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Liebe auf den zweiten Blick Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer finden gemeinsame Liebesszenen „fürchterlich“

Von Joachim Schmitz

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Sie gehören zu den populärsten deutschsprachigen Schauspielerehepaaren und sind am kommenden Mittwoch mal wieder zusammen in einem Film zu sehen – als Ehepaar in der ARD-Komödie „Der Wettbewerb“: Ann-Kathrin Kramer und Harald Krassnitzer. In Wuppertal, wo die beiden heimisch geworden sind, sprechen wir über Gegensätze, die sich anziehen, und übertragen Filmpassagen ins Privatleben der beiden Schauspieler. Das ist sicher so kurzweilig wie ihr Film:

Herr Krassnitzer, es hat Sie als Österreicher nach Wuppertal verschlagen. Was gefällt Ihnen hier eigentlich so gut, mal abgesehen von Ihrer Frau?

Krassnitzer: Ich empfinde es für mich als wertvoll, weil es mich hier ganz anders erdet als in den großen Städten, in denen ich ja meistens drehe. Hier gibt es Menschen, die ganz alltägliche Sorgen und Probleme haben, nicht in dieser Eventhaftigkeit beheimatet sind und trotzdem eine gewisse Form des Glücks für sich bewahrt haben. Ich empfinde die Menschen hier als gerade und das Leben als sehr normal, das gefällt mir. Dieses Überfrachtete und Überbordende geht mir in zunehmendem Maße auf den Geist.

Bei Ihnen, Frau Kramer, kommt noch die familiäre Komponente hinzu - Ihre Eltern und Ihre Brüder wohnen auch hier in Wuppertal.

Kramer: Als wir uns entschlossen haben, hierher zu kommen, hatte ich ja 15 Jahre in München gelebt. Nach meinem Geschmack war ich lange genug fortgewesen - da war es auch ausschlaggebend, dass ich hier eine Familie habe, die uns den Rücken stärkt und eine Verwurzelung schafft. Gerade in unserem Beruf finde ich das ungeheuer wichtig, nicht nur für meinen Sohn, sondern auch für uns. Es ist immer wieder schön, zurückzukommen aus diesem Wirbel aus Wo-man-essen-muss, Was-man-anziehen-muss, Wie-man-unbedingt-Zeit-verbringen muss.

Was ist für Sie das Wichtigste in Wuppertal?

Krassnitzer: Das Gefühl, zu Hause zu sein. Und das Gefühl von Ruhe und Klarheit. Für mich ganz wichtig ist weiterhin eine gewisse Distanz zu Österreich, um mal wieder mit einem anderen Blick dorthin sehen zu können.

Nimmt man es Ihnen in Österreich übel, wenn Sie Wuppertal als Ihr Zuhause bezeichnen?

Krassnitzer: Das glaube ich nicht. Wenn Boris Becker oder Michael Schumacher ihren Wohnsitz ins Ausland verlegen, hat das ja steuerliche Gründe, die gibt es bei mir nicht. Ich würde gern mein Einkommen dort versteuern, wo es eine Wertschöpfung gibt. Aber weil es noch keine einheitliche europäische Steuer gibt, muss ich zwei Steuerberater beschäftigen, die bei den komplizierten Finanzgesetzgebungen ihres jeweiligen Landes darauf achten müssen, dass ich nicht mit einem Fuß auf der schiefen Bahn stehe.

Frau Kramer, Sie haben über Ihre Kennenlernphase mal gesagt: Seine Langsamkeit hat mich wahnsinnig gemacht. Worin hat sich diese Langsamkeit geäußert?

Kramer: In allem. Meine erste Wahrnehmung war tatsächlich: Dieses Ausholende und Gründliche ist wahnsinnig anstrengend. Ich dachte immer, das kann man auch in drei Sätzen oder einer halben Minute auf den Punkt bringen. Ich musste es ganz lange üben, Harry auch mal zuzuhören und die Qualität dessen zu erkennen, was er sagt.Ist er mittlerweile ein bisschen fixer geworden oder haben Sie sich an seine Langsamkeit gewöhnt?Kramer: Wir sind uns da beide einen Schritt entgegengekommen. Ich habe inzwischen die Vorzüge der Langsamkeit erkannt und er legt auch manchmal einen Zahn zu.

Sie, Herr Krassnitzer, Sie haben über Ihre Frau mal gesagt: Ich hielt sie für eine Zicke und Angeberin.

Krassnitzer: Ich möchte erst noch mal was zur Langsamkeit sagen. Schnelligkeit und Schnoddrigkeit ist nicht das, was Intelligenz ausmacht und dann auch richtig ist.Kramer: Das hat auch keiner behauptet.Krassnitzer: Es geht auch darum, die Dinge anders zu ergründen und etwas komplexer zu sehen. Das mag für manche Menschen anstrengend und nervig sein, mir ist es aber wichtig, sie nicht nur auf der Oberfläche zu betrachten. Und weil ich Schnelligkeit oft als Schnoddrigkeit empfinde, hatte ich manchmal den Eindruck, dass da jemand nur heiße Luft verbreitet. Das war mein erstes Bild: eine Zickigkeit, die es nicht wirklich auf den Punkt bringt.

Der erste Eindruck hat Sie offenbar getäuscht. Ist Ihre Frau heute weniger zickig, oder haben Sie sich daran gewöhnt?

Krassnitzer: Wir hatten wohl beide unsere Vorurteile. Man kennt jemanden noch nicht richtig und bildet sich schon ein Urteil. Und dann guckt man noch mal genauer hin, lernt sich näher kennen und erkennt erst dann, was wirklich ist.

Sie haben sich ja bei Dreharbeiten zu einem Film kennengelernt, in dem Sie einen Priester und Ihre Frau dessen Schwester spielte. Haben Sie da was falsch verstanden?

Krassnitzer: Wir haben da etwas vorweggenommen, was hoffentlich in diesem Jahrhundert auch noch eintreten wird (beide lachen).

Sie haben Sie dann noch zehn Jahre Zeit gelassen, bis Sie geheiratet haben. Warum so lange?

Krassnitzer: Wir haben uns permanent unter Druck gesetzt gefühlt. Ständig wurde gefragt: Wann heiraten Sie denn nun endlich? Wird’s noch mal was mit einem zweiten Kind? Das waren alles ziemlich intime Geschichten, die wir nicht in der Öffentlichkeit zelebrieren wollten.

Nun haben Sie als Schauspieler-Ehepaar einen Film gedreht, in dem Sie ein Ehepaar darstellen - das ergibt zwangsläufig auch wieder ein öffentliches Interesse an Ihrem Eheleben.

Kramer: Es ist ja nichts, um das wir einen Riesenbogen machen würden. Wir sind nun mal ein Paar, und wenn wir ein Paar spielen, verstehen wir auch, dass es dafür ein gewisses öffentliches Interesse gibt. Das müssen wir nicht panisch ausklammern.

Krassnitzer: Außerdem sind wir in diesem Film ja nicht das, was uns mit ziemlicher Regelmäßigkeit angeboten wird zu spielen - ein glückliches Paar. Mit Missverständnissen, Trennung und Happy End. Bei diesen Drehbüchern müssen wir nur die ersten beiden Seiten lesen, um zu wissen, was auf der letzten Seite steht. Am Ende umarmen sie sich inniglich, küssen sich zärtlich, sinken auf das Bett und sagen: Ich werde dich nie mehr verlassen. Darauf haben wir nun wirklich keinen Bock.Wenn Sie zusammen drehen, übernachten Sie in getrennten Zimmern.

Kramer: Wir sind ja schließlich zum Arbeiten da, mit all der gebotenen Konsequenz und Konzentration. Dazu gehört auch, dass wir unterschiedliche Rhythmen haben. Frauen müssen ja gemeinerweise immer etwas früher in die Maske, während sich der Mann noch mal umdreht und noch ein bisschen schlafen kann. Und es ist auch ein Unterschied, ob man sich vor dem laufenden Fernseher oder in der Stille einer Badewanne entspannt. Da will man nicht immer aufpassen müssen, ob man gerade zu laut oder zu leise ist. Aber ich kann Sie beruhigen: Unsere beiden Zimmer hatten eine Verbindungstür, und die war auch nicht abgeschlossen.

Krassnitzer: Viele Leute glauben ja tatsächlich, wir stünden so ein bisschen vor der Kamera, gingen dann abends nach Hause, guckten uns die Stadt an, machten noch Halligalli oder gingen toll essen. Tatsache ist: Man kriegt von der Stadt nichts mit, oft gibt’s nicht mal ein Abendessen. Wenn man morgens um fünf aufsteht und 16 Stunden dreht, fällt man abends um zehn todmüde ins Bett. Wenn man noch rausginge und irgendwann nach Mitternacht heimkäme, wäre das zutiefst unprofessionell.

Frau Kramer, Ihr Sohn Leo sagt zu Ihrem Mann „Papa“, obwohl er gar nicht sein leiblicher Vater ist. Tut er das aus eigenem Antrieb?

Krassnitzer: Er hat Schläge bekommen, bis er es begriffen hat. Nach zwei Tagen im Keller hat’s dann geklappt, das hat richtig Spaß gemacht (beide lachen).

Kramer: Wenn das gedruckt wird, wirst du noch lange erklären müssen, wie du das gemeint hast.

Krassnitzer: Na gut, dann ernsthaft: Leo war ja erst zweieinhalb, als ich ihn sozusagen übernehmen durfte. Ich habe dann eine Verantwortung und ein Gefühl wahrgenommen, das gingrelativ schnell. Und eines Tages rutscht so ein Wort dann eben raus.

Was sagt er denn zu seinem leiblichen Vater Jan Josef Liefers?

Krassnitzer: Herr Liefers.

Kramer (lacht): Nein nein, er sagt ganz normal Jan.Leo ist ja in einer außergewöhnlichen Situation: Sein Vater ist „Tatort“-Ermittler, und sein „Papa“ auch. Wird er später mal „Tatort“-Kommissar?Kramer: Das müssen Sie ich ihn fragen. Er ist mit seinen 14 Jahren in einem Alter, in dem er ganz in Ruhe gucken soll, was er mal machen möchte. Und für mich ist es ganz wichtig, dass er diese Freiheit auch hat. Aber er liebäugelt durchaus mit der Schauspielerei und hat zweifelsohne auch Talent. Wir wollen ihm jedoch keine Pfade vortrampeln, auf denen er dann gehen muss. Aber lassen uns das jetzt abkürzen, Leo hat’s nicht so gern, wenn wir in der Öffentlichkeit über ihn sprechen.

Okay, dann lassen Sie uns ein kleines Spiel zu Ihrem Film „Der Wettbewerb“ machen: Ich sage Ihnen kurze Dialogsätze Ihrer Filmfiguren Henni und Hubert, und Sie übertragen die dann auf Ihr Leben. Fangen wir mal damit an – Hubert sagt zu Henni: Hast Du etwa geraucht?

Kramer: Das hätte ich eigentlich sagen müssen (lacht). Ich für meinen Teil werde nie wieder rauchen. Ich bin so froh, dass ich das losgeworden bin. Insofern war der Film eine echte Prüfung: Ich hatte im Januar aufgehört zu rauchen, musste im April bei den Dreharbeiten diese Zigaretten rauchen und hatte richtig Manschetten, dass ich dadurch wieder angefixt werde. Aber es ist gut gegangen.

Warum haben Sie mit dem Rauchen aufgehört?

Kramer: Es tut mir einfach nicht gut. Man meint, es im Griff zu haben, aber es ist natürlich nicht so. Rauchen nimmt Lebensenergie und Kraft, die man eigentlich für etwas anderes braucht. Rauchen ist einfach nicht erwachsen,finde ich. Ich habe zwar nichts dagegen, wenn jemand in meiner Gegenwart raucht, aber ich für mich hoffe von ganzem Herzen, dass mir das in Zukunft erspart bleibt.

Krassnitzer: Ich war ein Jahr lang sauber, bin beim letzten „Tatort“ wieder rückfällig geworden, jetzt aber schon wieder dabei, es zu reduzieren.

Zurück zum Film. Henni sagt zu Hubert: Du führst dich auf wie ein Diktator.

Krassnitzer: Das mag manchmal zutreffen. Ich vertrete zwar nicht diktatorisch, aber sehr bestimmt meine Meinung. Ich bin manchmal sehr radikal und vielleicht sogar ängstigend für diejenigen, die nicht damit umgehen können. Aber für mich ist diese Klarheit wichtig, und sie wird es immer mehr.

Hubert zu Henni: Ich finde, wir sollten weniger Fleisch essen.

Kramer: Das sage ich auch immer.

Krassnitzer: Das ist ein löbliches Vorhaben, aber wir setzen es nicht wirklich um.

Kramer: Sagen wir es mal so: Wenn ich mit Leo allein bin, essen wir deutlich weniger Fleisch.

Krassnitzer: Zumindest gibt es bei uns gutes Fleisch, Hähnchen vom Biobauern und auch sonst nur Fleisch, bei dem wir wissen, woher es stammt.

Henni zu Hubert: Hast du dich für mich so schön gemacht?

Kramer: Ich finde, er könnte sich noch viel öfter schön für mich machen. Gut, dass ich das auf dem Weg über die Zeitung mal mitteilen kann (beide lachen).

Krassnitzer: Es ist eben ein gewisser Teil von mir, dass ich nicht immer ultimativen Wert darauf lege, wie aus dem Ei gepellt und gestriegelt zu sein. Ich habe auch nicht immer die Zeit oder den Gedanken dazu. Beim Frühstück sitze ich nicht gleich schon mit einer Krawatte am Tisch.

Kramer: Ich hab dich in all den Jahren noch nie mit einer Krawatte gesehen. Außer im Film vielleicht.

Krassnitzer: Das stimmt nicht. Es kommt vor.

Kramer: Was? Hattest du beider Hochzeit etwa eine Krawatte um?

Krassnitzer: Nein, aber bei einigen dieser öffentlichen Auftritte habe ich schon eine Krawatte getragen. Und einmal haben wir sogar gemeinsam entschieden, welche ich denn tragen soll.

Kramer: Einigen wir uns darauf: Ich würde unter „Schönmachen“ nicht verstehen, dass du dir eine Krawatte umbindest.

Hubert zu Henni: Ich bin gekommen, um zu tanzen.

Krassnitzer: Ich finde, das war eine der großen Schwachstellen dieses Films (beide lachen). Den Satz hätte ich gern gestrichen. Ich bin kein großer Tänzer, ich kann das einfach nicht und war auch nie in einer Tanzschule.

Kramer: Ich finde, er tanzt ganz gut.

Viele Schauspieler drehen höchst ungern Liebesszenen. Wie ist das für Sie als Ehepaar?

Krassnitzer: Fürchterlich.

Kramer: Es ist immer fürchterlich, und als Paar ist es noch ein bisschen fürchterlicher. Ich habe immer das Gefühl, etwas unheimlich Privates zu offenbaren. Da stellt sich ganz schnell das Gefühl ein: Alle gucken und studieren das, was wir da tun, und denken: Ach, so ist das also bei denen zu Hause, so machen die das. Das ist nicht schön, ich mache das wirklich nicht gerne.

Krassnitzer: Es wird ja stets dasselbe Klischee bedient: Es geht darum, dass man eine Zwergenaufstands-Peepshow hinlegt. Liebesszenen sind oft von unglaublicher Fantasielosigkeit. Dabei kann man es auch anders machen. Für mich war es eine der erotischsten Szenen überhaupt, wie Robert Redford im „Pferdeflüsterer“ mit dieser Frau tanzt, wenn sie sich berühren und angucken und man als Zuschauer genau weiß, was da abgeht.

Haben Sie eigentlich noch einen gemeinsamen Traum?

Krassnitzer: Was meinen Sie denn mit „noch“? Vielleicht, dass wir uns gemeinsam ein Gebiss teilen wollen? Du morgens, ich abends. Damit ich beim Abendessen noch schmecke, was sie zum Frühstück hatte (beide lachen).

Kramer: Wer weiß, was die Gesundheitsreformen noch bringen.

Krassnitzer: Über Träume sollte man nicht sprechen. Es gibt ein russisches Gedicht, da heißt es: Der ausgesprochene Gedanke ist eine Lüge. Wenn man einen Traum immer wieder ausspricht, verliert er seine Kraft, dann ist irgendwann der Wunsch weg. Das Schöne an Träumen ist ja, dass sie eine Magie haben. Man sollte sie für sich behalten, damit sie diese nicht verlieren.


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