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Der ,,russische Bär": Verlieren ist bei den Fans eine Schande

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Quakenbrück (bec)
Im familieninternen ,,Duell" führt (noch) Ehefrau Elvira Boger, die 1994 mit dem VfL Bochum den Aufstieg in die Bundesliga schaffte. Sechs Jahre danach will Ehemann Artur Gacaev gleichziehen, denn für ihn würde ,,echt ein Traum wahr werden", mit den Basketballern des TSV Quakenbrück in die erste Klasse zu kommen. ,,Wir sind stark und können kämpfen, und wir haben besonders tolle Fans. Da ist es eine Schande, wenn wir verlieren", verkündet ein ruhiger Typ in einer klaren Sprache, was die Stunde im Artland nach vier von zehn Spielen der Aufstiegsrunde geschlagen hat

Dabei ist der Flügelspieler erst einmal froh, aus der Rolle des weitgehenden Betrachters wieder zu einem der Hauptakteure bei den ,,Drachen" geworden zu sein. ,,Das war eine harte Zeit, ein halbes Jahr nur Gymnastik und dann Spiele mit Schmerzen. Aufgeben? Nein, ich habe immer weiter gekämpft", sagt der 30-jährige beim Blick zurück auf die Saison 1998/99, als er nach einer Operation an der linken Schulter nur schwerlich den Anschluss fand in seinem zweiten Jahr in Quakenbrück.

,,Da hat man mich voll unterstützt vom Verein und von den Sponsoren her. Dafür bin ich sehr dankbar", sagt Gacaev, der dabei im festen Glauben an sich selbst sowie durch die Kraft, die ihm seine Familie gibt, nie aufsteckte. Nur gut, denn auf die Qualitäten des Kämpfers, der am liebsten Richtung Korb zieht und dann den entscheidenden Pass gibt, möchten Trainer Tomislav Bevanda und seine Teamkollegen nicht verzichten. Erst recht nicht in den Spielen mit Finalcharakter in der laufenden Aufstiegsrunde und speziell am nahenden Samstag, wenn der Oldenburger TB zum ,,Gipfel" in die Artlandhalle kommt, sowie eine Woche danach bei den ,,jungen Wilden" des TuS Lichterfelde in Berlin.

Eines von beiden Spielen will der Coach unbedingt gewinnen, um ,,im Geschäft" um die beiden ersten Plätze zu bleiben. ,,Besser beide gewinnen", meint Gacaev, der nach dem ,,sehr guten Spiel" beim Triumph in Rhöndorf am letzten Samstag vor Selbstbewusstsein und Entschlusskraft geradezu strotzt: ,,Oldenburg ist stark, aber von den Spielern her sind wir nicht schlechter. Wir werden kämpfen wie die Löwen."

Eine Qualität, die ihn stets auszeichnete in seiner Laufbahn als Basketballer. Einmal trug er das Trikot der russischen Nationalmannschaft beim Kantersieg 1991 gegen Dänemark, als ihm bei 15 Minuten Spielzeit acht Punkte gelangen. Die Tür nach Westeuropa öffnete sich für ihn, als er mit seinem Klub Saratov 1993 bei einem Turnier in Trier die Chance nutzte, beim Zweitligisten VfL Bochum einen Vertrag zu bekommen. Vier Jahre punktete er für den Revierklub. Allein der Einstieg in das ,,normale" Berufsleben dauerte nur ein Jahr, denn die Ausbildung zum Bäcker mit dem Weckerschellen um 4 Uhr passte nicht zum Leistungssport abends bis 22 Uhr.

Anders seine Ehefrau, die er als 14-Jähriger _ wo sollte es anders sein _ beim Basketball im gleichen Verein kennen lernte und die ihren Sport hinter die ,,Familienpolitik" sowie die Ausbildung zur Physiotherapeutin zurückstellte. Priorität genießen inzwischen die drei Kinder Alexandra (5 Jahre), Alan (3 Jahre) und Oliver (7 Monate), die sich ebenso wie ihre Eltern in der Beschaulichkeit der Burgmannstadt wohl fühlen. Die familiäre Atmosphäre in der Kleinstadt, der Kontakt zu vielen Menschen sowie das freie Denken und Leben wissen ,,die Gacaevs" zu schätzen. Auch als gläubige Christen, die sie und ihre Eltern auch in Russland, exakt in der autonomen Republik Dagestan, waren, ,,obwohl es verboten war".

Zu Hause war Artur Gacaev zuletzt vor zwei Jahren und spürte bei aller Gastfreundschaft seiner Landsleute den Kontrast zum Westen. Ein Grund mehr für ihn, sein weiteres Leben hierzulande zu gestalten, auch wenn die sportliche Zukunft in Quakenbrück wohl erst ab Mitte April diskutiert wird. ,,Erst will ich hier ein Gespräch führen. Erst wenn es hier für mich nicht weiter geht, dann werde ich woanders etwas versuchen." Dabei sieht er sich mit fast 31 Lenzen im gerade richtigen Alter als Basketballer, auch wenn er als 20-Jähriger dachte, mit 30 für diesen Sport ein ,,Opa" zu sein.

Wenn freilich ein ,,Opa" so kämpft und trifft wie der ,,russische Bär", dann lassen die Fans der ,,Drachen" ihn im September gerne 31 Jahre alt werden...


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