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Neuer Glaube in alter Kirche

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Hoher geistlicher Besuch hat sich für Sonntag in der Dodesheide angekündigt: Erwartet wird der rum-orthodoxe Metropolit Youhanna Yazigi. Er wird die neue Kirche der Osnabrücker Glaubensgemeinschaft mit dem komplizierten Namen „griechisch-orthodoxe Kirchengemeinde von Antiochien Heilige Mutter Gottes Maria“ weihen.

Neu trifft es dabei aus zwei Gründen eigentlich nicht ganz genau. Grund eins: Die Kirche, die jetzt den Namen „Heilige Mutter Gottes Maria“ trägt, hieß einst Erlöserkirche und war eines der Gotteshäuser der evangelisch-reformierten Gemeinde Osnabrück. Im Januar 2008 räumten die Reformierten die Kirche und das Gemeindehaus.

Da traf es sich gut, dass die rum-orthodoxe Kirchengemeinde Osnabrück mangels geeigneter Räume seit Jahren in katholischen Kirchen ihre Gottesdienste abgehalten hatte. Die als Verein organisierte Gemeinde kam in Kontakt mit der evangelischen Stiftung, die sich um die Verpachtung der Kirche an der Lerchenstraße kümmerte. Und schon war ein neuer Mieter beziehungsweise ein neuer Glaube für das alte Gotteshaus gefunden.

Das ist schon ein wenig länger her, und da liegt der zweite Grund, warum es eigentlich falsch ist, von einer neuen Kirche zu sprechen. Das Gotteshaus ist bislang noch nicht geweiht worden. Erzbischof Yazigi, zuständig für West- und Mitteleuropa, fand einfach keinen Platz in seinem Terminkalender, um sich um den Osnabrücker Ableger der Konfession zu kümmern. Gottesdienste feiern die Hasestädter, die aus der Türkei, dem Libanon, Syrien oder Griechenland stammen, seit anderthalb Jahren trotzdem in der Dodesheide.

Doch Sonntag soll das Ganze dann auch im wahrsten Wortsinn abgesegnet werden. Um 11 Uhr reist der Metropolit, der seinen Sitz in Köln sowie Paris hat, nach Osnabrück und wird ab 11 Uhr einen mehrstündigen Gottesdienst leiten. „Es wird eng“, kündigt Michael Tebkas, zweiter Vorsitzender des Gemeinde-Vereins, an. Platz bietet der achteckige Kirchenraum für gut 120 Leute. Aber allein die Gemeinde besteht bereits aus 52 Familien. Hinzu kommen die Vertreter der 19 rum-orthodoxen Kirchengemeinden in Deutschland, die ebenfalls an dem Gottesdienst teilnehmen.

Sitzen werden die Gäste dabei auf Bänken, die einst den Kirchgängern der Piusgemeinde Platz boten. Die stifteten nämlich die Sitzgelegenheiten. Ungewohnt für Protestanden wie für Katholiken sind die zahlreichen und vor allem bunten Bilder von Ikonen, die den Kirchenraum jetzt prägen.

Und wer genau hinguckt, der erkennt, dass die Kirche über zwei Taufbecken verfügt. Der Grund ist ganz einfach, wie ein Gemeindemitglied verrät. Das Taufbecken der evangelisch-reformierten Gemeinde war für die Zwecke der rum-orthodoxen Gemeinde schlichtweg zu flach. Zusätzlich wurde eine wesentlich tiefere Variante angeschafft, weil die Babys bei Taufen traditionsgemäß mit dem ganzen Körper eingetaucht werden.


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