Fremdsprache in der Grundschule Mit Englisch verstehen sich Kinder in Ganderkesee besser

Von Mareike Bader

Besuche wie vom „White Horse Theatre“ an der Verlässlichen Grundschule Heide motivieren die Kinder beim Englisch lernen. Foto: Melanie HohmannBesuche wie vom „White Horse Theatre“ an der Verlässlichen Grundschule Heide motivieren die Kinder beim Englisch lernen. Foto: Melanie Hohmann

Ganderkesee. Spielerisch lernen Grundschüler in Niedersachsen ab der dritten Klasse Englisch. Gerade durch die wachsende Zahl von Flüchtlingskinder zeigt sich: Fremdsprachenunterricht hilft bei der Integration. Am Mittwoch war in Heide ein englischsprachiges Theater zu Gast.

Seit bald zwölf Jahren steht Englisch auf dem Lehrplan in den Grundschulen. Damit komme man den Kindern entgegen, sagt Wolfgang Gehring, Professor für englische Fachdidaktik an der Universität Oldenburg: „Aus der Forschung weiß man, dass Kinder eine Fremdsprache leichter erlernen können als Erwachsene.“

Spielerisch, aber nicht verspielt solle in der Grundschule ein Wortschatz sowie wenige Satzbaumuster vermittelt werden, erklärt Gehring. Grammatikerläuterungen bringen in dem Alter noch nichts. Dörte Lohrenz betont, dass es darum gehe, ein Sprachbewusstsein zu entwickeln. „Es geht um Sprechen, Hören und frühe Sprachkompetenzen“, sagt die Schulleiterin der Grundschule Bookholzberg:

Sprache ist an Bookholzberg durch Flüchtlingskinder ein großes Thema

Sprache sei dort ein großes Thema durch den wachsenden Anteil an Flüchtlingskindern geworden. „Wenn die Schüler früh eine fremde Sprache lernen, ist das Verständnis füreinander ein ganz anderes“, berichtet Lohrenz. So erfahren die Kinder, wie es ist, nicht in der Muttersprache kommunizieren zu können.

„Flüchtlingskinder haben es im Englischen leicht, weil sie es schon zu Hause gelernt haben“, erklärt Professor Gehring. Das erlebt aktuell Frank von der Aa an der Grundschule Dürerstraße in Ganderkesee mit Kindern aus dem Libanon. „Dort wird Englisch auch als Umgangssprache und in der Verwaltung benutzt“, sagt der Schulleiter. Manche Lehrer behelfen sich dann auch mal und sprechen mit den Kindern auf Englisch.

Anders sieht es bei Kindern aus Syrien aus: „Dort ist oft das Problem, dass sie vorher keine Schule besuchen konnten.“

Kinder begegnen früh der englischen Sprache durch Anglizismen

„Es wäre ein Jammer, wenn sie erst in der fünften Klasse einer Fremdsprache begegnen würden“, sagt Lohrenz. Kinder stoßen durch die Medien früh auf Anglizismen. „Der Englischunterricht erläutert auch manches, was sie schon unterbewusst kennen“, sagt die Schulleiterin.

Kinder haben leichteren Zugang zu Fremdsprachen

In Bookholzberg freuten sich die Kinder sehr, wenn es in der dritten Klasse mit dem Englischunterricht losgeht. „Von mir aus könnte das noch früher losgehen“, erläutert Birgit Humberg, Schulleiterin an der Verlässlichen Grundschule Habbrügge. In jungen Jahren hätten die Kinder keine Berührungsängste, der Zugang falle leichter.

Durch den Schulverbund stehen die Grundschulen in Ganderkesee untereinander und mit den weiterführenden Schulen in engem Kontakt. Dadurch sei sichergestellt, dass alle Schüler beim Wechsel in die fünften Klasse auf einem ähnlichen Stand sind. „Der Übergang ist immer ein Thema“, erklärt Humberg.

Zusätzlich ist durch das „Kerncurriculum“ der Niedersächsischen Landesschulbehörde festgelegt, welche Kompetenzen bis zum Ende der vierten Klasse gelernt werden sollen. Ebenso sind Wortfelder, wie „food and drinks“ (Essen und Trinken), Animals (Tiere), Colours (Farben) oder Numbers (Zahlen) beschrieben.

Dialog üben mit Sprech- und Bildkarten

„Der passive Wortschatz ist größer als der aktive“, betont Englischlehrerin Bernadette Müller von der Verlässlichen Grundschule Heide. Dafür werden im Unterricht kleine Dialoge eingeübt sowie mit Sprach- und Bildkarten gearbeitet, erklärt sie.

„White Horse Theatre“ zu Gast in Heide

Am Mittwoch konnten die Schüler in Heide ihr Wissen sogar richtig anwenden. Das „White Horse Theatre“ war in Heide zu Gast, deutschlandweit das größte englischsprachige, pädagogische Tourneetheater. Die Schüler der dritten und vierten Klasse erlebten das Stück „Buckingham“.

Solche Besuche erhöhe die Motivation der Grundschüler, berichtet Frank von der Aa. Der Besuch war vorab Thema im Unterricht. Da wurden etwa die sinntragenden Wörter geübt sowie ein Lied zum Mitsingen.