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Wie kommen die Gebeine in den Käfig?

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Wilsberg - Die ZDF Wiedertäufer Samstag 20.15 Uhr

Schon wieder wird auf einem Friedhof in Münster gebuddelt. Waren es in der jüngsten Tatort-Folge nur jugendliche Grufties, die Grabesstimmung versprühten, legt der neue "Wilsberg" eine Schippe Unterwelt oben drauf: Die Wiedertäufer sind wieder da.

Die Wiedertäufer? Damit schlägt das ZDF ein wahrlich finsteres Kapitel Münster'scher Stadtgeschichte auf. Erwachsenentaufe und Vielweiberei - das propagieren die Gegner der katholischen Kirche und übernehmen 1534 die Macht in Münster. 1536 schlagen die Truppen des Bischofs dann zurück. Er lässt drei Anführer zu Tode foltern und die Leichen zur Abschreckung in Eisenkäfigen am Turm der Lambertikirche aufhängen. Dort baumeln sie noch heute - die Originalkäfige, versteht sich.

Autor Ekkehard Ziedrich und Regisseur Martin Gies nutzen die Wiedertäufer-Geschichte gleich zu Beginn für einen Schockeffekt. Plötzlich liegen Gebeine in einem der Nachbaukäfige, die im Stadtmuseum stehen. Und beim Bistum gehen seltsame Anrufe ein - die neuen Wiedertäufer drohen mit Anschlägen. Man rätselt, was dieser Krimi sein will: Vielleicht eine Provinzversion der kruden Sakrileg-Opus-Dei-Fantastereien à la Dan Brown?

Zum Glück nicht. Nein, dieser Wilsberg entwickelt mehr und mehr Spannung aus einem Personenpuzzle, in dem einfach jeder etwas zu verbergen hat. Wilsbergs Studienfreund Bruder Gabriel (André Brennicke) zum Beispiel, der eine seltsame Wandlung vom Sozialrevolutionär zum Christen-Fundi vollzogen hat. Oder der eiskalte Industrielle Walter Moorwessel (dämonisch-fies: Michael Mendl), in dessen Gutskapelle die Leiche eines Kirchenoberen gefunden wird. Schlüssel zum Fall ist für den Detektiv allerdings Moorwessels Sohn Tobias (Enno Hesse), der als "neuer Wiedertäufer" mit schwarzem Kapuzenpulli und Maske durch die Altstadtgassen hastet.

Kurzum: Dieser Wilsberg ist als Krimi besser, aber als Komödie schlechter als der letzte Münster-Tatort. Mit einer Einschränkung: Die traditionelle regionale Stichelei fehlt auch in dieser Folge nicht. Denn in welcher Straße fällt plötzlich der Strom aus, während der Rest Münsters der Erleuchtung nahe ist? Natürlich, in der Bielefelder Straße. Die gibt es zwar in Wirklichkeit gar nicht, aber das behauptet der eine odere andere ja auch von Bielefeld selbst.. .


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