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Eine Granate konnte das Lied nicht aufhalten

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Der Lautenspieler am Riedenbach ist dem Komponisten Karl Blume gewidmet.Der Lautenspieler am Riedenbach ist dem Komponisten Karl Blume gewidmet.

Vom Schwierigkeitsgrad könnte es eine Eine-Million-Euro-Frage bei Günther Jauch sein: Wer komponierte das Lied "Grün ist die Heide..."? Die Melodie zu dem Lönsgedicht stammt von dem Osnabrücker Karl Blume. Eine Bronze-Skulptur am Riedenbach, der "Mann mit Laute" des Bildhauers Hanns-Gerd Ruwe, erinnert an den Komponisten und Sänger.

Doch so wie das Denkmal derzeit an dem Fußweg zwischen Pattbrede und Schölerbergstraße dasteht, friste es ein Schattendasein, fand der Osnabrücker Ernst Krippahl. Er war an den "Mann mit Laute" erinnert worden, als vor einigen Wochen der Vorschlag diskutiert wurde, den Hecker-Gedenkstein, der ganz in der Nähe steht und an den Osnabrücker Maler erinnert, zum 60. Jahrestag von Heckers Tod besser zu präsentieren. Das hätte auch das Blume-Denkmal verdient, findet Krippahl. Wenigstens eine erklärende Infotafel wäre nicht schlecht.

Karl Blume wurde am 13. Oktober 1883 in Osnabrück geboren. Hier wuchs er auf und erfuhr in der Quakenbrücker Musikschule seine musikalische Ausbildung, lernte Geige und Posaune zu spielen. Später wurde er Orchestermusiker in Düsseldorf. Im Ersten Weltkrieg erfreute er seine Kameraden an der Front mit selbst komponierten Liedern. Nach dem Krieg reiste er durch die Lande und wurde mit seinen Auftritten berühmt als "letzter fahrender Sänger Deutschlands". Neben "Grün ist die Heide..." komponierte er volkstümliche Schlager wie "Rosemarie" oder "Über die Heide" und schrieb zahlreiche Huldigungen an seine Heimatstadt wie zum Beispiel das Lied "Osnabrück, du meine Heimat, nirgends ist die Welt so schön"

Die Melodie zu "Grün ist die Heide", so hatte Blume in sein Tagebuch geschrieben, sei an der Front im Ersten Weltkrieg entstanden. Er habe im Schlaf von der Heide geträumt und eine "unstillbare Sehnsucht nach der Heimat" empfunden. Plötzlich sei in der Nähe eine Granate eingeschlagen. Der Traum wurde brutal unterbrochen, aber die Traum-Melodie blieb ihm im Kopf. Noch während des Angriffs habe er von einem Kameraden Zettel und Bleistift verlangt, um die musikalische Idee in Noten zu fassen. Der Soldat zweifelte in dem Augenblick an Blumes Verstand, gab ihm aber Papier und Stift. "Und so kritzelte ich meinen Einfall auf, inmitten des Geschützdonners auf der Höhe 363 in Frankreich."

Der erste Tonfilm mit dem Titel "Grün ist die Heide" wurde 1932 gedreht. Karl Blume selbst griff als Heide-Vagabund vor laufender Kamera in die Saiten seiner Laute. Es gab zwei weitere Aufgüsse des Heide-Stoffs, 1952 unter anderem mit Sonja Ziemann und Rudolf Prack. 1972 setzte die Filmindustrie erneut auf das Thema. Diesmal sollten Roy Black, Monika Lundi, Eddi Arent und Heidi Kabel die Leute ins Kino locken. In allen drei Filmen war Blumes Lied musikalisches Leitmotiv.

Karl Blume starb am 5. Januar 1947 und ist auf dem Waldfriedhof Kleinmachnow im Süden Berlins beerdigt worden. Im Dezember 1963 wurde im Beisein seiner Witwe Ida-Elisabeth Blume der Gedenkstein am Riedenbach eingeweiht. Zu Blumes 100. Geburtstag gab das Westfälische Musikarchiv ein umfassendes Heft über den Komponisten und Sänger heraus.


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