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Ganz besondere Freundschaften

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Mit einem Paten an der Seite gibt es viel zu erleben: So wie Eske Uphoff und Amke (vorne rechts im Bild) sollen sich in Belm in Zukunft noch mehr Kinder und Jugendliche treffen und gemeinsam etwas unternehmen. Foto: Stefanie HiekmannMit einem Paten an der Seite gibt es viel zu erleben: So wie Eske Uphoff und Amke (vorne rechts im Bild) sollen sich in Belm in Zukunft noch mehr Kinder und Jugendliche treffen und gemeinsam etwas unternehmen. Foto: Stefanie Hiekmann

Mit einem Freund geht man durch dick und dünn, lernt voneinander, stößt sich gegenseitig zu neuen Ideen an und erlebt Dinge, die es sonst nie gegeben hätte. In Belm wachsen gerade auch ganz besondere Freundschaften: Nicht unter Gleichaltrigen, sondern zwischen vier- bis zehnjährigen Kindern und Jugendlichen, die meist kurz vor oder hinter ihrem Schulabschluss stehen. Im Patenverhältnis treffen sie sich regelmäßig zu gemeinsamen Unternehmungen.

Kuchen backen, Enten füttern, Schwimmen gehen und ein Ausflug in den Zoo stehen schon auf der Unternehmungsliste für die nächsten Wochen. An Ideen mangelt es Eske Uphoff (18) und ihrer kleinen Patin Amne (8) wahrlich nicht. Seit zwei Monaten treffen sich die beiden Mädchen einmal in der Woche und machen sich einen schönen Nachmittag.

Für beide ist das eine ganz besondere Zeit. Wenn Eske ihr Patenkind zu Hause abholt, wird sie meist schon an der Wohnungstür erwartet: „Es ist ein schönes Gefühl, wenn man sieht, dass sich da jemand auf einen freut“, sagt die 18-Jährige. Das tut Amne wirklich: „Eine eigene Patin zu haben ist toll“, findet die Achtjährige. „Dann habe ich auch endlich mal Ruhe vor meinen jüngeren Brüdern“, sagt sie mit einem Grinsen im Gesicht.

Was hier zum Schmunzeln scheint, trifft genau den Kern des Projekts: „Aus meiner Arbeit im Kindertreff weiß ich, wie wichtig eine solche Betreuung für viele Kinder ist“, sagt Stephanie Lagemann. Die 24-Jährige studiert in Osnabrück und arbeitet nebenher als Betreuungskraft im Belmer Kindertreff der katholischen Kirchengemeinde. Mit dem Vorbild des in Osnabrück initiierten „Balu & Du“-Projekts, das inzwischen deutschlandweit Patenschaften zwischen sozial benachteiligten und förderungsbedürftigen Kindern und jungen Erwachsenen vermittelt, ist sie auf die Idee gekommen, in Belm ein ähnliches Projekt zu realisieren.

Während die großen Balus beim echten „Balu & Du“ zwischen 18 und 30 Jahre alt sind, sollen in Belm auch schon engagierte Jugendliche zum Zuge kommen, die noch nicht volljährig sind: „Viele haben bereits einen Jugendleiterschein und einfach noch keinen Zugang zu einer eigenen Gruppe oder möglichen Projekten in der Jugendarbeit bekommen“, weiß Lagemann.

Den von ihr beobachteten Bedarf nach 1:1-Betreuung bei den Kindern führte sie mit den Jugendlichen zusammen, die bereit sind, sich in der Jugendarbeit zu engagieren.

In Absprache mit Diakon Andreas Hartelt bekam sie für ihre Ehrenamtsinitiative sofort grünes Licht im Jugendforum der Kirchengemeinde.

Seit Mai haben sich so bereits vier Patenpärchen gefunden, die sich wie Eske und Amne regelmäßig treffen. „Es fragen jetzt schon immer mehr Kinder, ob sie nicht auch einen Paten kriegen können“, erzählt Lagemann aus dem Alltag im Kindertreff. Dort befindet sich die Zentrale des Patenprojekts: Eltern der hier ein und ausgehenden Kinder wird vornehmlich der Vorschlag einer Patenvermittlung gemacht. Zudem findet hier auch in gewohnter Umgebung der Kinder das erste Treffen mit den Paten statt. Anschließend planen und gestalten die Patenpärchen ganz nach ihrem Geschmack.

Luisa Dultmeyer (16) hat mit ihrem Patenkind in den Ferien zum Beispiel an Fahrten des Ferienspaßprogramms teilgenommen. Auch Muffins backen und Radtouren standen schon auf dem Programm.

Damit sich das Projekt jetzt weiterentwickelt und der Nachfrage der Kinder gerecht werden kann, werden Jugendliche ab 16 Jahren gesucht, die Lust haben, ein Kind langfristig als „großer Freund“ zu begleiten.


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