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Toni Turek - Vom Schicksal geschlagen

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Der 50. Jahrestag des „Wunders von Bern“ – später Anlass und höchste Zeit für Düsseldorf und die Fortuna, das Andenken des fast vergessenen Toni Turek aufzupolieren. Im Stadtteil Unterrath wurde eine Stichstraße mit Wendehammer nach dem Torwart der Weltmeister-Elf benannt. Die Bezirksvertretung hatte mit der Namensgebung einer Anregung der Rheinbahn entsprochen, deren leitender Angestellter der legendäre Torwart 27 Jahre lang war. Dem Anschub durch die Düsseldorfer Straßenbahn verdankt der vor zwanzig Jahren verstorbene Fortuna-Torhüter sein spätes, bescheidenes Denkmal. Schon vor Jahren wurde im Norden der Stadt eine Straße nach dem Football-Team Rhein Fire benannt...

Das Fortuna-Stadion Flinger Broich nach ihm zu benennen, wäre dem Andenken Toni Tureks würdig und seinem Ruhm gerecht gewesen. Über 200000 Menschen hatten ihm bei der Heimkehr vom Berner Triumph in Düsseldorf einen begeisternden Empfang bereitet und alle Rosenmontagszüge in den Schatten gestellt. In einer Umfrage zum Millennium rangierte Toni Turek unter den „Düsseldorfern des Jahrhunderts“ immerhin an zwölfter Stelle hinter Größen wie Konrad Henkel, Lore Lorentz, Gustaf Gründgens oder Heino. Im Bewusstsein der Öffentlichkeit war Toni Turek doch nicht ganz vergessen.

Doch Paul Janes, der zwischen 1932 und 1942 71-mal für Deutschland verteidigte, aber kein Weltmeister geschweige denn ein nationaler Volksheld war, erhielt den Vorzug. Im Paul-Janes-Stadion findet nun am 17. Juli ein Toni-Turek-Turnier statt. Als hätten sie ein schlechtes Gewissen, entwickelten Stadt und Fortuna Gedenkaktivitäten. Denn nichts, nicht einmal ein Foto, erinnert im Paul-Janes-Stadions an jenen Teufelskerl, dem der Rundfunkreporter Herbert Zimmermann einst mit seiner Geschichte gewordenen Lobpreisung ein akustisches Denkmal gesetzt hatte: „Toni, du bist ein Fußballgott.“

Es waren erschütternde Schicksalsschläge, die Toni Turek nach dem Ende seiner Laufbahn in die Schlagzeilen brachten. Eines morgens im September 1973 wollte er aufstehen und konnte nicht mehr; über Nacht war er gelähmt von der Mitte des Körpers bis in die Zehenspitzen. Der Mann schien verloren. Lahm lag er im Krankenhaus. Komplikationen kamen hinzu. Blutübertragungen, vier Lungenembolien, Milz herausgenommen, ein Stück vom Magen weg, zwei Monate Intensivstation, abgemagert von 180 Pfund auf 90.

Wenn er drei Jahre später, halbwegs genesen, wieder am Stock gehen konnte, verdankte Toni Turek die halbe Heilung neben der Hilfe seiner unermüdlichen Frau Wilhelmine auch jener Männer-Gemeinschaft von 1954. „Die Kameraden haben mir immer Mut gemacht“, bedankte sich Turek, und die Anteilnahme der Mannschaft und des Trainers erinnerte ihn daran, „wie schön es damals war, dieses Zusammenleben mit den Kameraden und Herberger“.

Turek hatte noch einen langen Leidensweg an Krücken und im Rollstuhl vor sich. Herz- und Gallenoperationen folgten. Nach einem Schlaganfall starb Toni Turek mit nur 65 Jahren am 11. Mai 1984. Auch sein Grab im Friedhof Lindenheide in Mettmann ist keine Gedenkstätte an einen Fußball-Weltmeister. Auf der Granittafel des bescheidenen Urnengrabes steht kein Anton und kein Toni, kein Geburtsdatum (18. 1. 1919) und kein Todestag, schon gar nicht „Held von Bern“, nur schlicht und einfach Turek.


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