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Die Zukunft gehört den Schafen

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In der Tiefe gärt der Müll aus drei Jahrzehnten, oben, in 160 Meter Höhe, weiden die Heidschnucken. Der Piesberg verändert sein Gesicht: Heute wird die letzte Fuhre Hausmüll auf der Deponie abgekippt. Die Zukunft gehört den Schafen.

Seit einer Woche knabbern die 200 Schwarzkopfschafe und Heidschnucken eines Ueffelner Schäfers die harten Grashalme auf den begrünten Deponieflächen. Eine hoffnungsfrohe Inszenierung des Abfallwirtschaftsbetriebes, so könnte man denken, als Abgesang auf die Deponie, in der jeder Bewohner von Stadt und Landkreis rechnerisch 17,5 Tonnen Müll versenkt hat. Aber nein, das zeitliche Zusammentreffen ist Zufall.

Die Schafe hat der Umwelttechniker Arthur Fritz zunächst versuchsweise auf den Piesberg geholt. In einer Bierlaune war ihm die Idee gekommen, bei einer Fortbildung mit Kollegen. Arthur Fritz reichte einen Verbesserungsvorschlag ein und überzeugte seinen Chef von der Idee. "Tierische Rasenmäher sind besser als Maschinen, fasst Willi Niggemann, der Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebes, zusammen, "auch bei betriebswirtschaftlicher Betrachtung".

Zehn Hektar begrünte Deponiefläche mussten bislang einmal im Jahr gemäht werden. Kostenpunkt: 15000 Euro wegen der steilen Böschungen. Demnächst sogar noch mehr, weil nach der Deponieschließung fünf weitere Hektar kurz gehalten werden müssen. Da lässt sich mit Schafen Geld sparen. Und der Schäfer kann sich über das kostenlose Futter freuen.

Sorgen um Schadstoffe im Gras muss er sich nicht machen. Denn der Müllkörper im Untergrund ist mit einer 2,5 mm dicken Folie abgedeckt, die an den Nahtstellen verschweißt wurde. Obendrauf liegt, einen halben Meter dick, zerkleinertes Abraummaterial vom Piesberg, aus dem Gräser, Wildblumen und Disteln wachsen.

Fast sechs Millionen Kubikmeter Müll haben Stadt und Landkreis Osnabrück seit dem 1. September 1976 in den großen Canyon gekippt, der vom Gesteinsabbau zurückgeblieben war. In diesem Bioreaktor sind die Zersetzungsprozesse noch lange nicht beendet. Deshalb wird es auf dem Müllkörper neben den friedlich weidenden Schafen auch weiterhin ein Netz von Methangasleitungen geben.

Pyes Ortsbürgermeister Josef Thöle sieht die Schafe auf den Rekultivierungsflächen als hoffnungsvolles Zeichen: "Das Ziel, den Piesberg zum Landschaftspark zu machen, nimmt damit sichtbare Züge an."


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