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Für Werder endet heute eine Ära, die vor sechs Jahren gegen Inter begann Geldmaschine wird abgeschaltet

Von Frank Hellmann

Vor über sechs Jahren begann für Werder (hier mit Ludovic Magnin und Adriano) gegen Inter Mailand eine lange Ära in der Champions League, die heute Abend endet – gegen Inter. Foto: dpaVor über sechs Jahren begann für Werder (hier mit Ludovic Magnin und Adriano) gegen Inter Mailand eine lange Ära in der Champions League, die heute Abend endet – gegen Inter. Foto: dpa

Bremen. Seit der Saison 2004/05 ist Werder Bremen Stammgast in der Champions League. Diese Ära dürfte enden, denn in der Bundesliga läuft der Musterklub von der Weser der Musik ebenso hinterher wie in der Königsklasse. Nach sechs Jahren mit Gegnern wie FC Barcelona, Chelsea London und Juventus Turin weht heute Abend (20.45 Uhr) im bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Inter Mailand Abschiedsstimmung durch das Weserstadion.

Es ist mittlerweile guter Brauch oder schlechte Gewohnheit, dass Bundesligisten die begehrten Tickets für ihre Champions-League-Heimspiele nur im Paket an den Kunden bringen. Auch beim SV Werder Bremen hatte der Stammzuschauer im Sommer keine Wahl, als die komplette Vorrunde mit den Heimspielen gegen Tottenham Hotspur, Twente Enschede und Inter Mailand zu erwerben.

Wer hatte da schon gedacht, dass ausgerechnet die heutige Heimpartie gegen den Titelverteidiger (20.45 Uhr) zu einem Muster ohne Wert verkommen würde? Immerhin ersparen sich die Hanseaten damit die Peinlichkeit, vor halb leeren Rängen antreten zu müssen – doch die (55 Euro teuren) Restkarten für den Westkurven-Oberrang sind nicht an den Mann zu bringen.

Weil das Publikum ahnt, dass Etikettenschwindel betrieben wird? Inter-Trainer Rafael Benitez hat anklingen lassen, dass für den italienischen Meister die nächste Woche beginnende Klub-Weltmeisterschaft in Abu Dhabi wichtiger ist, weshalb im Weserstadion Stars wie Cesar, Milito und Maicon, Lucio, Sneijder oder Eto’o geschont werden. Die „Gazetta dello Sport“ schreibt von einem „unnützen Spiel“.

Und Werder? Ist zwar im Ranking der UEFA-Klubkoeffizienten so gut gelistet wie nie zuvor (Platz sieben!), aber aktuell zu schlecht, um in der Europa League zu überwintern. Die Bremer können ein Weihnachtsgeld von 800000 Euro Siegprämie einheimsen, bleiben aber so oder so Gruppenletzter. Welcher Anreiz also wartet? „Wir wollen unsere Situation weiter verbessern und uns gut aus der Champions League verabschieden“, erklärt Vorstandschef Klaus Allofs. „Das sind wir den Fans schuldig“, ergänzt Kapitän Torsten Frings.

Dem 34-jährigen Fahrensmann schwant beim Erklingen der Einlaufmelodie wohl, dass er diese Hymne als Aktiver nie mehr hören wird – es ist ja ziemlich wahrscheinlich, dass im hohen Norden an diesem Abend eine Epoche endet. Am 14. September 2004 startete der Double-Gewinner Werder Bremen im Giuseppe-Meazza-Stadion in diese Ära – und schon damals war das mit 2:0 siegreiche Inter-Starensemble eine Nummer zu groß. Allein der wackere Finne Petri Pasanen hat bei Werder die Zeit von damals überlebt, die dank der reichlich sprudelnden UEFA-Gelder erst das grün-weiße Gebilde in seiner heutigen Ausprägung möglich gemacht hat.

Doch nun sind fast 48 Millionen Euro Personalkosten (bei 126 Millionen Umsatz) nicht mehr zu stemmen, wenn die Geldvermehrungsmaschine Champions League ausgeschaltet wird. Werder wird – gelingt im neuen Jahr nicht noch eine wundersame Aufholjagd – beim Personal im nächsten Sommer einige Umwälzungen in Gang bringen.

Etliche Verträge werden gewiss nicht verlängert (Jensen, Pasanen), andere müssen Abstriche bei ihren Topgehältern machen (Frings?) oder werden von sich aus auf einen Wechsel drängen (Mertesacker?). Der ohnehin für 2011 wechselwillige und für die Liga gesperrte Hugo Almeida könnte heute bereits sein Abschiedsspiel machen, sofern Real Madrid wirklich an dem Portugiesen interessiert ist. Dann hätte wenigstens einer seine Zukunft in der Königsklasse gesichert.