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Extra-3-Moderator Tobi Schlegl provoziert die Osnabrücker

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Tobi Schlegl, Moderator der Satire-Sendung "Extra 3", veräppelte am Donnerstag die Osnabrücker.Tobi Schlegl, Moderator der Satire-Sendung "Extra 3", veräppelte am Donnerstag die Osnabrücker.

Drei falsche Priester haben am Donnerstag für Aufregung in der Osnabrücker Innenstadt gesorgt. Die Mitglieder des Vereins „Freunde der katholischen Kirche“ forderten auf einem Plakat „Schwamm drüber“ – Schluss mit der Debatte über Missbrauch in der katholischen Kirche. Was viele Osnabrücker ernst nahmen, war jedoch nicht ernst gemeint: Die vermeintlichen Priester waren nämlich für das Satiremagazin „Extra 3“ des NDR im Einsatz.

„Sie hätte man damals auch missbrauchen sollen“, empörte sich ein Passant und kommt den drei „Geistlichen“ gefährlich nahe. „Wer so hohe moralische Ansprüche an anderer Stelle fordert, muss sich nicht wundern, wenn er jetzt selbst kritisiert wird. Der Papst ist fehlbar, das sage ich, obwohl ich selbst katholisch bin“, sagt eine Frau. Ein anderer meint hingegen: „Alles Quatsch, das wurde doch schon viel zu hoch gehängt. Das waren doch nur ein paar schwarze Schafe. Ich bin auch dafür: Schwamm drüber, erledigt.“

Eine seltenere Meinung – die meisten Osnabrücker zeigen sich sehr kirchenkritisch. Das Team um Moderator Tobias Schlegl wollte provozieren – was offensichtlich gelang. „Ich bin noch nie so derbe beschimpft worden wie bei dieser Aktion“, so der Schlegl, der einst selbst in Köln Messdiener war, sich „mit der Materie“ also auskenne. „In dieser Kluft ist man wirklich kein Sympathieträger.“

„extra 3“ ist bereits zum zweiten Mal in Osnabrück: Im Februar vergangenen Jahres war das Team schon einmal in der Hasestadt unterwegs – ebenfalls als falsche Priester. „Das ist aber keine Hetze gegen Osnabrück“, erläutert Autor Tobias Döll.

„Das hat allein pragmatische Gründe: Osnabrück ist eine katholische Stadt mit einer großen Kirche in der Innenstadt. Das ist für die Dreharbeiten ganz praktisch.“ Dass die Passanten nicht bemerken, dass sie es mit einem Fernsehteam zu tun haben und sich stattdessen entzürnen und fast schon handgreiflich werden, ist ganz im Sinne Dölls: „Wenn sich die Leute empören, haben wir erreicht, was wir erreichen wollten.“

Mit andächtiger Mine und gefalteten Händen lauscht Schlegl einem Passanten, der erzählt: „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Missbrauch passiert ja überall, nicht nur in der Kirche.“ Ganz recht, finden die Priester. Immerhin gebe es ja die Absolution.

So ruhig, wie der Moderator in seiner Rolle bleibt, so empört ist er selbst, wenn er über die Missbrauchsfälle spricht. „Und als dann noch der unsägliche Naziverlgiech von Bischof Müller dazukam, musste unsere Redaktion einfach etwas unternehmen.“

Am Nachmittag fuhr schließlich noch ein Transporter vor dem Dom vor: Die Redaktion hatte extra einen drei Meter hohen Schwamm mit der Aufschrift „Freunde der katholischen Kirche“ anfertigen lassen. Auch kleinere Schwämme versuchte das Team unter die Osnabrücker zu bringen – um den Dom von dem ganzen Schmutz der vergangenen Tage wieder reinzuwaschen. Getreu dem Motto: Schwamm drüber.

Zu sehen sind die falschen Priester in der Sendung „Extra 3“am Sonntag, 28. März, um 22.30 Uhr, NDR-Fernsehen.


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