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Stephan Flore entlockte dem Musikverein „Altes Amt Lemförde“ wieder Höchstleistungen Orchester feierte den 120. Geburtstag

Von Christa Bechtel

Dirigent Stephan Flore entlockte dem Orchester des Musikvereins „Altes Amt Lemförde“ Höchstleistungen. Foto: Christa BechtelDirigent Stephan Flore entlockte dem Orchester des Musikvereins „Altes Amt Lemförde“ Höchstleistungen. Foto: Christa Bechtel

Lemförde. Seit Jahren ist das Orchester des Musikvereins „Altes Amt Lemförde“ mit seinem musikalischen Leiter Stephan Flore ein Synonym für qualitätvolle Unterhaltung. Mit einem Konzert feierte der Klangkörper im Rittersaal des Amtshofes in Lemförde nun seinen 120. Geburtstag.

„Nachdem wir 119 Jahre lang dieses Konzert immer mit einem Ball verbunden haben, mussten wir im vergangenen Jahr feststellen, dass wir nach dem Konzert die Einzigen waren, die noch tanzen wollten“, ging Stephan Klöpzig in seiner Begrüßung auf die Tradition des Musikfestes ein. Klöpzigs besonderer Gruß, der wie in den Vorjahren kurzweilig moderierte, galt den Neuen, Ernst Hagemann (Saxofon) und Hauke Henseleit am E-Bass.

Verstärkt wurde das Ensemble im ersten Teil durch die Streichergruppe der Kreismusikschule des Landkreises Diepholz unter der Leitung von Rudolf Seippel. Eröffnet hatten sie zuvor das Programm mit dem bekannten „Adagio in g-Moll“ (gespielt wurde es in d-Moll) von Albinoni. Nicht nur hier fügten sich die Streicher sehr schön ein, sondern auch beim anschließenden Walzer „Sobre las olas“ zu Deutsch „Über den Wellen“.

Wie würde sich wohl ein Bild anhören, wenn es Musik wäre? Der russische Komponist Modest Mussorgsky beschäftigte sich 1874 nicht nur mit der Vertonung eines einzelnen Gemäldes, sondern brachte gleich eine ganze Ausstellung zum Klingen. Mit seiner programmatischen Musik „Bilder einer Ausstellung“ beschrieb er Gemälde und Zeichnungen seines einige Monate zuvor verstorbenen Freundes Viktor Hartmann. Mal fröhlich und äußerst lebendig, dann düster, schwer und sehr statisch klingend, brachte das Orchester aus diesem Zyklus vier Bilder sowie die „Promenade“, die sich wie ein roter Faden durch das Werk spannt, zu Gehör – und Flore entlockte seinen Musikern Höchstleistungen.

Das Trio für Violine, Viola und Klavier in e-Moll op. 121 von Philipp Scharwenka lebt von abwechslungsreichen Tempi und fast impressionistischer Klangwirkung. Matthias Henseleit am Klavier, Trya Pech (Violine) und Rudolf Seippel (Viola) ließen es virtuos erklingen. Für wippende Füße sorgte der Ausflug ins Musical-Genre zur „Selection from Starlight Express“, wo nicht nur die Farben geradezu vor Intensität explodierten, sondern auch einige Solisten ihr Können zeigten. Pfeifend ging es mit dem „Colonel Bogey“, bekannt als „River Kwai Marsch“ aus „Die Brücke am River Kwai“ in die musikalische Pause.

Zum Auftakt des zweiten Teils wurde der „Anker gelichtet“, ein Marsch, der für ein amerikanisches Footballspiel 1906 komponiert wurde. Temperament und Rhythmus steigerten sich mit Irving Berlins „America“; schade nur, dass die Instrumentalisten den Sänger Richard Aschmoneit größtenteils übertönten. Einen weiteren Höhepunkt erlebte das Publikum mit „Unvergessen – BertKaempfert“ in der Bearbeitung für Blasorchester. Den Schlusspunkt markierte der „TV-Kultabend“ mit Melodien etwa aus „Lindenstraße“, „Herzblatt“, „Schwarzwaldklinik“ oder „Derrick“.

Lautstarker Beifall belohnte die Orchestermitglieder für diesen gelungenen Auftritt, die sich ihrerseits mit der stimmungsvollen Zugabe „Stille Nacht“ verabschiedeten.


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