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Edelfrau Azela und Rezepte Hitzhausen, Jöstinghausen und Mönkehöfen: Mehr als malerische Landschaften

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Hitz-Jöstinghausen. „Du mein stilles Tal“ – der Titel eines deutschen Spielfilms aus den 1950er-Jahren kommt einem in den Sinn, wenn man von Mönkehöfen aus nach Hitz-Jöstinghausen fährt. Hier, im stillen Tal des Lecker Mühlbaches, scheint die Zeit ein wenig stehen geblieben zu sein.

Zunächst ist die Straße mehr ein Hohlweg, von Eichen, Kastanien und Buchen gesäumt, hier und da hinter Flieder- und Hollerbüschen ein malerischer Fachwerkkotten. Im weiteren Verlauf öffnet sich die Landschaft. Der Blick geht links zum Ossenbrink, rechts zum Stirper Berg, dazwischen liegen Rapsfelder und Wiesen mit blühenden Obstbäumen. Nichts stört, keine Werbung, kein Plastik. Eine Landschaft, die zum Wandern und Radeln einlädt, wobei interessante Plätze zur Rast einladen. Etwa zu den Überresten von Gut Caldenhof, wo Ludwig Windthorst, der große Parlamentarier und Gründervater der Zentrumspartei, am 17. Januar 1812 das Licht der Welt erblickte. Im vergangenen Jahr wurde sein hundertster Geburtstag mit viel Politprominenz und zahlreichen Informations- und Diskussionsveranstaltungen gebührend gefeiert. Heute erinnern Gedenktafeln an den berühmtesten Sohn Hitzhausens, vom einst wohl stattlichen Gut stehen nur noch die Fundamente, an einem Außenaltar finden gelegentlich Gottesdienste statt.

Aber die Geschichte von Hitzhausen und Jöstinghausen reicht natürlich noch viel weiter zurück als in die Zeit Windthorsts und Bismarcks, wie nicht zuletzt die Reste eines Großsteingrabes unweit von Caldenhof bezeugen. Urkundlich wird Hitzhausen um etwa 1080 genannt, als eine Edelfrau mit dem klangvollen Namen Azela den Haupthof „Hitteshusen“ dem Kloster Bad Iburg vermachte. Jöstinghausen wurde um 1240 erstmals erwähnt. Seit 1350 gehört Hitzhausen zum Kirchspiel Ostercappeln.

Aus der mittelalterlichen Bauerschaft Hitzhausen wurde im 19. Jahrhundert die Landgemeinde Hitz-Jöstinghausen. Gemeinsam mit der Bauerschaft Mönkehöfen und dem Gut Caldenhof gehörten sie zum Amt Wittlage.

„Seit 1350 ist urkundlich belegt, dass der Ort dem Kirchspiel Ostercappeln zugehört. Nach der Reformation und dem 30-jährigen Krieg hatten sich die Evangelischen seit 1690 an das Kirchspiel Arenshorst zu halten“, heißt es im Internet unter www.hitzhausen.de.

Dort ist auch zu lesen, dass es um die Dorfschule immer wieder Ärger gab, da beide Konfessionen sie für sich in Anspruch nehmen wollten. Im Jahre 1968 erfolgte ein Schulneubau, und gleichzeitig wurden die oberen Jahrgänge nach Ostercappeln abgeschult.

Die Hitzhauser Elternschaft hatte damals der Einwilligung zur Abschulung nach Ostercappeln unter der Bedingung zugestimmt, dass auch dort eine Gemeinschaftsschule eingerichtet würde – vermutlich, um dem altbekannten Streit von vornherein zu verhindern. Die Grundschule verblieb bis zu ihrer Schließung am Ort. Heute befindet sich in den Räumen der ehemaligen Grundschule die Firma Rellana Wolle. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es im Ort vier Gaststätten, zwei Bäckereien, eine Kolonialwarenhandlung sowie eine Textil- und Gemischtwarenhandlung. Heute genießt die 1905 von Friedrich Schmiemann begründete Tradtitionsgastwirtschaft Schmiemann „Zum Hinterhof” Kultustatus. Auch und vor allem bei Tischtennisfreunden. Seit 1958 spielt hier der TTC und konnte zu seinen Bestzeiten, in den 1970er-Jahren, andere Bezirksligisten auf Schmiemanns Saal zum Match empfangen. Weitere Termine bei Schmiemann, die sich kein Hitzhauser entgehen lässt, sind der erste Advent und der Silvesterabend. „Dann können wir uns nix anderes vornehmen, denn um elf Uhr gibt’s unsere Silvesterbowle“, sagt Norbert Schmiemann.

Das geheime Rezept des legendären Gebräus entstand vor vielen Jahren, „als wir einfach mal verschiedene geistliche Getränke in einen Pott geschüttet haben“, sagt der Gastwirt. So einfach kann’s mitunter gehen. Und so spontan sind die Hitzhauser. Da wird zur Silberhochzeit schon mal eine Blaskapelle aus dem Schwarzwald geordert und zum Frühschoppen ein Torbogen errichtet. Der ist, inzwischen nochmals verschönert und stabilisiert, der Ort, an dem die Hitzhauser sich treffen.

Durch die neue Siedlung „Heidegarten“ hat sich die Zahl der Bewohner dieser fröhlichen Ortschaft erhöht. Derzeit beläuft sie sich auf 615 Einwohner, in der Gemeinde Ostercappeln leben insgesamt 9770 Menschen.


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