zuletzt aktualisiert vor

Wener Kohlmeyer - Ein Kumpel ohne Halt

Meine Nachrichten

Um das Thema Vermischtes Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

An Werner Kohlmeyer erinnert nicht mal ein Grabstein. Die Urnengrabstätte 60 auf dem Feld 26 des Kaiserlauterner Hauptfriedhofs wurde vor Jahren eingeebnet. Der linke Verteidiger der Berner Wunderelf ist seit dreißig Jahren tot. Am Kauf des Grabes über die Vierteljahrhundertfrist hinaus hatte niemand Interesse. "Kohli", wie er genannt wurde, ist vergessen.

Im Geschäftsbereich auf dem Betzenberg hängen zwar die Porträts sämtlicher Präsidenten und Trainer des 1. FC Kaiserslautern. Den Weltmeister aber entdeckt man nur auf den Meisterfotos von 1951 und 1953. Über dem Toto-Lotto-Laden in der Richard-Wagner-Straße in Kaiserslautern steht zwar „Werner Kohlmeyer“. „Der Name hat aber nichts mit meinem Vater zu tun“, betont der 56-jährige Sohn, „ich heiße auch Werner.“ Der Junior legt Wert darauf, das Geschäft von der Mutter übernommen zu haben. Das Verhältnis zum Vater nennt er „schwierig und zwiespältig“. Die Ehe wurde geschieden, der Vater verfiel dem Alkohol.

Auch in Sönke Wortmanns Film „Das Wunder von Bern“ bleibt nichts von einem Vermächtnis des 22-maligen Nationalspielers übrig. Seine Heldentat auf der Linie, mit der der „Mordskerl“ (Rundfunkreporter Herbert Zimmermann) das dritte Tor der Ungarn verhinderte, wird nicht gezeigt.

Die alten Kameraden von Bern und vom Betzenberg wissen nicht genau, wo Werner Kohlmeyer begraben lag. „In Mainz. Ich war selbst auf der Beerdigung“, behauptet Mannschaftskamerad Helmut Rasch. Das stimmt insofern, als die Trauerfeier auf dem Mainzer Hauptfriedhof stattfand, die Urne aber nach Kaiserslautern überführt wurde. Kohlmeyer war am 26. März 1974, dreieinhalb Wochen vor seinem 50. Geburtstag, an einem Herzinfarkt in Mainz-Mombach gestorben.

Die Trauerfeier zwei Tage später fiel auf Sepp Herbergers 77. Geburtstag. Man könnte fast von einer Gnade des frühen Todes sprechen: Bis auf den schwer erkrankten Toni Turek und Jupp Posipal waren unter den fast tausend Trauergästen alle Berner Weltmeister zum Abschied erschienen. Natürlich auch Herberger. Am Sarg sprach der Bundestrainer den sportlichen Nachruf: „Der DFB und die Nationalmannschaft verlieren einen der besten Spieler. Doch er war nicht nur ein großartiger Fußballer, sondern auch ein hilfsbereiter und zuverlässiger Kamerad.“

Sieben Jahre zuvor hatte bei der Feier zu Sepp Herbergers 70. Geburtstag Werner Kohlmeyer als einziger Weltmeister gefehlt. Er sei nicht eingeladen gewesen, ist die eine Version; er sei nicht aufzufinden gewesen, die andere. Kohlmeyer führte das Leben eines Clochards. Der Journalist Ulfert Schröder schrieb nach einem Besuch ein Jahr vor Kohlmeyers Tod in einer Reportage: „Gäbe es in Kaiserslautern so viele Brücken wie in Paris, Werner Kohlmeyer hätte damals unter den Brücken von Kaiserslautern geschlafen. Die Mühle des Vergessens hat Kohlmeyers Ruhm zermahlen.“ Der ehemalige Lohnbuchhalter fand erst 13 Jahre nach dem Triumph von Bern wieder Boden unter den Füßen, zunächst als Hilfsarbeiter auf dem Bau, dann als Pförtner der Mainzer Verlagsanstalt.

In der Pförtnerbude des Zeitungshauses hatte Kohlmeyer dem Journalisten Schröder von seinem Schicksal erzählt: „Alles, was nach der Weltmeisterschaft kam, war wie ein einziges verlorenes Wochenende. Früher hat man mir freigegeben, damit ich Weltmeister werde. Jetzt bin ich Weltmeister, aber ihr gebt mir nicht mehr frei. Hätte ich doch nie im Leben Fußball gespielt...“

Zuletzt hatte Kohlmeyer beim SV Morlautern gespielt. In dem Vorort Kaiserslauterns bleibt sein Vermächtnis bewahrt. Hier fand von 1976 bis 2002 alle zwei Jahre das internationale Werner-Kohlmeyer-Gedächtnis-Turnier statt. Im Berner Jubiläumsjahr fällt die Jugendveranstaltung wegen Umbaus des Sportplatzes allerdings aus. Aber 2005, verspricht der Vorsitzende und ehemalige Mitspieler Helmut Rieder, werde „zum Andenken an den prächtigen Sportkameraden Werner Kohlmeyer“ in Morlautern wieder gespielt.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN