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Pankgrafen blieben recht friedlich

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Westerkappeln/Lengerich/Tecklenburg/Berlin (gab)
Der Chef nennt sich „Hochmeister“, im September ist Sauhatz und wenn die Vasallenstädte eine Fehde wollen, dann können sie sie haben. An diesem Wochenende sind rund 40 Pankgrafen und -gräfinnen aus Berlin zu Gast im Tecklenburger Land; mit ihnen wird das Mittelalter wieder lebendig.

„Die Pankgrafen haben ihre Ursprünge im 13. oder 14. Jahrhundert“, erläutert Hochmeister Olaf Gnaedig. „Wir setzen die Tradition dieses Ritterordens fort.“ Das Programm, so Gnaedig, laute „Wohltun, Freundschaft, Vaterland“. Man unterstütze Bedürftige, pflege Kontakte und achte das eigene Vaterland und das der anderen. Mit dem Tecklenburger Land pflegen die Pankgrafen seit langem Kontakte. „Seit 1968 ist Tecklenburg unsere Vasallenstadt“, so der Hochmeister. Weil der Orden dort schon einmal eine Eiche gepflanzt hatte, griff er dieses Mal zu Größerem und weihte feierlich die „Pankgrafenstiege“ ein. Bei aller Wohltätigkeit gibt es aber auch Situationen, in denen mit den Grafen „nicht gut Kirschen essen“ ist. So forderten sie 1996 von der Stadt Westerkappeln 500 Eisbeine zum Eigenverzehr. „Die Pankgrafen hatten die Tradition, Gold- und Silbertransporte zu begleiten und zu bewachen“, erläutert Gnaedig. „Für diese Arbeit haben sie natürlich auch ihren Sold gefordert.“ Von Konstantin Freiherr Heeremann auf der Surenburg hatten die Grafen zuvor problemlos ihre Naturalien erhalten.

In Westerkappeln allerdings war es mit dem Sold „Essig“, die Stadt hatte sich standhaft geweigert, die eisbeine herauszurücken. „Da haben wir die Stadt natürlich gestürmt“, meint der Hochmeister mit einem Schulterzucken. Die Stadt wurde eingenommen, der Bürgermeister in Ketten gelegt. Aber es gab ein Happy End: alle versöhnten sich, und die Pankgrafen hinterließen, wie es ihre Art ist, auch eine Spende. Partnervereinigungen des Ritterordens sind oft die Schützenvereine. Die Freunde stehen gerne zur Verfügung, wenn richtige Feinde gebraucht werden. Denn ein Ritter braucht ab und zu eine zünftige Fehde, vor allem, wenn sie in einer Fete endet. In diesem Jahr gab es allerdings keinerlei Heimsuchung des Tecklenburger Landes, die Pankgrafen waren friedlich. Von Donnerstag bis Sonntag besichtigten sie die Wassermühle Görtemöller in Velpe oder die Firma Dyckerhoff in Lengerich-Hohne, die gerade mit einem Aufwand von rund 240 Millionen Mark das modernste Zementwerk Europas baut. Am Freitag gab es einen Remterabend, so benannt nach dem Speisesaal in einer Burg, dem Remter. Gemeint ist ein opulentes Abendessen. Am morgigen Sonntag machen sich die Ritter wieder auf den Weg nach Hause. Dieses Mal ist alles gutgegangen, Westerkappeln und auch die übrigen Städte blieben verschont. Bis zur nächsten Eisbeinforderung dürfen sich die Stadtväter in Ruhe zurücklehnen.


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