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Wie Alt-Nazis im Norden neue Karriere machten

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In den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges hatte sich die Elite der nationalsozialistischen Führung nach Schleswig-Holstein zurückgezogen. Die Nachfolgeregierung Hitlers unter Admiral Dönitz wurde im Mai 1945 in Flensburg festgenommen. Aber nicht nur die führenden Nazis zog es in den Norden...

Die sehenswerte Dokumentation von Wolfgang Mönninghoff und Niels Grevsen erzählt die Geschichte eines Bundeslandes, das erst 1989 damit begonnen hat, die Akten der Nazi-Zeit auszuwerten, um die Vergangenheit aufzuarbeiten. Die Filmemacher schildern, wie Massenmörder, NS-Juristen und andere in den 50er Jahren unbehelligt wieder erfolgreiche Laufbahnen einschlugen. Das Land, in dem die NSDAP schon bei der Reichstagswahl 1932 rund 53 Prozent der Stimmen verbuchen konnte, erschien den vom Führer verlassenen und auf sich allein gestellten Alt-Nazis als äußerst sympathisch.

Alte Seilschaften und ein Netzwerk, dass sich ehemalige Nazis in Verwaltung, Bildung und Justiz aufgebaut hatten, verschafften Mördern und Verbrechern neue Identitäten und einen Einstieg in ein Nachkriegsdeutschland, das an der Seite der westlichen Staaten gegen den alten Feind Sowjetunion stehen sollte. Die alten Kameraden hielten zusammen, so gut es ging. Sie schacherten sich gegenseitig Persilscheine zu und kämpften gemeinsam gegen ,,Nestbeschmutzer".

Einer dieser ,,Nestbeschmutzer" war der ehemalige ,,Spiegel"-Redakteur Rudolf Asmus. Schleswig-Holstein sei in den 50er Jahren eine ,,stark angebräunte Provinz" gewesen, sagt er. Er weiß, wovon er spricht: Asmus deckte den Skandal um den gesuchten NS-Massenmörder Werner Heyde auf, der unter falschen Namen in Flensburg lebte und als medizinischer Gerichtsgutachter arbeitete. Dessen wahre Identität war unter Kollegen ein offenes Geheimnis. Aber - man hatte Angst, selbst in einen Prozess hineingezogen zu werden. Also deckte man sich gegenseitig - war ja Ehrensache.

Für NS-Opfer waren die Karrieren der unbehelligten Alt-Nazis blanker Hohn. Bisweilen kam es zu absurden Situationen, wie sie Wolfgang Staudte in seinem Film ,,Rosen für den Staatsanwalt" erzählt hat. Dort trifft Walter Giller einen Oberstaatsanwalt, der ihn in den letzten Tagen des Krieges wegen einer Lappalie zum Tode verurteilt hat und nun fürchtet, dass seine Rolle im Dritten Reich aufgedeckt wird.


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