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Zweckmäßige Haushaltsführung Aus alten Meller Zeitungsbänden: Kommers der Turner 1912 erstmalig mit Damen

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<em>Das Meller Postamt</em> wurde 1887 erbaut, Richtfest war am 22. August vor 125 Jahren.

            

              Foto: Doris HorstDas Meller Postamt wurde 1887 erbaut, Richtfest war am 22. August vor 125 Jahren. Foto: Doris Horst

Vor 125 Jahren (1887)

Am 9. August wurde gemeldet, dass seit einigen Tagen viele tote Fische, kleine und auch große, den Flusslauf der „Else“ hinabgetrieben worden seien. Es wurde vermutet, dass trotz strengen Verbotes wieder unbemerkt „Rottewasser“ (Wasser, in dem Flachs gewässert worden war) in die „Else“ oder in die Nebenflüsse abgelassen worden war.

Nach einem Artikel am 23. August hatte das sonnige Wetter der letzten Wochen die Erntearbeiten sehr begünstigt. Alle Getreidefelder waren gemäht. Die Getreideernte hatte sehr gute Ergebnisse gebracht. Futterpflanzen, Rüben oder Kartoffeln litten unter der Trockenheit. Der Wasserstand in den Hausbrunnen war beträchtlich abgesunken.

Es war ein imposantes Gebäude geworden, das neue Postgebäude an der Mühlenstraße, welches am 22. August gerichtet wurde. Gebaut hatte es die Firma Fr. Becker. Sie blieb auch weiterhin Eigentümer. Erst 1923 erwarb es die Postverwaltung.

Am Sonntagvormittag, dem 24. August, wurde in Neuenkirchen das neu erbaute Kirchengebäude an die Gemeinde übergeben. Unter Glockengeläut zog die Gemeinde von der bisherigen Notkirche zum stattlichen Neubau. Dort gab der Architekt den großen Kirchenschlüssel an Superintendent Lauenstein, der ihn weiterreichte an den damaligen Prediger Grass. Die frühere Kirche war beim großen Brand im Mai 1883 völlig zerstört worden.

Vor 100 Jahren (1912)

Zu einem Monat Gefängnis wegen fahrlässiger Brandstiftung wurde am 8. August vom Amtsgericht Melle die fünfzehn Jahre alte Dienstmagd auf dem Hofe Meyer zu Himmern verurteilt. Sie wurde beschuldigt, den Brand des Wohnhauses am 11. März 1912 verursacht zu haben. Eine vorsätzliche Brandstiftung konnte ihr nicht nachgewiesen werden, aber eine fahrlässige wurde angenommen.

Der Turnverein Melle feierte am 10. und 11. August sein fünfundzwanzigjähriges Bestehen. Am 10. August führte abends ein großartiger Fackelzug von der Turnhalle durch die Stadt zum Schützenhofe. Dort fand ein Kommers statt, erstmalig auch für Damen. Am 11. August vormittags fanden auf der Vereinswiese an der Bismarckstraße vielfältige Spiele der Damen- und Herren-Abteilungen statt.

Nach einem Freiluftkonzert im Garten der Turnhalle marschierten die Turner in einem Festzug durch die Stadt zum Schützenhof, angeführt von der Regimentskapelle Nr. 15 aus Minden. Im Schützenhofe wurde musiziert, getanzt und geturnt.

Der Verein war 1852 von einigen Meller „Bürgersöhnen“ gegründet worden. Geturnt wurde auf dem Platz vor der Städtischen Bleiche am Reck, Barren oder Klettergerüst. Ab 1887 konnte im Saale des Schützenhofes geturnt werden. Erster Sprecher des Vereins war damals der Korkenfabrikant Rudolf Paull. Im Jahre 1892 fand in Melle das Gauturnfest des Bezirks Osnabrück statt, unter der Leitung des damaligen Vorsitzenden Justizrat Meyer zu Rabingen.

Damals war die Stadt Melle auch Ortspolizeibehörde. Einige Polizei-Sergeanten waren im Außendienst tätig, darunter auch der Sergeant Schmidt. Er war schon längere Zeit schwer krank und starb in der Nacht zum 19. August. In einem Nachruf dankte der Magistrat für seine treuen Dienste und lobte sein pflichtbewusstes Wirken in Melle seit 1884.

In der gemeinschaftlichen Sitzung der Städtischen Kollegien wurde beschlossen, in Melle eine Wander-Haushaltungsschule einzurichten. Hier sollten junge Mädchen und Frauen zusätzliche Kenntnisse über eine zweckmäßige Haushaltsführung erwerben. Der Magistrat wurde beauftragt, dafür im Stadtgebiet einen Unterrichtsraum und eine Küche zu suchen und einzurichten.

Der Kriegerverein Wellingholzhausen unter Leitung des Vorsitzenden Dr. Schönepauck feierte am 25. August sein diesjähriges Stiftungsfest. Unter den Klängen der Teutoburger-Wald-Kapelle marschierten die Mitglieder und Gäste vom Vereinslokal zum Kriegerdenkmal im Ort. Dort hielt Kamerad Dütting eine Gedenkrede. Nachmittags wurde auf dem Festplatz am Beutling ein unterhaltsames Programm geboten, mit einem Konzert und einigen Spielen und Tänzen.

Vor 75 Jahren (1937)

Vom Amtsgericht Melle wurde nach einer Meldung vom 4. August ein Bauer aus Hustädte, Kreis Melle, zu einer Geldstrafe von 200 RM verurteilt, weil er seiner Milchablieferungspflicht nicht voll nachgekommen war. Er hatte täglich nur 14 bis 20 Liter abgeliefert. Die Höhe seiner Ablieferungspflicht aber wurde mit durchschnittlich täglich 60 Litern angegeben. Er begründete die geringe Liefermenge mit der Aufzucht von Ferkeln und Kälbern.

Die Meller Artillerievereinigung pflegte eine ständige Freundschaft mit der 2. Batterie des Artillerie-Regiments 42 in Bielefeld. Bei Kaffee und Kuchen begrüßte der Meller Vorsitzende, Landrat Hermann von der Forst, die jungen Kameraden. Danach wurde die Feldmütze mit dem Stahlhelm vertauscht, und es wurden Exerzierübungen am Geschütz vorgeführt. Anschließend fand ein gemütliches Beisammensein statt.

Wie am 1. August gemeldet wurde, erhielt der Gendarmerie-Hauptwachtmeister Beck aus Neuenkirchen die „Rettungsmedaille am Bande“. Er hatte beim Aufmarsch am 1. Mai auf dem Carl-Starcke-Platz ein durchgehendes Gespann aufgehalten und dabei selbst schwere Verletzungen erlitten.

Der Reichsluftschutzbund veranstaltete vom 14. bis 22. August eine große „Entrümpelungsaktion“. Alle Dachböden sollten von unnützen Gegenständen geräumt werden, im Interesse des Brandschutzes. Der Kreisgruppenvorsitzende, Lehrer Bruno Kersten, wies auf die große Bedeutung dieser Maßnahme hin. Die Stadtverwaltung Melle stellte drei Pferdegespanne zur Abfuhr bereit. Männer des Reichsarbeitsdienstes halfen beim Verladen. Die entrümpelten Gegenstände wurden der Altmaterialsammlung zugeführt. Ein Feuer brach am 12. August gegen acht Uhr in einem Fachwerkhaus an der Plettenberger Straße in Melle aus. In Brand geraten waren Reste von Bohnerwachs, die eine Frau in der Küche aufkochte. Auch der hölzerne Giebel fing Feuer. Hilfsbereite Nachbarn und die Feuerwehr konnten das Feuer bald löschen.

Vor 50 Jahren (1962)

In einer Samtgemeinderatssitzung in Gesmold führte Gesamtvorsteher Knollmeyer den neuen Samtgemeindedirektor Rudolf Kellersmann in sein Amt ein. Gesmold war nach Wellingholzhausen die zweite Samtgemeinde, die die Aufgaben der Gemeinden zentral verwaltete. Oberkreisdirektor Rolf Wandhoff sprach über die Aufgaben der Samtgemeinden und gratulierte dem neuen Samtgemeindedirektor. In Niedersachsen waren im vergangenen Monat 70 neue Samtgemeinden gebildet worden.

Der MGV „Sängerbund von 1895“ unter dem Vorsitz von Willy Schlattmann veranstaltete am 11. August im Kurgarten wieder das alljährliche „Fest der 10000 Lichter“ Die Lichtornamente und Tausende von Hindenburglichtern hatten viele Besucher angelockt. Für die Unterhaltung sorgten die Feuerwehrkapelle Gütersloh und der MGV „Sängerbund“.

Die Kreissparkasse Melle eröffnete am 17. August an der Plettenberger Straße/ Ecke Gesmolder Straße in Melle eine Hauptzweigstelle, weil die anhaltende Konjunktur eine bessere Kundenbetreuung erforderte. Die Leitung übernahm Sparkassenangestellter Günter Beinke.

Später wurde für die Zweigstelle ein Neubau errichtet, neben dem Textilhaus Wichmann, jetzt Brenner.

Der Mittelschulrektor Georg Lange wurde am 17. August in seiner Wohnung in den Ruhestand verabschiedet. Wegen einer schweren Krankheit hatte er schon seit dem Frühjahr keinen Dienst mehr versehen. Schulrat August Fryen dankte ihm für seine langjährigen treuen Dienste, im Beisein von Bürgermeister Johann Uttinger, Stadtdirektor Herbert Zeise und dem neuen Schulleiter, Rektor Dr. Werner Eitze.

Der Kaufmann Gerhard Kieselhorst, der ein Einzelhandelsgeschäft am Maschgarten betrieb, starb am 19. August im Alter von 87 Jahren. Er war von 1924 bis 1933 Bürgervorsteher und von 1946 bis 1956 Mitglied des Rates der Stadt Melle. Als SPD-Mitglied hatte er sich immer für das Wohl der Einwohner eingesetzt. In einem Nachruf wurde seiner ehrend gedacht.

35 Sänger und Sängerinnen des Gemischten Chores „Eintracht“ aus Hannover unter der Leitung von Otto Fuchs sollten am 20. August im Kurgarten Melle ein Konzert veranstalten. Das Konzert musste aber ausfallen, weil nur ein einziger Besucher gekommen war.

Die Mittelschullehrerin Hildegard Schürmann war nach einem Bericht vom 22. August 25 Jahre lang als Lehrerin tätig. Zu ihrem Jubiläum erhielt sie viel Dank und Anerkennung.

Vor 25 Jahren (1987)

Das Fachwerk-Ensemble im Grönenbergpark wurde nach einem Bericht vom 4. August um zwei Gebäude erweitert, um ein Backhaus aus dem 17. Jahrhundert und einen Kotten vom Bauernhof Voß in Neuenkirchen. Das Backhaus nutzte der Heimatverein zum Brotbacken, den Kotten die Landesturnschule als Seminarraum und Dienstwohnung.

Die besondere Bedeutung von Umweltfragen führte in der Stadt Melle zwar nicht zur Schaffung eines Umweltamtes, aber zur Berufung eines Umweltbeauftragten. Berufen wurde Bauamtsrat Hans Muhle, bisher schon Leiter des Tiefbauamtes.

Ein Feuerteufel trieb offenbar im Meller Raum wieder sein Unwesen. Am 12. August entstanden zwei Brände. Ein Großfeuer vernichtete nachts die Werkshallen der Firma Theiling, Gerätebau im Industriegebiet Gerden. An vier Stellen wurden Brandnester entdeckt. Noch während der Löscharbeiten brannte eine Holzhalle der benachbarten Zimmerei Matthias Schomöller. Hier war ein Lastkraftwagen angezündet worden.

Nach längerer Vakanzzeit wurde am 17. August der Oberstudiendirektor Ulrich Blankenfeld aus Bad Essen mit der Leitung des Gymnasiums Melle beauftragt. Die Einführung nahm Regierungsschuldirektor Pietsch vor. Ulrich Blankenfeld war bis zu seiner Pensionierung in Melle tätig und hatte sich um die Schule sehr verdient gemacht.

Bürgermeister Clemens Schwertmann empfing am 19. August im Sitzungssaal des Rathauses Alberta und Frank Toedebusch aus New Melle USA. Sie besuchten die Heimat ihrer Vorfahren und sprachen eine Einladung zum Besuch von New Melle aus. Dieser Besuch fand im Juni 1988 statt.

In der Nacht zum 19. August wurde gewaltsam in das Schulgebäude in Wellingholzhausen eingebrochen. Wie der Hausmeister Josef Lemme berichtete, hatten die Einbrecher wie Vandalen in den Räumen gehaust, Schränke und Schreibtische bei der Suche nach Bargeld aufgebrochen. Der Schaden wurde auf rd. 20000 DM geschätzt.Das seit 33 Jahren bestehende Medium-Terzett, dazu gehörten Lothar Nitsche, Helmut Niekamp und Wilfried Witte, wollte eine eigene Fernsehschau inszenieren. Sie sollte am 22. August erstmalig ausgestrahlt werden. Das Medium-Terzett war 1954 beim Feuerwehrfest in Melle erstmalig aufgetreten.

In der Nacht zu Sonntag, 23. August, gegen 5.30 Uhr brannte das Gebäude des Kindergartens Gutenbergstraße. Die Brandstifter schlugen eine Fensterscheibe zum Waschraum ein und legten an vier verschiedenen Stellen Feuer. Die Brandbekämpfung dauerte etwa drei Stunden. Der Schaden wurde auf annähernd 300000 DM geschätzt.


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