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Kaiserstraße Montag wieder frei

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Sanierungsarbeiten können eine spannende Sache sein. "Zu Beginn der Bodensanierung auf dem Gelände der Stadtwerke an der Kaiserstraße fanden wir einen großen Teerkeller", erklärte Dr. Karl-Heinz Lüpkes aus Meppen gegenüber unserer Zeitung.

Die Stadtwerke Lingen haben sein Sachverständigenbüro mit der Sanierung des schadstoffbelasteten Bodens beauftragt. Die Gesamtkosten belaufen sich nach Angaben der Stadtwerke auf 600000 Euro.

Zurzeit laufen die Sanierungsarbeiten an der gesperrten Kaiserstraße auf vollen Touren. Der aufgetürmte Schutt des in dieser Woche abgerissenen alten Anlagen- und Maschinenhauses wird per Lastwagen weggefahren. Der mit Teerrückständen und Benzol verunreinigte Bodenaushub wird je nach Kontaminationsgrad zur biologischen Reinigungsanlage nach Ganderkesee bei Delmenhorst oder zu den Bodenwaschanlagen in Bardowick bei Hamburg bzw. nach Coswig in den neuen Bundesländern gebracht.

Um zu verstehen, weshalb diese Arbeiten jetzt durchgeführt werden müssen, ist ein Blick in die Historie unerlässlich. 1906 erwarben die im selben Jahr gegründeten Stadtwerke die im Jahr 1875 gegründete Langschmidtsche Gasanstalt. Aus der Verkokung der Steinkohle wurde Stadtgas gewonnen. Trotz aller damaliger Vorsichtsmaßnahmen konnte nicht verhindert werden, dass sich Rückstände von Teer und Benzol im Boden bildeten. Die Teerrückstände wurden auch für den Straßenbau verwendet. Heute ist bekannt, dass die Inhaltsstoffe krebserregend sind. Daher sind die Stadtwerke gehalten, den Boden des Geländes in einer Größenordnung von 5000 Tonnen sanieren zu lassen.

Nach Angaben von Dr. Lüpkes halten sich zeitweise zehn Fachkräfte auf der Baustelle auf. Um eine Gefährdung der Beschäftigten und der Nachbarn auszuschließen, greift ein Sicherheits- und Gesundheitskonzept. Dr. Lüpkes: "Aus diesem Grund werden regelmäßig an der Baugrube Messungen durchgeführt, die Dämpfe von Benzol oder Teerbestandteilen registrieren können."

Mithilfe von acht Grundwassergütemessstellen in der Umgebung des Geländes wird zudem die Schadstoffbelastung fortlaufend geprüft. "Im Grundwasser hat sich die Kontamination auch aufgrund der geologischen Beschaffenheit des Geländes nicht ausgebreitet.

Die Kaiserstraße, die auf einigen Metern einen neuen Belag erhält, soll am Montag wieder für den Verkehr freigegeben werden. Der Abschluss der Bodensanierung auf dem alten Stadtwerkegelände ist für den 17. August vorgesehen. Über die Folgenutzung des Geländes in Abstimmung mit der Stadt Lingen haben die Stadtwerke nach Angaben von Geschäftsführer Arno Ester noch nicht entschieden.


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