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Nur ein Dratumer Windrad stillgelegt und abgezäunt

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Die von der Landkreisverwaltung nach einem Rotorabriss in Voltlage verfügte Stilllegung von neun baugleichen Windkraftanlagen (wir berichteten) betrifft nur eines in Gesmold-Dratum. Die Rotoren an den je zwei Windrädern in Bennien und Westendorf sowie an einem in Dratum gehören dagegen nicht zu den vom Verbot betroffenen Baureihen, erklärte Reiner Borgmeyer, Geschäftsführer der Region Regenerativ Melle.

Viele wunderten sich in den letzten beiden Wochen über die sich trotz vermeintlichen Verbotes munter drehenden Flügel, da sie zu identisch aussehenden Anlagen gehören. Das Verbot erstreckt sich im Grönegau aber tatsächlich nur auf die eine Anlage in Dratum mit Nordex-Flügeln. Dieses jetzt stehende Windrad wurde nach einer zusätzlichen Sicherheitsauflage des Landkreises weiträumig abgezäunt.

Die anderen fünf Windräder an den 111,5 Meter hohen Gittermasten dürfen weiterlaufen, weil an ihnen noch die ersten NOI-Blätter aus 2001 Runden drehen. Diese Flügel eines inzwischen insolventen Herstellers machten zwar auch Oberflächenprobleme, wurden aber generalüberholt und in einem Ringtausch wieder angebaut. Auch das sogenannte „Pannenwindrad“ (Bolzenbruch 2002, Blitzeinschlag Januar 2007, Rotorbruch März 2008) in Westendorf hat seit August überholte NOI-Flügel, die 2001 gebaut wurden.

Der in Westendorf im März gebrochene Rotor gehörte zu der Nordex-Baureihe ab 2006, die jetzt auch in Voltlage eine Havarie verursachte. Am gleichen Voltlager Windrad war schon am 11. November 2007 ein Rotorblatt gerissen. Drei Schäden ereigneten sich allein im Osnabrücker Land mit nach 2006 gebauten Nordex-Flügeln, zwei weitere Fälle sind aus dem Kreis Kleve bekannt. Angesichts dieser Häufung hat Reiner Borgmeyer volles Verständnis für die Verbote.

„Die stillgelegte Dratumer Anlage hat Flügel aus der ersten Nordex-Baureihe ab 2003, hier liegen bisher keine Anhaltspunkte für eine besondere Gefährdung vor“, wunderte sich Borgmeyer über die behördliche Auflage, dass die abgezäunte Anlage stillstehen muss. Der Stillstand seit dem 4. September habe bis jetzt einen Einnahmeausfall von mehr als 10 000 Euro verursacht. In der nahenden windreichen Zeit könnte das Rad Strom im Wert von bis zu 3000 Euro am Tag produzieren.

Das Verbot wird erst aufgehoben, wenn ein Gutachter die Sicherheit garantiert oder neue Rotorblätter installiert worden sind. Laut Borgmeyer ist noch nicht endgültig geklärt, ob die Betriebsausfallversicherung bei Betriebsverboten für den Schaden aufkommt. Er hofft er aber auf einen Ausgleich durch den Gewährleister Nordex. Dass die Anteilseigner erneut von allen Verlusten verschont werden können, wollte Borgmeyer diesmal nicht garantieren.


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