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Eleganter Regisseur der VfL-Meisterelf

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Osnabrück (hp)
,,Wir brauchen keinen Seeler, wir brauchen keinen Held - wir haben Herbert Schröder, den besten Mann der Welt!'' So stand es vor 30 Jahren auf den Transparenten, mit denen die VfL-Fans die Osnabrücker Meisterhelden feierten. Und Herbert Schröder war einer der populärsten; ein brillanter Spielmacher, der mit verblüffender Leichtigkeit den legendären Sturm Mumme-Kaniber-Baumann dirigierte. Sein Name ist in Osnabrücker Fußballkreisen noch immer ein Begriff, und die Betroffenheit war groß, als sich die Nachricht von seinem Tod am vergangenen Wochenende verbreitete.

Herbert Schröder war das Gehirn der unvergesslichen Mannschaft, die 1968 mit dem 8:0 gegen Göttingen 05 die ,,goldenen Jahre'' einleitete. Mit leichtfüßiger Eleganz, ballsicher und torgefährlich, steuerte er den unbekümmerten Angriffsfußball, den der jugoslawische Trainer Radoslav Momirski spielen ließ. In 139 Punktspielen erzielte der eher schmächtige Instinktfußballer 42 Tore und bereitete mehr als doppelt so viele vor. Dreimal hintereinander holte der VfL mit Schröder die Nordmeisterschaft, scheiterte aber immer in der Aufstiegsrunde zur Bundesliga.

Die Eliteklasse hätte Schröder allein erreichen können, an Angeboten mangelte es nicht. Doch der aus Rahde bei Bremervörde stammende Junggeselle fühlte sich wohl im überschaubaren Osnabrück, wo er der Star einer Mannschaft war, die das nach miserablen VfL-Jahren ausgehungerte Publikum mit Begeisterung anhimmelte. Und so wurde Schröder nie gezwungen, sein Leistungspotenzial in vollem Umfang abzurufen. Als Herbert Schröder dann doch die Herausforderung lockte, machte er den größten Fehler seiner sportlichen Laufbahn.

,,Wäre ich bloß nie zu den Bayern gegangen'', sagte er noch Jahre nach seinem Wechsel nach München. Udo Lattek hatte den Osnabrücker Regisseur 1971 ins Bayern-Team geholt. Neben Franz Beckenbauer, Gerd Müller und Sepp Maier stand Schröder auf dem Mannschaftsfoto, doch als die Bayern der deutschen Meisterschaft entgegenstürmten, hatte Manager Robert Schwan ihn an Voest Linz abgeschoben. In der österreichischen Staatsliga fand Schröder nie seine alte Form, und noch vor seinem 30. Geburtstag spielte er wieder in Osnabrück - in der 2. Kreisklasse, wo der Versicherungskaufmann und spätere Basketball-Mäzen Peter Perwas mit viel Geld die dritte Mannschaft des VfR Voxtrup zu absurder Stärke aufgerüstet hatte.

Das war das Schlusskapitel einer Fußballerlaufbahn, die bei den Amateuren des SV Werder Bremen begonnen hatte. Als 21-Jähriger dirigierte Schröder 1966 die Amateurmannschaft der Grün-Weißen, die Deutscher Meister wurde und etliche Talente in ihren Reihen hatte. Doch weil keines von ihnen in der Bundesligamannschaft eine echte Chance bekam, zog ihr Trainer Hans-Wilhelm Loßmann mit dreien von ihnen weiter zum VfL - so kam Herbert Schröder zusammen mit Jürgen Ey und Carsten Baumann 1967 nach Osnabrück.

In den letzten Monaten sprach er oft über die Pläne zur Rückehr in die Stadt, die er alljährlich besuchte. In Osnabrück wollte Herbert Schröder seine Rente genießen; nur noch ein paar Jahre wollte er im kalifornischen Santa Monica das Teppichbodengeschäft betreiben, das er vor 18 Jahren mit seiner Schwester Karin an der amerikanischen Westküste aufgebaut hatte. Und auch die anstehende Herzklappenoperation konnte seine Zuversicht nicht trüben - immerhin hatte er einen ähnlichen Eingriff vor zehn Jahren gut überstanden.

Doch dann traten Komplikationen auf, gegen die ärztliche Kunst machtlos war. Herbert Schröder starb, sieben Monate vor seinem 55. Geburtstag, am 12. Mai in Los Angeles. Er wird in Kalifornien eingeäschert und in seinem Geburtsort Rahde beigesetzt. Schröder ist der zweite Spieler aus der Meisterelf von 1969, der nicht mehr lebt: Vor eineinhalb Jahren trauerten die VfL-Freunde um Torwart Andreas Burose.


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