen sich jedoch nicht auf Uelsen, sondern auf eine frühere Tätigkeit des Geistlichen im Emsland. Foto: Manfred Münchow

Uelsen. Die reformierte Kirche hat einen Pastor aus Uelsen (Grafschaft Bentheim) vorläufig vom Dienst suspendiert. Die Staatsanwaltschaft erhebt Anklage gegen ihn wegen der Veruntreuung von Kirchengeldern in Höhe von knapp 4500 Euro. Die Vorwürfe beziehen sich jedoch auf eine frühere Tätigkeit im Emsland.

Etwa 500 Gläubige waren am Sonntag zur Gemeindeversammlung in die große reformierte Kirche nach Uelsen gekommen. Der Vizepräsident der reformierten Landeskirche, Helge Johr, und der Kirchenrat unter dem Vorsitz von Johannes Reurik informierten die Gemeindemitglieder in der nichtöffentlichen Versammlung über die Vorwürfe gegen einen ihrer Pastoren.

„Große Betroffenheit“

„Große Betroffenheit“ sei unter den Gläubigen zu spüren gewesen, sagten beide übereinstimmend nach der Versammlung.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft Osnabrück bezieht sich nach Angaben der reformierten Landeskirche nicht auf das Wirken des Pastors in der reformierten Gemeinde in Uelsen, sondern auf seine Tätigkeit in seiner vorherigen Kirchengemeinde im Emsland. 2013 wechselte er von dort in die Grafschaft Bentheim.

Unregelmäßigkeiten aufgefallen

Im Rahmen der landeskirchlichen Rechnungsprüfung waren im Jahr 2016 Unregelmäßigkeiten in der Rechnungsführung der emsländischen Kirchengemeinde aufgefallen. Die damalige Rechnungsführerin, sie ist die Ehefrau des Pastors, räumte daraufhin Verfehlungen ein, heißt es in einer Pressemitteilung der Landeskirche.

Nachforschungen

Weitere Nachforschungen ergaben demnach, dass sich die von der Ehefrau des Pastors zu verantwortenden Unregelmäßigkeiten über einen Zeitraum von mehreren Jahren erstreckten und erhebliche Fehlbeträge umfassen. Daraufhin übergab die evangelisch-reformierte Landeskirche die betreffenden Prüfungsergebnisse und Unterlagen der zuständigen Staatsanwaltschaft, die schließlich Anklage beim Amtsgericht Nordhorn stellte.

Rechnungsführerin zu Bewährungsstrafe verurteilt

Dazu teilt die reformierte Landeskirche mit: „Im Dezember 2017 ist die damalige Rechnungsführerin zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie kirchliche Gelder im Umfang von mehr als 50.000 Euro veruntreut hatte. Außerdem habe sie Urkundenfälschung begangen. Strafmildernd wertete das Gericht, dass der zur Verhandlung stehende Betrag im Wesentlichen zurückgezahlt wurde. Allerdings waren einige Taten bereits verjährt.“

Weitere Ermittlungen

Weitere Ermittlungen der Staatsanwaltschaft führten zu der jetzt angekündigten Anklage gegen den Pastor und damaligen Vorsitzenden des Kirchenrats. Einen Gerichtstermin gibt es noch nicht.

„Verbleib des Theologen im Dienst nicht tragbar“

„Die evangelisch-reformierte Kirche hält einen Verbleib des Theologen in seinem Dienst während des anstehenden Strafverfahrens für nicht tragbar. Die Glaubwürdigkeit des kirchlichen Auftrages und der Dienstbetrieb sind erheblich beeinträchtigt. Sie hat daher ein kirchliches Disziplinarverfahren eröffnet und den Pastor zunächst vom Dienst suspendiert. Im Disziplinarverfahren wird auch überprüft, ob dem Pastor neben den strafrechtlich relevanten Handlungen als Vorsitzendem des Kirchenrats eine Dienstpflichtverletzung in der pfarramtlichen Geschäftsführung vorzuwerfen ist, insbesondere bei der Überwachung der Rechnungsführung“, heißt es in der Pressemitteilung.

Disziplinarrechtliche Schritte möglich

Konkret bedeutet das: Selbst wenn dem Geistlichen vom Gericht strafrechtlich keine Schuld attestiert wird, wird die Landeskirche in ihrem eigenen Verfahren prüfen, ob sie dennoch disziplinarrechtliche Schritte einleiten wird.

Erkenntnisse über finanzielle Unregelmäßigkeiten in der jetzigen Kirchengemeinde Uelsen liegen nach Aussage von Kirchenvertretern nicht vor. Ebenso gibt es keine Nachweise über eine Verbindung zwischen den verurteilten Straftaten durch das Amtsgericht und der Anklage durch die Staatsanwaltschaft.


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