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Kommentar: Man sieht alles und doch nichts

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Dem Mann auf Roy Lichtensteins Gemälde geht es wie dem großen Publikum, das mit staunend geöffnetem Mund den immer neuen Rekorderlösen von Kunstauktionen folgt. Man sieht alles und doch nichts. Zwischen lapidar einfachen Gemälden und schwindelerregend hohen Preisen, die für sie zu zahlen sind, klafft eine Lücke, die durch kein noch so genaues Hinschauen zu schließen ist.

Das galt unlängst für das Gemälde „Kerze“ von Gerhard Richter wie jetzt für ein Gemälde im Comic-Stil, mit dem der Pop-Art-Künstler Roy Lichtenstein berühmt wurde. Berühmtheit gewinnt im Kunsthandel fassbare Gestalt, dann nämlich, wenn Künstler zu wiedererkennbaren Marken avancieren. Marken signalisieren Preisniveaus – so unsinnig die Relation zwischen Millionenbeträgen und vergleichsweise unscheinbaren Kunstwerken auch zu sein scheint.

Allerdings funktioniert so nur das Spitzensegment der Auktionskunst. Kein Wunder. Das Investment in Hochpreiskunst verspricht jene Sicherheit, die in einer Welt der Finanz- und Währungskrisen zum knappsten aller Güter geworden ist. Kunst funktioniert: als Geldanlage wie als symbolische Währung von Weltgeltung. Doch was sagen Auktionsrekorde letztlich über die Qualität von Kunst? Richtig: rein gar nichts.


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