Mit Kontaktabbrüchen umgehen Verlassene Großeltern gründen Selbsthilfegruppen in Osnabrück

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Ellen Kuhröber und Roswitha Wirschun haben die Initiative zur Gründung von Selbsthilfegruppen für „Verlassene Großeltern“ ergriffen. Foto: Petra PieperEllen Kuhröber und Roswitha Wirschun haben die Initiative zur Gründung von Selbsthilfegruppen für „Verlassene Großeltern“ ergriffen. Foto: Petra Pieper

Osnabrück. Großeltern, die aufgrund von Wegzug, Trennung, Scheidung, Tod oder familiären Problemen den Kontakt zu ihren Enkeln verloren haben, finden ab dem 7. März eine Anlaufstelle in Osnabrück: Ellen Kuhröber, Roswitha Wirschun und andere Betroffene gründen an diesem Tag eine Selbsthilfegruppe und laden weitere Teilnehmer ein.

Oft empfinden es Großeltern als Schicksalsschlag, wenn ihnen der Umgang mit ihren Enkelkindern verwehrt wird. Und sie möchten, vor allem im Interesse der Kinder, alles tun, um den Kontakt (wieder) herzustellen. Das Selbsthilfebüro Osnabrück hat in der Vergangenheit immer wieder entsprechende Anfragen von Großeltern erhalten, die den Kontaktabbruch nicht einfach hinnehmen und ertragen, sondern etwas tun wollen. Oftmals sind es die Großeltern väterlicherseits, die nach einer Ehescheidung ihres Sohnes, zumal wenn die Mutter des Kindes einen neuen Partner hat, keinen Kontakt mehr zu ihren Enkeln haben. Es gibt auch Fälle, in denen die verwitwete Mutter die Großeltern väterlicherseits nicht mehr sehen möchte. Oder den Fall, dass Großeltern sich ungefragt zu stark in die Erziehung eingemischt und damit Unfrieden provoziert haben. Auch, wenn die nachfolgende Generation ihren Lebensmittelpunkt in die Ferne verlegt, kann die räumliche Trennung für die Großeltern eine starke Belastung bedeuten.

Austausch unter Betroffenen

In der Selbsthilfegruppe soll es neben dem Austausch von Betroffenheit und Gefühlen auch um den von Information gehen. Rechtsanwälte, Ärzte, Sachverständige aus Beratungsstellen oder Jugendämtern und Psychotherapeuten werden eingeladen, über Sorgerecht und Umgangsrecht aufzuklären oder gegebenenfalls eine Familienaufstellung durchzuführen.

Mitgründerin Ellen Kuhröber kämpft seit Jahren für ein Umgangsrecht. Sie hat ihre sechsjährige Enkelin bis heute nicht kennengelernt, weil sich die Eltern des Kindes bereits vor seiner Geburt getrennt haben, die Mutter das Kind zur Inobhutnahme in eine Pflegefamilie gab und diese Familie nicht wünscht, dass der Vater oder dessen Mutter, also die Großmutter, das Kind sehen. Auch Roswitha Wirschun hat von einigen ihrer Enkelkinder nur Fotos, getroffen hat sie sie noch nie. Die Schwiegermutter ihres Sohnes verhindert den Kontakt seiner Mutter zu seinem Kind, das Kind einer ihrer drei Töchter wurde zur Adoption freigegeben.

Wie geht man am besten vor?

Ob es sinnvoll ist und wie man am Besten vorgeht, wenn man ein Umgangsrecht einklagen will, und welche Alternativen es gibt, wird sicherlich ein Thema in der Selbsthilfegruppe sein. Ellen Kuhröber: „Wer den Großeltern das Umgangsrecht verweigert, verkennt, dass es hier nicht um – berechtigte oder unberechtigte – Interessen der Großeltern geht, sondern um das Wohl des Kindes.“ Das Recht des Kindes auf seine gesamte Familie, auf seine Wurzeln, sei ein Grundrecht gemäß der UN-Kinderrechtskonvention und müsse von den Gerichten umgesetzt werden.

Weitere Gruppen starten

Interessierte treffen sich am Mittwoch, 7. März, um 18 Uhr im Haus der Gesundheit, Hakenstraße 6, Osnabrück. Monatliche Folgetreffen, jeweils am ersten Mittwoch eines Monats, sind geplant. Weitere Gruppen starten am Donnerstag, 8. März, im Pfarrhaus St. Elisabeth in Bad Rothenfelde und am Montag, 12. März, im Kirchenstübchen in Dissen, auch jeweils um 18 Uhr.

Informationen unter ohne.meine.familie@osnanet.de oder 01575/7394538.


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