zuletzt aktualisiert vor

Asien und Europa suchen Gemeinsames

Von dpa

Meine Nachrichten

Um das Thema Vermischtes Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Brüssel. Es ist ein Gipfel, bei dem beide Seiten – wieder einmal – herauszufinden versuchen, was sie eigentlich voneinander halten sollen. Beim achten Gipfeltreffen der 27 EU-Länder und 16 asiatischen Staaten (ASEM) kommende Woche in Brüssel schauen die Europäer interessiert und ein wenig beklommen auf die Gäste aus Asien: Diese – angeführt von China, Indien und Japan – stehen für ein rasantes Wirtschaftswachstum ebenso wie für ein neues politisches Schwergewicht. Und sie haben die Wirtschaftskrise besser überstanden als befürchtet.

Asiaten und Europäer schätzen einander als wichtige Handelspartner und Investoren. EU-Diplomaten zufolge wird der Gipfel die Bedeutung des freien Handels, des künftigen Abbaus von Handelshemmnissen und der fortgesetzten Liberalisierung der internationalen Märkte betonen. Feierlich werden sie auch geloben, die Doha-Runde zur Öffnung des Welthandels zu einem guten Ende zu bringen.Doch in der politischen Zusammenarbeit mangelt es an konkreten Gemeinsamkeiten oder Vorhaben. Welten liegen nicht nur zwischen der EU und etwa Birma. Auch zu Mächten wie China oder Indien sind die Beziehungen alles andere als einfach. Hinzu kommt, dass auch innerhalb der asiatischen Staatengruppe die Spannungen beachtlich sind. So könnte der neue japanische Regierungschef Naoto Kan, wenn er wie geplant in Brüssel anreist, mit dem chinesischen Machthaber Wen Jiabao gleich ein Krisengespräch über den Seestreit zwischen Tokio und Peking führen.

Diplomaten sagen, die asiatischen ASEM-Mitglieder machten hinter vorgehaltener Hand deutlich, dass sie sich nicht ganz klar seien, welche weltpolitische Rolle die Europäische Union zu spielen in der Lage sei. Dennoch wolle man das Treffen in Brüssel dazu nutzen, den Europäern die eigene Sicht verschiedener Konflikte darzulegen. Von der Straße von Taiwan über die Zustände in Birma bis hin zum atomar aufgerüsteten Nordkorea reicht die Liste der Themen. Ganz zu schweigen von der Frage, wie es um das von Naturgewalten und radikalislamische Taliban erschütterte Pakistan bestellt ist.Bisher freilich haben gemeinsame Erklärungen der ASEM-Runde wenig bewirkt, räumen EU-Diplomaten ein. Bekundungen des Pekinger ASEM-Gipfels vom Oktober 2008, Nordkorea dürfe keine nukleare Bedrohung werden und in Birma sei eine nationale Aussöhnung dringend geboten, verhallten ungehört und wirkungslos. Doch zwischen Europäern und Asiaten wachse die Erkenntnis, dass die Gefahren für die Sicherheit gemeinsame und globale seien, sagen Diplomaten und verweisen etwa auf Afghanistan.Aber das Interesse an einem Ende der globalen Wirtschaftskrise und einem dauerhaften starken Aufschwung ist ein gemeinsames. Ergänzend zu einem bisher bereits 24 Seiten langen Schlusskommuniqué ist für den ASEM-Gipfel daher eine gesonderte vierseitige Erklärung über globales wirtschaftliches Handeln vorbereitet. Darin verpflichten sich die Teilnehmer, das Wachstum zu stärken, die Haushalte in Ordnung zu bringen und Strukturreformen fortzusetzen. Nun sei es wichtig, auch die vorgesehenen Reformen im Bereich der Kontrolle von Finanzmärkten umzusetzen.Künftig wird ASEM noch ein bisschen größer - und vermutlich nicht übersichtlicher. Denn in Brüssel werden auch Australien, Russland und Neuseeland in den Club aufgenmommen. Zugleich werden die Europäer diskrete Vorstöße unternehmen, um künftig auch beim Ost-Asien-Gipfel (EAS) mit am Tisch sitzen zu dürfen, nachdem dort auch Russland und die USA aufgenommen wurden. Dass sie dort wirklich zugelassen werden, ist jedoch noch keineswegs sicher.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN