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Open Air mit Regengüssen nur beim Bühnenumbau

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Richtig: Das Open Air auf dem Gelände der Varus-Schlacht fiel durchaus in eine Schlechtwetter-Phase. Jedoch hatte jemand auf wunderbare Weise dafür gesorgt, dass sich die heftigen Regenschauer ausschließlich in den Umbaupausen zwischen den auftretenden Bands auf das Areal ergossen.

So konnte das Publikum den nachträglich ins Programm gehievten Bernd Begemann mitsamt seiner Begleitband Die Befreiung noch im schönsten Sonnenschein erleben. Da stand der Lyrikrocker im hellen Anzug und sang „Es wird noch ein sehr schöner Tag werden“. Davon waren viele Fans überzeugt, die wegen Fury In The Slaughterhouse und Toto auf das Gelände pilgerten. Allerdings kam Begemanns schnoddrige Art bei einigen Zuschauern nicht so gut an. Statt konzentriert zuzuhören nutzen viele die Chance zum Ausprobieren der Angebote an verschiedenen Ess- und Trinkbuden.

Dann: Abgang Begemann – Wolkenbruch ... die Erste. Während die Bühne für Heather Nova umgebaut wurde, hüllte sich das Publikum in Friesennerze und Cellophanplanen. Als die blonde Sängerin mit der engelsgleichen Stimme allerdings die Bühne betrat, lachte nicht nur die Sonne. Offenbar waren auch viele Fans wegen Heather angereist, denn trotz der eher ruhigen Darbietung wurde sie begeistert empfangen.

In Glen Scott hat die in der Karibik aufgewachsene Musikerin einen Keyboarder gefunden, der sie auf hervorragende Weise mit einer zweiten Stimme versorgt. Die Mischung aus empfindsamen Balladen und flotteren Popsongs ließ bei vielen Zuschauern das Herz höher schlagen, während Sohn Sebastian (5 Monate) unter Aufsicht von Papa im Varusmuseum die Songs seiner Mama begutachtete.

Dann: Abgang Heather Nova – Wolkenbruch ... die Zweite. Bevor Fury In The Slaughterhouse ihre Instrumente zur Hand nahmen, öffnete sich die Wolkendecke allerdings wieder, und ein Regenbogen entfaltete seine Pracht über dem Gelände: Offenbar ein gutes Omen, denn von jetzt an sollte es trocken bleiben, so dass Fury unbeeinträchtigt das Schlachtfeld rocken konnte. Die Hannoveraner verstehen es immer noch, mit ihren Fans eine gute Party zu feiern.

Aktuelle Songs vom frischen Fury-Album „Nimby“ sowie diverse Evergreens wie „Won‘t Forget These Days“ oder „When I‘m Dead And Gone“ wechselten sich ab, bis auf beiden Seiten der Bühnenkante getanzt wurde. Ein ausgiebiger Zugabenblock durfte es schließlich auch noch sein, in dem die Gebrüder Wingenfelder und ihren Kollegen natürlich die Hymne „Time To Wonder“ unterbrachten.

Mit der nächsten Show wurde gewartet, bis es dunkel war. Denn eine amerikanische Band wie Toto, die auch auf optisch perfekte Inszenierung wert legt, kann ihr Lichtdesign nur bei Dunkelheit zur Geltung bringen. Dann waren sie auch schon zu hören, die berühmten Töne, die Steve Lukather seiner Gitarre entlockt. Die Saitenkoryphäe ließ keine Chance verstreichen, seine exzellenten Fähigkeiten zu präsentieren. Luke erweist sich immer mehr als Intendant des Unternehmens Toto. Er gibt den Ton an, singt zum Teil selbst, während Bobby Kimball in die zweite Mikrofon-Reihe tritt.

Faszinierend der Motor der Band: Ausnahmeschlagzeuger Simon Phillips und Bassist Jeff Porcaro legten das ideale Fundament für die markanten Melodien der anderen. Urmitglied David Paich war leider aus familiären Gründen zu Hause geblieben, aber Keyboarder Greg Phillinganes erwies sich als (fast) perfekter Ersatz. Sogar Paichs Gesangspart beim Klassiker „Africa“ übernahm er tadellos. Ausgiebige Soli setzen ihn sowie Steve Lukather und Mr. Double-Bass-Drum Simon Philipps ins rechte Licht, bis nach „Rosannna“ und „Hold The Line“ ein Feuerwerk das erste Varus-Open-Air wirkungsvoll beendete.

Im nächsten Jahr sollte jemand den Regen ganz abbestellen, denn das Gelände der Varusschlacht eignet sich ausgezeichnet für ein solches Freiluftfestival.


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