Stille als Kompliment Schauspiel „Geächtet“ im Theater Meppen

Von Adelheid Schmitz


asm Meppen. Im Theater in Meppen ist das Schauspiel „Geächtet“ von Ayad Akhtar aufgeführt worden. Akhtar beschreibt darin Befindlichkeiten und Identitätswahrnehmungen der heutigen Gesellschaft, speziell aus der Sicht amerikanischer Muslime in den USA.

Dargestellt wurden aktuelle Konflikte um Migration, Terrorismus und Rassismus. Das Theaterstück ist 2013 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet worden. „Disgraced“, so der englische Originaltitel, lässt sich mit „geächtet“, „entwürdigt“ oder „entehrt“ übersetzen.

Die Hauptfigur ist Amir Kapoor, Sohn pakistanischer Einwanderer, ein erfolgreicher New Yorker Anwalt. Er trägt Hemden, die 600 Dollar das Stück kosten und verdient im sechsstelligen Bereich. Amir, gespielt von Patrick Khatami, versucht erfolgreich, ein Vollblutamerikaner zu werden. Seinen Namen hat er, nicht ganz legal, von Abdullah in Kapoor änderte, was indisch klingt und damit geeigneter ist als Türöffner in die Welt der Mächtigen und Reichen. Er ist islamkritisch und quält sich mit seiner Religion, die er für rückständig hält.

Ein Gewinn oder rückständig?

Seine amerikanische protestantische Frau Emily (Natalie O´Hara) sieht das anders, durch ihre Malerei hat sie die Ornamente des Orients für sich entdeckt. Sie setzt sich als Künstlerin mit dem Islam auseinander und sieht darin einen Gewinn. Emily drängt ihren Mann dazu, sich vor Gericht für einen angeklagten Imam einzusetzen – was, wie sich später zeigt, schwerwiegende Folgen für Amir hat.

Um an ihren Karrieren zu basteln laden sie Isaac (Markus Angenvorth) und Jory (Jillian Anthony) zum Abendessen ein. Isaac ist jüdischer Kurator, der eine Ausstellung mit Emily´s Bildern plant und seine Frau Jory arbeitet als Wirtschaftsanwälte in der gleichen renommierten Kanzlei wie Amir. Vier Personen im schicken Apartment an der Upper East Side in New York eine intellektuelle weltoffene, tolerante Gesellschaft.

Doch was leicht und fröhlich bei Wein und Fenchel-Anchovis-Salat beginnt endet über Themen wie Religion und Identität, Herkunft und Vorurteile, Selbstverleugnung und die Anschläge vom 11. September in einer Katastrophe. Ein Wort ergibt das andere. Am Ende hat Amir alles verloren.

Immer radikaler

Seine Identität wurde in der Kanzlei überprüft, da er seiner Frau zuliebe für einen Imam vor Gericht eingetreten war. Seine afroamerikanische Kollegin Jory wird daraufhin bei der Beförderung vorgezogen und Partnerin in der Kanzlei. Amir erfährt, dass Emily mit Isaac eine Affäre hatte. Obwohl er es nicht möchte und obwohl er es rational ablehnt, schlägt Amir seine Frau. Und dann gibt es noch Amirs Neffen Abe (Mark Harvy Mühlemann), der sich im Laufe des Stücks zunehmend radikalisiert.

Der Schauspieler und Autor Ayad Akhtar, dessen Eltern aus Pakistan stammen, wurde 1970 in New York geboren. Er studierte Theater und schreibt für Bühne, Film und Fernsehen. Sein Theaterstück „Geächtet“ kam 2012 in Chicago zur Uraufführung. Die Fachzeitschrift Theater heute wählte es zum „ausländischen Stück des Jahres 2016.“

Nach 100 Minuten Spielzeit endete die Aufführung und nur langsam, fast vorsichtig setzte der Applaus ein.

Vorsichtiger Applaus

„Oft herrscht zuerst Stille“, sagte Natalie O´Hara (Emily) „das ist für uns ein Kompliment, denn dann haben wir das Publikum erreicht. Viele sind ergriffen, sie finden es unangebracht zu Applaudieren.“ „Und wenn aus zögerlichem Beifall ein rhythmisches Klatschen wird, wie an diesem Abend, dann freuen wir uns“, ergänzte Patrick Khatami (Amir).