zuletzt aktualisiert vor

Als der Affe Tarzans Frau die Perücke stahl

Meine Nachrichten

Um das Thema Vermischtes Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Arno Butterweck? Nie gehört. Dabei schrieb der ZDF-Chauffeur Fernsehgeschichte, als ihm am 1. April 1967 im ,,Aktuellen Sportstudio“ zur Verblüffung des TV-Publikums das Kunststück gelang, alle sechs Schüsse auf die legendäre Torwand ,,mit traumwandlerischer Sicherheit“ zu versenken. Nachzulesen ist das in Dieter Kürtens jetzt erschienener Autobiographie ,,Drei unten, drei oben“ (Rowohlt-Verlag, 19,90 Euro) – nur eine von vielen Anekdoten aus einem langen Leben als TV-Journalist, das der 68-jährige auf 350 Seiten ausbreitet.

Kürten ist ein ZDF-Urgestein: Er war von der Gründung des Senders 1963 bis zu seinem Ausscheiden vor drei Jahren einer der beliebtesten Sportreporter und Moderatoren des Zweiten. Rund 400 Mal und damit so oft wie kein anderer moderierte der stets verbindliche Duisburger ab 1967 das ,,Sportstudio“. Außerdem berichtete er von zahlreichen Fußball-Weltmeisterschaften, Olympischen Spielen und anderen sportlichen Großveranstaltungen.

Wenn man sich an den vielen Floskeln (,,So weit, so gut“, ,,Woher nehmen, wenn nicht stehlen“) und der ein oder anderen ungelenken Formulierung (,,Es ist das Gesamtpaket, das attraktiv ist“) nicht stört, ist Kürtens Buch ein durchaus amüsanter Streifzug durch vier Jahrzehnte Fernsehgeschichte. Im Mittelpunkt steht dabei natürlich das ,,Aktuelle Sportstudio“, das seit einigen Jahren ,,ZDF Sportstudio“ heißt – jene TV-Institution, die in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag feiert und sämtliche Moden der Sportberichterstattung im Fernsehen weitgehend unverändert überlebt hat.

Für Kürten wurde die Sendung zur Lebensaufgabe. ,,Mr. Sportstudio“ erzählt, wie er beim Einstellungsgespräch 1963 von seinem künftigen Chef Wim Thoelke über Fußball, Boxen, Reitsport und Leichtathletik abgefragt wurde, und dass der von Kürten im Grunde hochgeschätzte Thoelke (,,ein Tausendsassa“) die anmaßende Angewohnheit hatte, seine Redakteure zum Zigaretten kaufen zu schicken – was mit der Zeit den Geldbeutel der Journalisten strapazierte, weil der kettenrauchende Vorgesetzte die Auslagen für die Kippen oft nicht ersetzte.

Schön auch die Geschichten über einige Sportler oder Übungsleiter, mit denen Kürten zu tun hatte, etwa der als ,,Kampftrinker“ und ,,bekennender Schluckspecht“ beschriebene Fußballcoach Udo Lattek, Nationaltrainer Helmut Schön (,,Schöngeist mit Schiebermütze“) oder Franz Beckenbauer, von dem sich Kürten seit den siebziger Jahren ganz einfach ,,Burschi“ nennen lässt.

Richtig böse wird Kürten in seiner Autobiographie jedoch fast nie – nur die diversen Fußballtrainer, mit denen er gemeinsam Länderspiele kommentierte, bekommen ihr Fett weg: ,,Ihre Hauptaufgabe war es eigentlich, Tacheles zu reden. Doch wenn es ans Eingemachte ging, agierten meine Co-Kommentatoren unerwartet zahm und moderat – von Klartext keine Rede.“

Nicht fehlen darf natürlich auch ein Unterkapitel über Kürtens denkwürdigsten ,,Sportstudio“-Auftritt 1971, als ein Schimpanse der Frau von US-Schwimmstar und Tarzan-Darsteller Johnny Weissmuller die Perücke vom Kopf riss. Kürten verrät auch, warum Maria Weissmuller so abgeklärt reagierte und sich das Haarteil ungerührt einfach wieder auf den Kopf stülpte: Die Dame hatte sich vor dem Auftritt vier doppelte Cognacs hinter die Binde gegossen.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN