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Karriere in Berlin Osnabrücker Historiker Michael F. Feldkamp arbeitet im Archiv des Bundestages

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Berlin/Osnabrück. In den Fluren, Räumen und auch Tunneln des Reichstags und der angrenzenden Parlamentsgebäude kennt sich Michael F. Feldkamp bestens aus: Der 50-jährige Historiker, der in Osnabrück aufgewachsen ist, arbeitet in Berlin im Archiv des Deutschen Bundestages und steht in engem Kontakt zu Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU).

Wo haben die Grünen ihre Hochburgen, wie viele Briefwähler gibt es, wie viele Überhangmandate – und wen bevorzugen Frauen bei der Wahl? Antworten auf derlei Fragen finden sich in einem ziegelsteinschweren roten Band, dem Datenhandbuch zur Geschichte des Bundestages.

Feldkamp kümmert sich seit 13 Jahren um dieses Nachschlagewerk, er bringt es auf den neuesten Stand. Und wer nutzt dieses Datenhandbuch mit zahlreichen Statistiken? „Ein Drittel Wissenschaftler, ein Drittel Journalisten, ein Drittel Abgeordnete oder Mitarbeiter der Bundestagsverwaltung“, schätzt der Historiker, der stets eine Fliege trägt.

Von seinen umfassenden Kenntnissen profitieren der Bundestagspräsident und seine Stellvertreter gerne und bitten ihn daher gelegentlich, Reden zu schreiben.

Nicht nur beruflich, auch in Feldkamps Freizeit nimmt die Geschichte einen hohen Stellenwert ein: Da schreibt der Vater von drei Kindern Aufsätze und Bücher. Ein wenig stolz ist er auf seine lange Veröffentlichungsliste und thematische Bandbreite: Sie reicht, wie er selbst sagt, „von Karl dem Großen bis Angela Merkel“.

Bereits als Schüler am Gymnasium Carolinum interessierte sich Feldkamp für die Vergangenheit. In seinem Abiturjahr 1982 veröffentlichte er in seinem ersten Beitrag für die Zeitschrift „Osnabrücker Mitteilungen“ einige „Anmerkungen zum Stadtplan Osnabrücks von Wenzel Hollar aus dem Jahre 1633“. Und im Ehemaligenverein Carolingerbund wirkt er an Festschriften mit.

„Da bin ich der Schule noch verbunden“, sagt er. Kontakt hält Feldkamp in Berlin zu seinem früheren Mitschüler, dem CDU-Bundestagsabgeordneten Mathias Middelberg, mit dem er mitunter gemeinsam Besuchergruppen aus seiner Heimatstadt empfängt und durch den Reichstag führt.

In der Fachöffentlichkeit hat sich der Historiker mit Beiträgen zum Verhältnis der katholischen Kirche zum Nationalsozialismus einen Namen gemacht, besonders gut kennt er sich aus mit Papst Pius XII.

Der „Stellvertreter“, wie ihn der Dramatiker Rolf Hochhuth nannte, wird nach Feldkamps Ansicht völlig zu Unrecht als Antisemit und Nazi-Freund dargestellt.

Der Historiker stützt sich auf umfangreiche Quellen. Er hat in Bonn studiert und mehrere längere Aufenthalte in Rom eingeschoben, so an der Päpstlichen Universität Gregoriana und am Deutschen Historischen Institut. Etliche Archivalien konnte er im Vatikanischen Archiv sichten.

Auch aus dieser Zeit ist Feldkamp bestens vernetzt in konservativ-katholischen Kreisen in Berlin, so bei den Ehemaligen seiner Studentenverbindung Arminia oder im Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem, dessen „Leitender Komtur“ er in der Hauptstadt ist.

Nach wie vor besucht er gelegentlich seine Heimatstadt, wo seine Mutter lebt. Und in Feldkamps Büro im Bundestag prangt am Tresor der lilaweiße Aufkleber „Ich komm zum Glück aus Osnabrück“.


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