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Autor sucht Ru(h)m Hunter S. Thompson im Kino: Das Rausch-Porträt „Rum Diary“

Von Reinhard Westendorf

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Osnabrück. Der amerikanische Journalist Hunter S. Thompson (1937–2005) wollte mit der „totalen Berichterstattung“ sich selbst so stark mit subjektiven Eindrücken in seine Reportagen einbringen, dass sie das Objekt des Berichts verdrängen sollten.

„Gonzo-Journalismus“ wird dieser Schreibstil genannt. Sein wohl größter Bucherfolg „Fear and Loathing in Las Vegas“ genoss auch in der rauschhaften Filmadaption von Terry Gilliam (1998) Kultstatus. Darsteller-Star Johnny Depp spielt jetzt in der Verfilmung des lange verloren geglaubten ersten Romans von Hunter S. Thompson erneut eine hochprozentige Hauptrolle.

In „Rum Diary“ fliegt der dreißigjährige US-Amerikaner Paul Kemp (Depp) 1960 nach Puerto Rico, um dort eine Stelle als Reporter bei der im Niedergang befindlichen Zeitung „San Juan Star“ anzutreten. Zu dieser Zeit geht nicht nur in dem politisch mit den USA assoziierten Inselstaat alles drunter und drüber. Wie die meisten seiner alkoholsüchtigen Journalisten-Kollegen lässt sich der lasterhafte Kemp in dem „schizophrenen Land“ von reichlich Rum, fatalen Frauen und dem schmutzigen Geld der amerikanischen Wirtschaftsmacht verführen. Doch auf jeden Rausch folgt die Ernüchterung umso härter und wird die Ahnung vom drohenden Untergang zur Gewissensfrage.

Mit der halluzinatorischen Fantasiewelt von Terry Gilliams „Fear and Loathing“-Version kann und will die eher nüchterne Inszenierung von Regisseur Bruce Robinson in „Rum Diary“ nicht konkurrieren. Dem Engagement des Hauptdarstellers Johnny Depp, der auch Koproduzent des Films ist, tut das jedoch genauso wenig Abbruch wie der sarkastischen Zeichnung der wirtschaftspolitischen Situation jener Zeit. In dem „Land der unbegrenzten Gräueltaten“ gibt es auf dem Weg zum Ru(h)m neben wenigen betrügerischen Gewinnern umso mehr betrogene Verlierer – vereint im Vollrausch! Ob eine journalistische „Stimme aus Tinte und Wut“ in Gestalt von Hunter S. Thompsons Alter Ego Paul Kemp uns vor dem bösen Erwachen bewahrt, bleibt abzuwarten.

„Rum Diary“. USA 2011, R: Bruce Robinson. D: Johnny Depp, Aaron Eckhart, Michael Rispoli, Amber Heard; 120 Minuten. Ab 12 Jahren. Filmpassage. Hier geht es zum Traile.r


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