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Bäume kunstvoll umgarnt Lienener Frauen stricken für den Naturschutz

Von Danica Pieper

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Lienen. Bunte Blätter sind im Herbst wahrlich kein seltener Anblick, doch auf bunte Baumstämme trifft man eher selten. Anders in Lienen: Hier hat es sich eine Frauengruppe im Rahmen eines Kunstprojektes zur Aufgabe gemacht, die Bäume am Dorfteich zu bestricken. Mit der Aktion wenden sich die Frauen vor allem gegen die geplante Erweiterung des Kalkabbaus im Teutoburger Wald.

Stricken als Form des Protestes ist eine relativ neue Bewegung, die 2005 in den USA entstanden und unter anderem als „Urban Knitting“ (Städtisches Stricken) oder „Guerilla Knitting“ (Guerilla-Stricken) bekannt ist. Kennzeichnend ist das Einstricken von Gegenständen im öffentlichen Raum.

Bisher war Urban Knitting vornehmlich in Großstädten zu finden, doch nun hat die Bewegung auch das kleine Lienen erreicht. Verantwortlich dafür sind Lisa Hilburg, Marion Krasting und Anja Roy. Das Bestricken der Bäume am Dorfteich ist ihr Beitrag für den „Textilen Outdoor Award“, der textile Kunstprojekte im öffentlichen Raum prämiert.

Die Aktion ist offen für Interessierte; mittlerweile stricken und häkeln 15 Frauen an Mänteln für Lienener Bäume. Samstags treffen sie sich am Dorfteich, um die Handarbeiten an den Bäumen anzubringen. Dabei verwenden sie ausschließlich Naturmaterialien, die den Gewächsen nicht schaden und mit der Zeit verwittern.

Die Gründe, warum die Frauen an dem Projekt teilnehmen, sind vielfältig. In erster Linie möchten sie darauf aufmerksam machen, wie verletzlich die Natur ist. Die Bäume am Dorfteich stehen dabei stellvertretend für die Bäume im Teutoburger Wald, die die Guerilla-Strickerinnen durch die geplante Erweiterung des Kalkabbaus in Lienen und Lengerich bedroht sehen.

Gleichzeitig setzen sich die Initiatorinnen für mehr politisches Engagement ein: „In der Bevölkerung hat sich die Haltung breitgemacht, dass man an vielen Dingen nichts ändern kann“, so Hilburg. „Wir wollen zeigen, dass man etwas tun kann, dass man Zeichen setzen kann.“ Für Krasting spricht das Urban Knitting vor allem diejenigen an, „die man sonst nicht auf der Straße trifft“ – in erster Linie Frauen. Das Stricken ermögliche ihnen, sich mit etwas, das sie gerne tun, zu engagieren. „Und es fördert die Gemeinschaft.“

Dazu gehören auch die Betrachter, für die Künstlerinnen unverzichtbarer Teil des Projekts. Die Strickkunst soll sie zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Die Lienener würden das Projekt gut annehmen, so Krasting. „Wir erhalten viel Rückenwind.“ So dürften sie den Saal der evangelischen Kirche nutzen, und das Ordnungsamt habe keine Einwände gegen die Bestrickung. Als bei einem ihrer Treffen Jugendfeuerwehr und THW am Dorfteich eine Übung durchführen, beziehen die Künstlerinnen sie prompt ins Projekt ein. So überredet Hilburg die jungen Blauröcke, ihre Leiter aufzubauen, damit Krasting Strickblumen im Baum anbringen kann. Diese reagieren zunächst widerwillig, während Gemeindejugendfeuerwehrwart Eckhard Ehmann das Ganze mit Humor nimmt. Er hat schon einen Namen für die Strickerei parat: Bikini-Atoll.


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