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Hier kommt der Stadtbus mit Anhänger

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Angehängt: Den Startschuss für die Premierenfahrt gab gestern unter anderem Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes (Mitte). Foto: Jörn MartensAngehängt: Den Startschuss für die Premierenfahrt gab gestern unter anderem Stadtwerke-Vorstand Stephan Rolfes (Mitte). Foto: Jörn Martens

Die Älteren werden sich noch an Busse mit Personenanhängern erinnern. Diese gehörten im Osnabrück der Fünfzigerjahre zum normalen Stadtbild. An diese Tradition knüpfen die Osnabrücker Stadtwerke wieder an, wenn sie in dieser Woche vor allem auf der Uni-Linie 21 den „Maxi-Train, ein 23 Meter langes Bus-Anhänger-Gespann, testen.

Mit insgesamt rund 180 Personen hat dieser eine deutlich größere Kapazität als ein Gelenkbus. Zudem besteht die Möglichkeit, außerhalb der Stoßzeiten den Anhänger zu parken und mit dem Bus solo weiterzufahren. Interessant ist diese flexible Lösung besonders auf den Schulstrecken oder der Unilinie 21.

Im Rahmen der Verhandlungen mit den Studierendenausschüssen für ein neues Semesterticket habe man nach Möglichkeiten gesucht, das Busangebot auf der Unilinie 21 zu erweitern, so Stadtwerke-Vorstand Dr. Stephan Rolfes. Einerseits soll künftig auf der Linie Hauptbahnhof– Schloss–Westerberg in der Hauptzeit ein 10-Minuten-Takt eingehalten werden, zum anderen wollen die Stadtwerke aber auch die Kapazitäten erweitern.

Bisher sind die Busse besonders morgens und nachmittags überfüllt, und es müssen zusätzliche Fahrzeuge für die Spitzenzeiten eingesetzt werden. Mit Anhänger könnte ein zweiter Bus überflüssig werden. Dies würde die Kosten senken und den Kohlendioxidausstoß reduzieren. Für die Studierenden bedeute das erweiterte Angebot eine Erhöhung des Preises für das Semesterticket um knapp fünf Euro. Ein positives Votum der Studierendenausschüsse zum erweiterten Konzept steht bisher allerdings noch aus.

Im einwöchigen Testbetrieb des „Maxi-Trains“ geht es einerseits um technische Fragen, wie Martin Meyer-Luu, zuständig für das Verkehrsangebot der Stadtwerke, erläutert: Inwieweit sorgt die Länge des Gespanns für Probleme an den Haltebuchten? An welchen Stellen kann der Anhänger zwischen den Stoßzeiten geparkt werden? Lässt sich der „Maxi-Train“ im Straßenverkehr problemlos steuern?

Auf der anderen Seite wollen die Stadtwerke auch die Akzeptanz des Gespanns in der Bevölkerung ermitteln, so Meyer-Luu weiter. Dazu will man Fahrgastbefragungen durchführen.

Nach dem Test gilt es dann auszuloten, ob das Konzept auch im Regelbetrieb zum Einsatz kommen kann. Burkhard Kötter, der Werkstattleiter der Stadtwerke, rechnet dabei mit einem Vorlauf von rund zwei Jahren. Nicht zu unterschätzen seien die erforderlichen Umbaumaßnahmen, beispielsweise im Bereich der Haltestellen. Die ersten Weichen werden allerdings bereits in den kommenden Monaten gestellt. Ab Mai steht die Anschaffung neuer Solobusse auf dem Programm, erklärt der Leiter des Verkehrsbetriebs, Andre Kränske. Dabei wird man sechs Busse anschaffen, die mit dem Anhängersystem kompatibel sind.

In den Fünfzigerjahren waren Busse mit Anhänger weit verbreitet und gehörten auch in Osnabrück zum Stadtbild. Die damaligen Modelle besaßen allerdings einen wesentlich kleineren Anhänger als der heutige „Maxi-Train“. Anfang der Sechziger beendeten eine Längenbegrenzung und ein Verbot des Mitführens von Personenanhängern die Phase der Bus-Anhänger. Das Verbot gilt bis heute, kann jedoch per Ausnahmegenehmigung außer Kraft gesetzt werden. Vereinzelt wird der „Maxi-Train“ so bereits in einigen ländlichen Gebieten eingesetzt. Osnabrück wäre allerdings Vorreiter, was den Betrieb innerhalb eines größeren Stadtzentrums angeht.


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