zuletzt aktualisiert vor

Wenn die Ideen fliegen lernen Marta-Museum zeigt „Visionen – Atmosphären der Veränderung“

Von Marita Kammeier


Herford. Welche Bedeutung haben Visionen im täglichen Leben? Sind sie in der Lage, gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen? 35 internationale Künstler sind diesen Fragen mit sensiblem Gespür nachgegangen und beleuchten im Marta-Museum die Perspektiven ebenso wie potenzielle Gefahren.

Die neue Sommerausstellung „Visionen – Atmosphären der Veränderung“ zeigt in der fließenden Architektur Frank Gehrys ein großes Panorama der Welt, die immer mehr von Visionen bewegt wird. Sie zeigen sich in ganz unterschiedlicher Gestalt, erklärt Museumsdirektor Roland Nachtigäller: „Als Heilserfahrung des Göttlichen, in Momenten persönlicher Inspiration, als Grenzerfahrung und als Glaube an große technische Lösungen.“

Jedes der etwa 100 Objekte, darunter Zeichnungen, Gemälde, Skulpturen, Holzschnitte und Video-Installationen, inspiriert und fordert zugleich die Auseinandersetzung mit dem Thema. Ein umfangreiches Programm von bedeutenden Marien- und Stadtvisionen, Kunstwerken und Fotografien mit ökologischen und sozialkritischen Aspekten bis hin zu Rauminstallationen und schwebenden Luftschiffen erwartet die Marta-Besucher. Bewegende Filmdokumentationen ergänzen die umfangreiche Ausstellung. So berichten zum Beispiel zwölf Benediktinerinnen mit großer Offenheit über ihre Erfahrungen.

„Eine Vision zeichnet sich dadurch aus, dass man sie nicht sieht“, erklärt das Kuratorenteam um Michael Kröger und den Hamburger Kunsthistoriker Oliver Zybok und offeriert auch gleich eine Übersetzung: „Ideen, die gerade fliegen lernen.“ Das passt zur gesellschaftlichen wie zur religiösen Seite des Themas und gibt Spielraum für den Untertitel „Atmosphären der Veränderung“.

Ein Kernstück der Ausstellung ist das Luftschiff Panamarenkos „Papaya“ (aus der Sammlung Marta). Es spiegelt sich in Benjamin Bergmanns „Traum von einer großen Sache“ und schwebt über Christoph Dettmeiers düsterer 9/11-Ruinen-Assoziation aus Sand und Gips, mit der er auch an Hitlers Wolkenkratzer-Utopien für Hamburg als dem Tor zur Welt erinnert.

Von Francis Alys ist der überwältigende 15-Minuten-Film „Wenn Glaube Berge versetzt“ zu sehen, in der Hunderte von Arbeitern eine Sanddüne um einige Zentimeter verschieben. Einer der vielen eindrucksvollen Höhepunkte dieser Ausstellung ist die Rauminstallation „Von neu erwachten Welten“ mit drei Elementen. Die Hamburgerin Johanna Tiedke suchte mit ihrer auf Holz eingescannten Collage nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten der Malerei und orientierte sich dabei an Giottos Fresken in Padua.

Zu besichtigen ist die Ausstellung „Visionen – Atmosphären der Veränderung“ noch bis zum 8. September.

Öffnungszeiten: dienstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr, am ersten Mittwoch im Monat bis 21 Uhr. Weitere Informationen unter www.marta-herford.de.