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Nachwuchstrainer in Schwartau Holger Kretschmer: In vielen Talenten erkenne ich mich selbst wieder

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<em>Zu seinen Erfolgen </em>zählt Holger Kretschmer (M.) auch die erfolgreiche Handballer-Laufbahn seine Söhne Finn (l.) und Nils Holger. Foto: Doris Leißing.Zu seinen Erfolgen zählt Holger Kretschmer (M.) auch die erfolgreiche Handballer-Laufbahn seine Söhne Finn (l.) und Nils Holger. Foto: Doris Leißing.

Timmendorf. „Jetzt passt es gerade nicht so gut. Ich habe einen wichtigen Pressetermin bei der IFA mit Jürgen Klopp.“ Holger Kretschmer ist ein viel beschäftigter Mann. Der ehemalige Haselünner Handballer findet aber auch als Marketingdirektor eines großen Unternehmens noch Zeit für seine Sportart. Er trainiert die Bundesliga-A-Junioren des VfL Bad Schwartau und betreut im 15. Jahr ein interessantes Handballprojekt in seinem schleswig-holsteinischen Wohnort Timmendorf.

Handball – das war und ist wesentlicher Lebensinhalt von Kretschmer. Die ganze Familie ist einbezogen. Zeitweise waren seine Frau Marion, eine ehemalige Regionalligaspielerin, sowie seine Söhne Nils Holger (jetzt Rhein-Neckar Löwen) und Finn, der in Bad Schwartau spielt, und Kretschmer selbst gemeinsam beim Training. Ein Familientreffen in der Sporthalle. „Wo gibt es das schon?“, lacht der 46-Jährige.

Ausgangspunkt von Kretschmers Karriere war Haselünne. In der Achtzigerjahren war die Hasestadt eine Handball-Hochburg für den Nachwuchs. „Die Familie Rosche hat sich sehr darum gekümmert“, erinnert sich Kretschmer etwa an „Jo“ und Jan-Dirk Rosche. Heinz Beelmann und Heinz Sasse übernahmen Verantwortung als Trainer und Ausbilder, dazu kam Betreuer Heinrich von Fugler. „Sie haben uns mit viel Leidenschaft das Handballspielen beigebracht“, sagt Kretschmer. Die Mannschaft von Haselünner Talenten stieg im März 1985 nach einem 22:18 gegen SFN Vechta in eigener Halle als Tabellenvierter in die Oberliga Nordsee, die höchste Jugendklasse, auf. 250 Zuschauer feierten sie minutenlang mit stehenden Ovationen. „Das war ein Jahrgang, der unbedingt Handball spielen wollte“, weiß Kretschmer, der einen kurzen Weg zur Halle hatte. Christoph Möller, der noch in Haselünne als Trainer engagiert ist, verweist auf die damals gute Jugendarbeit beim Haselünner SV. Torwart Friedrich Berentzen, Frank Kretschmann, Gerald von Fugler, Reiner Freese, Ulrich Beier, Christoph Hünermann, Thomas Ströer sind einige Spieler jener Tage. Namen machten sich auch Manfred Steinadler, Berni Schulte-Brümmer, Günter Schmitz, Holger Beelmann (HSG Nordhorn) und Holger Nieters. Möller erinnert sich daran, dass Kretschmers Talent eher zufällig entdeckt wurde: Er fiel bei einem Vorbereitungsspiel der Emsländer gegen die Niedersachsenauswahl auf.

Etliche Haselünner Talente fanden ihren Weg in höheren Ligen. Kretschmer zog es zum SC Göttingen 05, VfL Hameln, VfL Bad Schwartau und GWD Minden. Danach war er in der 3. Liga für Burgdorf aktiv. Gespielt hat er auf nahezu allen Positionen. „Ich war ein klassischer Allrounder.“ Weil er so vielseitig war, hatte er lange Einsatzzeiten. Begonnen hatte Kretschmer in der Rückraummitte. Einen Namen hat er sich als Kämpfertyp gemacht. Seine eigenen größten sportlichen Erfolge: „Ich bin mit Bad Schwartau und Minden in die Bundesliga aufgestiegen und dringeblieben. Ich galt als unabsteigbar.“

Zu seinen Erfolgen rechnet Kretschmer auch die Handballerlaufbahn seiner Söhne, die beide im Magdeburger Internat ausgebildet wurden. Der 19-jährige Nils, mit 56 Treffern Torschützenkönig beim Rookie-Cup, wechselte zu den Rhein-Neckar Löwen. Der 18-jährige Finn spielt bei Kretschmers A-Junioren. Beide standen im vergangenen Jahr bei der HSG Nordhorn-Lingen im Team des VfL Bad Schwartau.

Als besondere Erfolgsgeschichte wertet Holger Kretschmer das von ihm entwickelte Timmendorfer Handballkonzept. Danach trainieren 50 Top-Handballtalente der Jahrgänge 1993 bis 1996 aus den Vereinen Lübeck 76, TuS Ratekau, NTSV Strand 08 und VfL Bad Schwartau zwar in verschiedenen Klubs, aber nach einheitlichem Konzept. „Das Vereinsdenken ist überwunden. Alle Spieler haben zwei Vereinsmitgliedschaften“, sagt der A-Lizenz-Inhaber. Es gehe darum, möglichst vielen Spielern die Chance zu geben, möglichst weit oben anzukommen. „Sie können sich bei uns nachhaltig entwickeln“, sagt Kretschmer, der eine Reihe von Sponsoren gefunden hat. Die Crème der Talente spielt in der Schwartauer A-Jugend, ein von nur zwei Nicht-Internatsteams in der 1. Bundesliga Ost. „In vielen erkenne ich mich selbst wieder“, schließt sich für den vom Handballtalent zum Trainer gereiften Initiator und Ideengeber ein Kreis. Am Sonntag startet seinTeam gegen HSG Freiberg in die Saison. Deswegen wird er nicht beim Spiel der Zweitligamannschaft von Bad Schwartau bei der HSG Nordhorn-Lingen sein.

Für Holger Kretschmer heißt es nach der Arbeit täglich: ab zum Training. Das fällt ihm leicht. „Wenn ich nach Timmendorf zurückfahre, dann ist das wie Urlaub.“ Vielleicht muss er noch einen Abstecher nach Dortmund machen. Denn beim IFA-Termin ließ sich Klopp nicht wie geplant von Kretschmer rasieren. Stattdessen fielen die Bartstoppeln des Handballers. Schlagfertig bot der gebürtige Emsländer an: „Dann übernehme ich jetzt mal Dortmund.“ Zuzutrauen wäre es ihm. Angesteckt vom begeisterungsfähigen Kretschmer, würden die Borussen vermutlich bald in der Handball-Bundesliga spielen...


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