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Nach Gladbachs Klassenerhalt: Fohlen feiern Favre, Reus freut sich aufs DFB-Team „Wir haben alle ein Wunder geschafft“

Von Matthias Stoffregen

Borussias Spieler heben Trainer Lucien Favre triumphal in den Nachthimmel. Foto: dpaBorussias Spieler heben Trainer Lucien Favre triumphal in den Nachthimmel. Foto: dpa

Bochum. Die 90 Minuten des Relegationsrückspiels Borussia Mönchengladbachs beim VfL Bochum waren sinnbildlich für die Situation der grün-weißen Borussen in den letzten Wochen: Egal, wie aussichtslos die Lage ist, Mannschaft, Trainer, Verein und Fans stehen zusammen und geben alles für den Klassenerhalt. Trotz schlechter erster Halbzeit und trotz 0:1-Rückstandes bewahrten die Fohlen die Ruhe. Marco Reus, der eigentlich verletzt war, biss auf die Zähne, spielte von Beginn an, ließ sich auch noch übel foulen, aber hielt durch und schoss in der 72. Minute das entscheidende Tor zum 1:1. Nach dem Abpfiff war das Wunder vollbracht, und das Team ließ voller Freude denjenigen hochleben, dem es so vieles zu verdanken hat: Fohlen-Flüsterer Lucien Favre.

„Allein machst du nichts, und wir waren eine Einheit. Wir haben alle ein Wunder geschafft“, sagte ein sichtlich erleichterter, aber bescheiden auftretender Borussen-Trainer kurz vor Mitternacht. Denn nach dem Schlusspfiff feierte Favre zunächst ausgelassen mit seiner Mannschaft vor den 7000 mitgereisten Fans, ließ sich von seinen Spielern in luftige Höhen hochheben. Auf die Frage, was das für ein Erlebnis war, von den eigenen Leuten so hoch geworfen und wieder aufgefangen zu werden, meinte Favre ganz zurückhaltend mit einem Schmunzeln: „Es hat mich gefreut, das ist klar.“ Er stand zuvor gewaltig unter Anspannung und gab das dann auch freimütig zu: „Der Druck war unglaublich diese Woche. Vor dem ersten Spiel war der Druck o. k., aber nach dem 1:0 zu Hause auswärts in Bochum ... du kannst alles verlieren, und du bist tot.“

Danach sah es zeitweise auch annähernd aus, denn in der Halbzeit eins haben die Gladbacher „nur die ersten fünf Minuten“, wie der Trainer später meinte, gut gespielt. Angefeuert von den 21000 Bochumer Fans, lieferte nämlich zunächst das Team von Trainer Friedhelm Funkel eine engagierte Vorstellung ab. Bochums Marcel Maltritz setzte den Ball nach einer Ecke von Paul Freier gleich in der 3. Minute per Kopf an die Latte. „Wir hatten nicht Angst, aber wir hatten ruhiger angefangen“, meinte Gladbachs Verteidiger Dante anschließen. Gladbachs Havard Nordtveit avancierte in der 24. Minute dann zum Pechvogel, als der Ball von seinem Bein aus ins Borussentor sprang.

Wie in so vielen Spielen fand Favre trotzdem die richtigen Mittel für die zweite Halbzeit und wechselte in der 68. Minute Igor de Camargo ein, der als „Joker“ schon im Hinspiel getroffen hatte. Dieser lobte sich später gleich selbst für seine Torvorlage für Marco Reus: „Ich habe intelligent gespielt und mit Geduld. Ich habe eine sehr schöne Torvorlage gemacht.“ Unerschütterlichen Mannschaftsgeist zeigte der Torschütze und Jungnationalspieler: Seine Starterlaubnis für das entscheidende Duell bekam der Jungstar erst wenige Stunden vor dem Anpfiff von Mannschaftsarzt Dr. Stefan Hertl, denn ihn plagte eine leichte Verletzung im Adduktorenbereich. „Ich habe sie das ganze Spiel gemerkt. Es war nicht einfach, aber ich wollte unbedingt spielen, unbedingt der Mannschaft helfen, und zum Glück ist es gut gegangen“, sagte Reus erleichtert. So, wie ihn die Bochumer dann im Spiel auch ansprangen, hätte eine weitere Verletzung noch hinzukommen können, aber nur Bochums Matthias Ostrzolek sah die Gelbe Karte.

Bochums Trainer Funkel lobte die Leistung seines Teams aber nicht zu Unrecht: „Wir haben 180 Minuten zwei ebenbürtige Mannschaften gesehen“, so Funkel, der aber auch zugab: „Gladbach hatte einen Lauf, bei einem anderen Team hätten wir vielleicht mehr Glück gehabt.“

Trotz Blessuren freut sich Reus jetzt auf die Nationalmannschaft und die kommenden EM-Qualifikationsspiele: „Ich werde auf jeden Fall hinfahren übermorgen.“ Doch bis dahin, so kündigte es der Mann des Spiels an, werde Borussia mit den treuen Fans ausgelassen den Klassenerhalt feiern.