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Wo „Kriminalbiologen“ forschten

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Weil er nicht zur Hitler-Jugend wollte, schickten die Nationalsozialisten Walter Herda im Alter von 15 Jahren in das Jugend-Konzentrationslager in Moringen (Kreis Northeim). Mit den anderen Gefangenen dort musste er Zwangsarbeit beim Bau einer Autobahn, in einer Sackfabrik und einer unterirdischen Munitionsfabrik im Solling leisten. Wer nicht spurte, erinnert sich Herda, musste stundenlang wie eine Spinne auf dem Rücken über ein Feld krabbeln. Die Häftlinge wurden geschlagen, gefoltert, viele auch erschossen.

Mitten im beschaulichen Moringen hatten die Nationalsozialisten drei Konzentrationslager errichtet – je eines für Frauen, für Männer und für Jugendliche. Im Männer-KZ waren ab März 1933 rund 1000 politische Gefangene aus dem Raum Hannover und dem südlichen Niedersachsen inhaftiert, erzählt der Leiter der Moringer KZ- Gedenkstätte, Dietmar Sedlaczek – überwiegend Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter. Im November 1933 lösten die Nazis das Lager auf, die Gefangenen kamen in andere KZs oder wurden in „Polizeiaufsicht“ entlassen.

Das im selben Jahr errichtete Frauen-KZ war das zentrale Konzentrationslager für weibliche Häftlinge in Preußen. Neben politischen Gefangenen waren auch Prostituierte, Zeuginnen Jehovas und so genannte „Rassenschänderinnen“ in Moringen eingesperrt. Nach Angaben der KZ-Gedenkstätte lebten in dem Lager insgesamt 1350 Frauen. Das Frauen-KZ bestand bis Ende 1938.

Ins Moringer Jugend-KZ mussten von 1940 bis 1945 männliche Jugendliche zwischen zwölf und 22 Jahren aus dem gesamten Reichsgebiet und aus den von deutschen Truppen besetzten Ländern. „Wir wurden von der SS terrorisiert und litten Hunger“, erzählt Walter Herda. Ab 1941 versuchten „Kriminalbiologen“ der Nazis, durch Untersuchungen an den Häftlingen ihre These zu belegen, dass Kriminalität und „Asozialität“ erblich bedingt seien.

Anfang April 1945 wurden die rund 500 Häftlinge des Jugend-KZ auf einen Evakuierungsmarsch Richtung Harz geschickt. Walter Herda gelang dabei die Flucht. Am nächsten Wochenende kommt der heute 80-Jährige zu einem Treffen ehemaliger KZ-Häftlinge nach Moringen. Dann will Herda Schülern aus Moringen von seiner Haftzeit berichten.


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