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Henckel von Donnersmarck schließt an die Tradition der Deutschen in Hollywood an Gastarbeiter in der Traumfabrik

Von dpa

Vorzugsbesetzung: In seinem zweiten Film dreht Henckel von Donnersmarck mit Johnny Depp und Angelina Jolie.Foto: SonyVorzugsbesetzung: In seinem zweiten Film dreht Henckel von Donnersmarck mit Johnny Depp und Angelina Jolie.Foto: Sony

Los Angeles. Angelina Jolie schwärmt von ihrem „großartigen Regisseur“ – und meint den Deutschen Florian Henckel von Donnersmarck, mit dem sie gerade die Thriller-Romanze „The Tourist“ gedreht hat. Sie wollte einen Filmemacher, der dem Stoff „eine europäische Eleganz“ verleihen könne, sagt sie, niemand anderen als den 37-jährigen gebürtigen Kölner, dessen Erstlingsfilm „Das Leben der Anderen“ Jolie begeistert hatte.

Der Oscar in der Sparte „Bester nicht englischsprachiger Film“, den sich Donnersmarck 2007 mit seinem Stasi-Drama holte, ebnete seinen Weg nach Hollywood. Jolie öffnete die Türen für eine Starbesetzung und ein großes Budget. In „The Tourist“ spielt sie erstmals gemeinsam mit Johnny Depp. Er spielt einen amerikanischen Touristen, der von einer mysteriösen Agentin zur Verbrecherjagd eingespannt wird. Am 14. Dezember feiert der Film in Berlin seine Europapremiere.

Den zweiten Kinofilm gleich in Amerika zu drehen ist ein rasanter Karrierestart. Mit „The Tourist“ könnte Donnersmarck schnell zu Roland Emmerich und Wolfgang Petersen in die Riege der deutschen Hollywoodregisseure aufsteigen.

Acht Oscar-Nominierungen für „Das Boot“ (1982) ermöglichten Petersen eine Karriere mit Leinwandspektakeln in Serie: „In the Line of Fire“, „Outbreak“, „Air Force One“, „Troja“. Seit Mitte der 90er-Jahre genießt Petersen das Privileg des „final cut“ und entscheidet somit als einer der wenigen Regisseure Hollywoods über die Schnittfassung seiner Filme. Mit „Poseidon“ (2006) musste er allerdings einen Flop an den US-Kinokassen hinnehmen.

Als Roland Emmerich 1995 mit dem Science-Fiction-Hit „Stargate“ in Hollywood Fuß fasste, sagte der damals 39-jährige Schwabe: „Ich bin von Natur aus ein äußerst sparsamer Mensch. Es ist schon ungewohnt, wenn man plötzlich auf einem Projekt sitzt, das mehr als 50 Millionen Dollar kostet.“ Danach füllte er mit teuren Special-Effects-Werken wie „Independence Day“, „The Day after Tomorrow“ und „2012“ Kinos und Kassen. Mit seinem Shakespeare-Film „Anonymous“, der 2011 anläuft, machte er nun eine Kehrtwende. Den 30-Millionen-Dollar-Film drehte Emmerich komplett im Studio Babelsberg in Potsdam.

Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) hatte weniger Glück mit dem Hollywooddebüt. „The Visiting“ floppte trotz Nicole Kidman und Daniel Craig. Auch sein deutscher Kollege Mennan Yapo („Lautlos“) fiel beim US-Debüt durch. Auch Sandra Bullock rettete den Mystery-Thriller „Die Vorahnung“ nicht. Mäßige Kritiken steckte auch sein deutscher Kollege Robert Schwentke für die Hollywood-Produktionen „Die Frau des Zeitreisenden“ und den Thriller „Flightplan – Ohne jede Spur“ ein. Erst für „R.E.D. – Älter. härter. besser“ mit Bruce Willis gab es Lob.

Dutzende von Regisseuren aus Deutschland und Österreich haben Hollywood geprägt, angefangen bei Erich von Stroheim, Josef von Sternberg, Ernst Lubitsch, F.W. Murnau, Fred Zinnemann, Billy Wilder und Fritz Lang. In den 1980er-Jahren folgten Wim Wenders („Paris, Texas“) und Uli Edel („Letzte Ausfahrt Brooklyn“). Auch Werner Herzog Percy Adlon („Out of Rosenheim“) zog Ende der 1980er Jahre von München nach Los Angeles um, dreht aber meistens in seiner Heimat, ohne Dollarspritze von den großen Hollywoodstudios.kann sein Arthouse-Kino mit US-Stars realisieren. Und der Mainzer Trash-Star Uwe Boll sahnt in den USA mit Videospiel-Verfilmungen wie „Bloodrayne“ und „ Dungeon Siege“ Millionen ab. Entsprechend gelassen konnte er sich geben, als er im vorigen Jahr mit der „Goldenen Himbeere“ für das „schlechteste bisherige Lebenswerk“ ausgezeichnet wurde.